Doping Scharf geritten

Der Sport behandelt seine Pferde fast wie lebendige Rennautos: Um sie auf Trab zu bringen, werden die Tiere getunt - und zwar mit heißem Stoff. Ein Kommentar

Erinnern Sie sich noch an Shutterfly? Das Super-Springpferd von Meredith Michaels-Beerbaum erlangte vor vier Jahren zweifelhaften Ruhm, als es positiv auf ein Beruhigungsmittel getestet wurde. Das goldverdächtige Paar durfte nicht zu den Olympischen Spielen in Athen antreten, und die Öffentlichkeit war irritiert. Sein Schwager Ludger Beerbaum dagegen startete mit Goldfever durch, ersprang mit der Mannschaft Gold und wurde erst hinterher disqualifiziert, als die Kontrolleure im Blut des Hengstes Cortison fanden. Beerbaum musste die Medaille zurückgeben, die Mannschaft auch, und jetzt war die Öffentlichkeit schon etwas mehr als irritiert. Der ehrwürdige Reitsport, ein Dopingsumpf?

Nun ja, vier Jahre später dürfen wir uns erst mal ein bisschen freuen: Die Beerbaums und ihre Pferde sind in Peking sauber geblieben. So sauber, dass beide deutschen Springreiter in Bedeutungslosigkeit versanken, während andere den Erfolg hatten - oder erwischt wurden. Vier Pferde, darunter auch Cöster von Christian Ahlmann, sind jetzt mit Capsaicin aufgeflogen. Ein Mittelchen, dem ein regelrechter Bio-Charme anhaftet - stammt es doch aus dem organischen Fleisch von Chilischoten, die mit ihrer Höllenschärfe wohl jedem Klepper Beine machten.

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Rein pflanzlich aber zählt nicht, und schon gar nicht im Reitsport. Denn tatsächlich ist das Regelwerk gegen Doping nirgends so streng wie beim Pferd: Es ist schlicht nichts erlaubt. Weder die gelisteten, echten Doping-Substanzen oder -Methoden. Noch Medikamente, die außerhalb der Wettkämpfe für die Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden können. Auch sie sind während der Turniere strikt verboten, weil behandlungsbedürftige Tiere laut Tierschutzgesetz nicht in ein Rennen oder Springen geschickt werden dürfen.

Doch offenbar verhält es sich beim Reiten ähnlich wie im Motorsport: Es gibt klare Regeln, jeder kennt und akzeptiert sie. Aber nur, wenn das Letzte aus der besten Karre herausgeholt wird, wird ein Pilot auch siegen. Am Rennwagen wird deshalb mal der Heckflügel regelwidrig verbogen, mal ein verbotener Unterboden eingezogen. Beim Pferd helfen unerlaubte Salben, Pillen, Spritzen. Zum Beispiel das besagte Chilidope, das ja für vieles gut ist: Als Kapsel geschluckt fördert Capsaicin die Durchblutung der Muskeln, und wie man seit einiger Zeit weiß, ist das Alkaloid auch ein prima Schmerzmittel. Prima vor allem, weil es zwar den Schmerz, nicht aber Sinnesnerven des Pferdes betäubt.

Als Salbenmix aufgetragen reizt es dagegen selbst dickste Pferdehaut aufs Empfindlichste. Besonders an den Röhrbeinen - den vermeintlichen Schienbeinen vorn - schürt dies beim Tier die Angst vor der Berührung, vor allem vor dem Kontakt mit den wuchtigen Hindernissen. Dass nun gleich vier Tiere mit Capsaicin ertappt wurden, liegt nach Ansicht von Experten daran, dass die Kontrolleure in Hongkong besonders empfindliche Tests für die exotische Substanz entwickelt haben. Welch unangenehme Überraschung!

