Buchzensur Darf Aisha lustvoll maunzen?Seite 2/2
Die treibende Kraft hinter der Auflösung des Vertrags war aber kein Mullah, sondern Denise Spellberg, Professorin der Islamwissenschaft an der Universität von Austin, Texas. Sie ist keine Muslimin, gilt als Linke und Feministin und hat an der New Yorker Columbia University studiert. Spellberg hat ebenfalls ein Buch über Aisha geschrieben, ein wissenschaftliches allerdings. Deshalb hat sie der Verlag um ein paar lobende Worte für den Buchumschlag von Jewel of Medina gebeten. Sie aber fand das Buch von Sherry Jones „hässlich und dumm“. Es verdrehe heilige Geschichte in einen Softporno. Sie alarmierte nicht nur muslimische Kollegen, sondern rief ihre Lektorin bei Random House an, warnte sie vor Anschlägen und einer Bedrohung der nationalen Sicherheit. Sie drohte gar mit einer Klage, falls Jones' Buch mit ihrem Namen beworben würde.
Kaum aber wurde Spellberg von Nomani als Anstifterin zum Verbot dargestellt, ruderte sie zurück: Mit Zensur wolle sie nichts am Hut haben, sagte sie öffentlich. Sie sei durch einen Metalldetektor gegangen, nur um den unter Christen umstrittenen Film Die Letzte Versuchung Christi zu sehen. Und: Auch andere hätten den Verlag vor Anschlägen gewarnt, nicht nur sie.
Echte Empörung von echten Muslimen ist bisher ausgeblieben. Es gab nur ein paar Besprechungen, die das Buch nicht sonderlich kenntnisreich fanden. Handelt es sich bei der Kontroverse womöglich um einen Zickenkrieg, in dem muslimische Männer nur die Komparsen sind? Und: Wie gut ist das Buch eigentlich?
Bisher wurden Auszüge veröffentlicht, wie: „Ich (d. h. Aisha) fühlte den Stich des Skorpions kaum. In seinen Armen zu liegen, Haut an Haut, war die Wonne, nach der ich mein ganzes Leben verlangt hatte.“ Oder: „Unsere Körper rieben sich leicht aneinander, meine Brüste an seiner Brust, ein Aroma wie Muskat stieg von seinem Körper, mein Maunzen der Lust überraschte mich, üppig wie das Schnurren eine Katze im Sonnenlicht.“
Womöglich dämmerte es den Random-House-Chefs erst nach der Beschwerde der Fachfrau, was für einen Kitsch sie gegebenenfalls verteidigen müssten. Der Verlagssprecher Stuart Applebaum sagte dazu nur, die Entscheidung sei endgültig. Hirsi Ali glaubt, Jones werde früher oder später ein Buchvertrag angeboten, denn amerikanische Verlage seien mutiger als europäische. Nicht unbedingt: Bisher hat es keine US-Zeitung gewagt, die Mohammed-Karikaturen aus Jyllands-Posten nachzudrucken.
- Datum 21.08.2008 - 17:07 Uhr
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