Passender hätte die Musik kaum sein können: Ted Kennedy erklomm die Bühne zum Neunziger-Jahre-Hit Still the one . Das Urgestein der Demokraten, in den USA als "liberaler Löwe des Senats" bekannt, ließ sich seinen Auftritt trotz Abraten der Ärzte nicht nehmen. In 48 Jahren seiner politischen Karriere hatte er nur zwei Parteitage verpasst. "Dies ist meine Lebensgrundlage", erklärte er mit fester Stimme, aber unübersehbar zitternden Händen.

Er erinnerte mehrmals an seinen ermordeten Bruder, Präsident John F. Kennedy. "Er hat ja auch nicht gesagt, der Mond sei zu weit weg", sagte er unter lautstarken "Teddy"-Rufen. "Die Fackel ist jetzt an eine neue Generation übergeben worden."

Dass der 76-Jährige so kurz nach seiner Gehirnoperation nicht nur anwesend war, sondern auch seine Partei höchstpersönlich an Geschichte und demokratische Ideale erinnerte, hatte Symbolcharakter. Viele Zuschauer, unter anderem Arnold Schwarzeneggers Ehefrau aus dem Kennedy-Clan, Maria Shriver, wischten sich während seiner Rede verstohlen ein paar Tränen aus den Augen. Denn Ted Kennedy ist einer der wenigen, der die Demokraten zusammenhalten kann.

Wie nötig das ist, zeigt die Medienberichterstattung zum Auftakt des Parteitags: Hillary Clintons Frühstück mit Delegierten, die Frage, ob und wie sehr Bill Clintons kommende Rede mit Obamas Team abgestimmt wurde (angeblich gar nicht), sowie eine neue CNN-Umfrage, nach der die Unterstützung Obamas durch ehemalige Clinton-Anhänger nicht zu-, sondern kräftig abnimmt, ziehen viel Aufmerksamkeit weg von Obama. So zog gerade eine Delegierte aus Florida mit einem "Hillary for President"-Button die Fernsehkameras magisch an.

"Wir sind Demokraten, von daher kann es eine Weile dauern", erläuterte Hillary Clinton die vielen Sympathiekundgebungen gegenüber Journalisten. "Wir sind keine Partei der Anpasser. Wir sind vielfältig, aber vereint."

Abgesehen von den Clintons, die sich vom Auftakt des Parteitags fernhielten, haben die Demokraten mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Der geschwundene Vorsprung vor dem Republikaner John McCain macht deutlich, dass Angriff statt Verteidigung notwendig ist, um die Wahl zu gewinnen. "Wir werden den Kontrast zwischen McCain und Obama aggressiv darstellen", so ein nicht genannter Delegierter gegenüber der Tageszeitung Chicago Tribune . "Wir werden nicht den gleichen Fehler machen wie 2004."