Leser-Kommentare
    • zetti
    • 22.08.2008 um 8:55 Uhr

    Natürlich wird für Ruhm und Geld gedopt. Für was denn sonst? Die Frage stellt sich nur, für wessen Ruhm und Geld?  Für der Sportler an sich fallen im allgemeinen nur die Brosamen ab. Im Pferdesport stellt wenigstens nur(?) das Pferd seinen Körper und seine Gesundheit zur Verfügung. Wer profitiert also, außer dem vojoristischem Sportfan, wirklich vom Doping? Der Sport sicher nicht!Zetti

  1. ist das die schreibweise nach der rechtschreibreform ? oder das idiom der vogonen ? wobei die schnittmenge der vogonen mit den sportfans sicher erheblich ist.

  2. Ein Pferd würde freiwillig nie ein Hindernis überspringen. Es ist ein Fluchttier. All die Pferdenarren und Narinnen begehen täglich Tierquälerei. Sie werden es nie einsehen, sie werden immer widersprechen, weil sie ihre kaputte Gefühlswelt auf Pferde projezieren. Was interessiert da noch das bißchen Chillipulver.

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    • melzni
    • 22.08.2008 um 13:31 Uhr

    Nach Ihrer Argumentation dürften Menschen generell keine Tiere halten und schongarkeine Tierprodukte essen - denn Tiere würden nie freiwillig in Ställen herumstehen, sich eine Leine umlege, ihre Eier auf den Frühstücksteller legen, sich schlachten lassen. Sind Sie also Veganer und haben keine Haustiere? Nur dann haben Sie das Recht, auf die "Pferdenarren und Narrinnen" zu schimpfen.

    • melzni
    • 22.08.2008 um 13:31 Uhr

    Nach Ihrer Argumentation dürften Menschen generell keine Tiere halten und schongarkeine Tierprodukte essen - denn Tiere würden nie freiwillig in Ställen herumstehen, sich eine Leine umlege, ihre Eier auf den Frühstücksteller legen, sich schlachten lassen. Sind Sie also Veganer und haben keine Haustiere? Nur dann haben Sie das Recht, auf die "Pferdenarren und Narrinnen" zu schimpfen.

    • melzni
    • 22.08.2008 um 13:31 Uhr

    Nach Ihrer Argumentation dürften Menschen generell keine Tiere halten und schongarkeine Tierprodukte essen - denn Tiere würden nie freiwillig in Ställen herumstehen, sich eine Leine umlege, ihre Eier auf den Frühstücksteller legen, sich schlachten lassen. Sind Sie also Veganer und haben keine Haustiere? Nur dann haben Sie das Recht, auf die "Pferdenarren und Narrinnen" zu schimpfen.

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    Ich bin weder Vegetarier noch Veganer. Ich esse in der Tat wenig Fleisch, aber nicht, weil ich der Meinung bin, man dürfe keine Tiere essen. Der Stärkere ernährt sich vom Schwächeren, so funktioniert Natur. Und sonst gäbe es kein Leben auf diesem Erdball.
    Aber was solls. Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Es ist ein Unterschied, ob ich einem Fluchttier das Springen über Hindernisse beibringe, was nicht artgerecht ist oder mir einen Hund oder eine Katze halte, welche in freier Wildbahn kaum noch überlebensfähig sind, weil wir Menschen deren Umgebung nahezu zersört haben. Es spricht auch nichts gegen Pferdehaltung und auch nichts gegen das Reiten. Aber dieser Schwachsinn, ein Tier über Hindernisse zu zwingen, was nicht seiner Natur entspricht und Schmerzen verursacht, wenn es das Hindernis reißt, ist Tierquälerei in Reinkultur. Da hilft auch kein Schönreden. Zum Glück gibt es auch ehrliche Pferdenarren, die zugeben, dass das Tierquälerei ist. Ein Pferd hat eigentlich auch kein Bock, sich von Menschen begrapschen zu lassen, schon gar nicht im Gesicht, aber weil der Mensch dieses Tier derart domestitziert hat, erträgt es dieses, weil es in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Menschen steht und dieser ihm sein Überleben sichert. Aber egal, ich erwarte gar nicht, dass Pferdebesitzer dieses zugeben. Sie würden sonst ja selber zugeben, dass sie ihr liebstes Tier täglich quälen. Wer gibt das schon gerne zu?

