In den Hallen wird abgeräumt. Draußen warten Trucks, die meisten mit westdeutschen Kennzeichen. Zum siebten Mal geht die Leipziger Games Convention zu Ende: ein Spektakel wie immer, ein Rekord wie stets, ein Erfolg wie gewohnt. Und doch ist diesmal alles anders. Denn die großen Aussteller nehmen nicht bloß ihre voluminösen Stände mit, sondern womöglich die ganze Messe.

Schon während der Show war über dem Gelände ein Vogel gekreist und hatte unheilvolle Schatten auf das Leipziger Spielefest geworfen: Das Werbeflugzeug zog ein Banner der neu gegründeten "GamesCom", die ab 2009 in Köln stattfindet. Die Luftunterstützung unterstrich, was seit Monaten klar ist: Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungsindustrie (BIU) hat der Games Convention, dem Wunderkind der deutschen Messelandschaft, die Liebe entzogen. Und damit viel Geld und Bedeutung.

Die Mitglieder des BIU, zwölf Branchenriesen mit geschätzten 80 Prozent Marktanteil, werden im kommenden Jahr in Köln ausstellen. Den Nintendos und Microsofts ist Leipzig zu klein geworden. Zu wenige Betten, zu wenige Flüge, zu wenig Messefläche. Und: zu weit vom Schuss, für Besucher wie Aussteller.

Das alles wird am Rhein besser. Das komplette Ruhrgebiet wird die Kölner Messe besuchen können, zum Ortstarif. Und auch die Verbandsunternehmen - sieben sind im Rhein- oder Maingebiet ansässig - werden mit anderthalb Stündchen Reisezeit auskommen; wenn nicht gar mit zehn Taximinuten, wie der Kölner Megakonzern Electronic Arts.

Das Gute läge also künftig nah, für BIU wie NRW. Wenn, ja, wenn Leipzig denn die Waffen streckte. Das aber ist nicht der Fall. Die Sachsen haben den "unwiderruflichen" Westkurs des Bundesverbands mit einer Kampfansage beantwortet: Die GC Leipzig findet auch 2009 statt, basta. Sie baut auf jene "90 Prozent der Aussteller", die Marktanalysen zufolge auch künftig lieber in Leipzig blieben.

Damit sind die Fronten klar. Der Ton wird entsprechend ruppiger. Die GamesCom lässt für den Klub der Zwölf eisig wissen: Was immer Leipzig treibe, es werde "ohne die Branche" stattfinden. Das allerdings sehen die zahlreichen Mittelständler der Industrie anders. Ihnen verhagelt der spätere GamesCom-Termin wichtige Handelsabschlüsse für das Weihnachtsgeschäft. Die Branche ist also gespalten. Genau darauf - und auf die Loyalität der Besucher - gründen Leipzigs Hoffnungen.