    Ich bin weder Vegetarier noch Veganer. Ich esse in der Tat wenig Fleisch, aber nicht, weil ich der Meinung bin, man dürfe keine Tiere essen. Der Stärkere ernährt sich vom Schwächeren, so funktioniert Natur. Und sonst gäbe es kein Leben auf diesem Erdball.
    Aber was solls. Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Es ist ein Unterschied, ob ich einem Fluchttier das Springen über Hindernisse beibringe, was nicht artgerecht ist oder mir einen Hund oder eine Katze halte, welche in freier Wildbahn kaum noch überlebensfähig sind, weil wir Menschen deren Umgebung nahezu zersört haben. Es spricht auch nichts gegen Pferdehaltung und auch nichts gegen das Reiten. Aber dieser Schwachsinn, ein Tier über Hindernisse zu zwingen, was nicht seiner Natur entspricht und Schmerzen verursacht, wenn es das Hindernis reißt, ist Tierquälerei in Reinkultur. Da hilft auch kein Schönreden. Zum Glück gibt es auch ehrliche Pferdenarren, die zugeben, dass das Tierquälerei ist. Ein Pferd hat eigentlich auch kein Bock, sich von Menschen begrapschen zu lassen, schon gar nicht im Gesicht, aber weil der Mensch dieses Tier derart domestitziert hat, erträgt es dieses, weil es in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Menschen steht und dieser ihm sein Überleben sichert. Aber egal, ich erwarte gar nicht, dass Pferdebesitzer dieses zugeben. Sie würden sonst ja selber zugeben, dass sie ihr liebstes Tier täglich quälen. Wer gibt das schon gerne zu?

  3. Ich bin weder Vegetarier noch Veganer. Ich esse in der Tat wenig Fleisch, aber nicht, weil ich der Meinung bin, man dürfe keine Tiere essen. Der Stärkere ernährt sich vom Schwächeren, so funktioniert Natur. Und sonst gäbe es kein Leben auf diesem Erdball.
    Aber was solls. Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Es ist ein Unterschied, ob ich einem Fluchttier das Springen über Hindernisse beibringe, was nicht artgerecht ist oder mir einen Hund oder eine Katze halte, welche in freier Wildbahn kaum noch überlebensfähig sind, weil wir Menschen deren Umgebung nahezu zersört haben. Es spricht auch nichts gegen Pferdehaltung und auch nichts gegen das Reiten. Aber dieser Schwachsinn, ein Tier über Hindernisse zu zwingen, was nicht seiner Natur entspricht und Schmerzen verursacht, wenn es das Hindernis reißt, ist Tierquälerei in Reinkultur. Da hilft auch kein Schönreden. Zum Glück gibt es auch ehrliche Pferdenarren, die zugeben, dass das Tierquälerei ist. Ein Pferd hat eigentlich auch kein Bock, sich von Menschen begrapschen zu lassen, schon gar nicht im Gesicht, aber weil der Mensch dieses Tier derart domestitziert hat, erträgt es dieses, weil es in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Menschen steht und dieser ihm sein Überleben sichert. Aber egal, ich erwarte gar nicht, dass Pferdebesitzer dieses zugeben. Sie würden sonst ja selber zugeben, dass sie ihr liebstes Tier täglich quälen. Wer gibt das schon gerne zu?

    • melzni
    • 22.08.2008 um 15:50 Uhr

    Ich würde sagen ich vergleiche Äpfel mit Äpfeln.Sie akzeptieren das Springreiten nicht, weil das Pferd ein Fluchttier ist, richtig? Um diesem Verhalten gerecht zu werden, ist Ihrer Meinung nach offensichtlich auch nur dann
    Reiten erlaubt, wenn man dieser Fluchtneigung nicht entgegenwirkt, richtig? Dann müsste man sein Tier also bei jeder von ihm als Gefahr interpretierten Situation davonrennen lassen. Jegliche Beruhigungsversuche wären schon Tierquälerei, ist das Ihre Meinung? Wenn Sie schon gegen Springreiterei argumentieren, verwenden Sie
    wenigstens sinnvolle Argumente, z.B. dass ein Pferd anatomisch nicht
    zum Überwinden hoher Hindernisse geschaffen ist, sondern - auch
    erkennbar an seiner Eigenschaft als Fluchtttier - ehr zum Galoppsport. Ein Pferd dazu zu bringen, einen Reiter zu akzeptieren ist übrigens in den meisten Fällen wesentlich schwieriger, als es über ein Hindernis zu bringen. Ein Pferd läuft auch nicht natürlicherweise dort hin, wo ein Mensch es gerne hätte. Das ist letztlich alles Zwang. Genau wie das Halten von Tieren an sich letztlich Zwang ist. Sicherlich nicht.Die Frage ist doch, WIE man es das Tier hält. Meinen Sie denn, es ist artgerecht, Hunde nur an der Leine herumzuführen oder ne Katze in der Wohnung zu halten? Auch beim Pferdesport kommt es für mich entscheidend darauf an, wie man sein Pferd an sich behandelt, welche Trainingsmethoden man anwendet. Dort entscheidet sich für mich, ob man Tierquälerei betreibt oder eben nicht. Und so ist es auch bei allen anderen Tierhaltungsformen. In diesem Sinne: lieber ein gut behandeltes Springpferd im Stall als ein Käfigei auf dem Frühstückstisch.

  4. Wer sich gerne eine Medaille umhängen möchte, sollte doch selbst Höchstleistungen erbringen.
    Wenn es um Ehre, Ruhm und Geld geht, kann auf die Bedürfnisse und den Schutz anderer Lebewesen keine Rücksicht mehr genommen werden.
    Besonders, wenn diejenigen, die Vorbildfunktion haben sollten mit schlechtem Beispiel vorangehen.
    Und damit meine ich nicht nur Christian Ahlmann, der sein Pferd dopt, damit es höher springt, sondern auch Bettina Hoy, die bei ihrem Pferd "das Zaumzeug zu stramm eingestellt hatte" oder die Goldmedaillengewinnerin Anke van Grunsven, die ihre Pferde mit der tierquälerischen Rollkurmethode, neuerdings vornehmerweise "Hyperflexion" genannt, trainiert.
    Nicht umsonst werden Pferde in Deutschland  im Durchschnitt nur 8 Jahre alt und das bei einer Lebenserwartung von 25 bis 30 Jahren
    Leider vermisst man auch von Seiten der Medien kritische Worte, die sich mit dem Reitsport im Hinblick auf den Tierschutzgedanken auseinandersetzen. Kompliment an Frau Zinkant hier einmal deutliche Worte zu finden.

  5. das belegen alleine schon die nicht unnatürlichen Leistungssteigerungen und der Abstand zur Konkurrenz, sowie die rein statistisch schon gegebene Unwahrscheinlichkeit der Anzahl der gewonnen Wettkämpfe. Die ganzen Spiele sind zwar ohnehin eine einzige Farce, dass aber genau dieses "Land der Mittel" (Beitrag ARD zu CHina), dass außerhalb der Wettkampfzeiten nicht an Dopingkontrollen teilnimmt, und gezielt DDR-Dopingärzte/Trainer beschäftigte, die Dopingkontrollen übernimmt, auch die der eigenen Sportler, ist der Gipfel der Absurdität. Zumal das IOC auf Drängen Chinas andere neuentwickelte Testverfahren NICHT zuließ! Es ist aufgrund der völlig absurden Situation kein Wunder, dass bisher keine chin. Sportler, erstrecht keine Gewinner, pos. getestet wurden.

    Es ist bedauerlich, dass die Zeit-Redaktion (wie auch alle anderen) kein Wort dabrüber verliert oder Nachforschungen anstellt, dafür aber einen im Verhältnis recht harmlosen Vorfall herauspickt und an den Pranger stellt, bei dem möglicherweise an Pferd mit Durchblutungsfördernder Salbe behandelt wurde, deren Anwendung beim Dressurreiten allerdings kaum einen Sinn ergibt, und bei dem noch nicht einmal die Ergebnisse der B-Probe vorliegen.

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    • hawat
    • 22.08.2008 um 23:31 Uhr

    bitte an das Glashaus denken!Danke!

    • hawat
    • 22.08.2008 um 23:31 Uhr

    bitte an das Glashaus denken!Danke!

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