Arbeitsmarkt "Amerikanische Zustände"

Der Aufschwung ist an den Geringverdienern vorbei gegangen, der Niedriglohnsektor wächst, beklagt die Ökonomin Claudia Weinkopf im Interview. Sie fordert einen gesetzlichen Mindestlohn

Eine Kassiererin der Supermarktkette Walmart in Ohio, USA. Der deutsche Niedriglohnsektor gleicht dem amerikanischen heute mehr denn je, meint die Wissenschaftlerin Claudia Weinkopf

Eine Kassiererin der Supermarktkette Walmart in Ohio, USA. Der deutsche Niedriglohnsektor gleicht dem amerikanischen heute mehr denn je, meint die Wissenschaftlerin Claudia Weinkopf

ZEIT ONLINE: Frau Weinkopf, in einer heute erscheinenden Studie vertreten Sie und zwei andere Autoren die These, dass der Aufschwung vollständig an den Geringverdienern in Deutschland vorbei gegangen ist. Ist das nicht eine Übertreibung?

Claudia Weinkopf: Nein. Unsere Daten geben nichts anderes her. Die Reallöhne des unteren Viertels der Einkommensskala sanken demnach zwischen 1995 und 2006 um bis zu 14 Prozent. Das war auch im Aufschwungjahr 2006 nicht anders. Diejenigen, die ohnehin die geringsten Löhne beziehen, haben weiter verloren. Profitiert hat hingegen das Viertel der Bezieher hoher Einkommen: Ihre Löhne stiegen im untersuchten Zeitraum real um 3,5 Prozent. Die Lohnschere öffnet sich.

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ZEIT ONLINE: Auf der anderen Seite haben zuletzt viele Menschen einen neuen Job gefunden, die vorher arbeitslos waren. Die Arbeitslosigkeit ist zuletzt deutlich zurück gegangen.

Weinkopf: Ja, und dennoch muss man genauer hinschauen. In einigen Fällen wurden gut bezahlte Stellen abgebaut und durch schlechter bezahlte ersetzt. Etwa bei der Telekom. Die lagerte viele Jobs in eine Tochtergesellschaft aus, die ihre Mitarbeiter zu niedrigeren Löhnen beschäftigt als vorher.

ZEIT ONLINE: Allerdings sind im jüngsten Aufschwung - anders als noch Ende der Neunzigerjahre - unter dem Strich mehr Vollzeitjobs entstanden. Das war in den Neunzigerjahren noch anders, als vor allem Minijobs aus dem Boden schossen. Warum schlägt sich das nicht in der Statistik nieder?

Weinkopf: Das Problem sind heute längst nicht mehr nur die prekären Beschäftigungsverhältnisse wie Teilzeitarbeit oder Minijobs. Betroffen sind auch zunehmend Beschäftigte mit Vollzeitstellen. Die Tarifbindung ist seit der Wende in vielen Branchen enorm erodiert, etwa in der Gastronomie, wo heute zwei Drittel der Beschäftigten zu Niedriglöhnen arbeiten. Amerikanische Zustände sind nicht mehr fern.

ZEIT ONLINE: Was heißt das?

Leser-Kommentare
    • Piepe
    • 27.08.2008 um 12:45 Uhr

    Jetzt fehlt  nur noch der Anstieg der Gefängnisinsassen in Deutschland auf 500000, um mit den USA auch dort gleichzuziehen.Kalifornien gibt für Gefängnisse mehr aus, als für Bildung.

  1. deren Lieblingsbeschäftigung das herumreisen ist (entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Die Redaktion/jk) sollte man sich nicht wundern, wenn wir hier auch bald solche Verhältnisse haben.Von den USA lernen, heisst sterben lernen. Eine Geellschaft ist nur so viel wert, wie sie bereit für ihre Schwächsten zu sorgen. Und da sieht es hüben und drüben eher aus wie im finstersten Mittelalter.Aber macht nix, wir sind ja Deutschland.

  2. Natürlich ist es eine traurige Entwicklung, wenn derjenige, der arbeitet zunehmend zum Leben (und nicht nur existieren) nicht genug verdient. Aber wie immer ist es eine Frage der subjektiven Wahrnehmung und die dreht sich immer um einen selbst, also: Wie sieht es bei mir aus?Zum Niedriglohnsektor gehört mein "Job" nicht, nein, ich gehöre zu denjenigen, denen man zutraut, die akademische Zukunft auszubilden, Prädikatsexamen, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Promotion, blablabla.Doch wie gehen wir mit solchen Menschen um? Wie viele meiner Kollegen habe ich eine "halbe Stelle". Traumhaft, mittags fertig? Weit gefehlt! Arbeitsbeginn 8°°Uhr, Ende gegen 21°°Uhr, Mittagspause? Diese Arbeitnehmermentalität wollen Sie doch hier nicht an den Tag legen? Urlaub? Noch keinen Tag meines Jahresurlaubs genommen - durfte ich nicht. Den vom letzten Jahr habe ich zwar nicht verfallen lassen, war aber tagtäglich in der Klinik, auch am Wochenende. Wie es ohnehin üblich ist, alles, was zusätzlich verlangt wird (wer geht schon davon aus, dass die Arbeitsanforderungen angemessen sein sollten?) am Wochenende zu erledigen. Außer, wenn Notdienste anstehen, dann kann man das mal aussetzen und unter der Woche erledigen. Nachts um zwei ist das Intranet auch nicht so überlastet. Geht schneller. Dann fällt ja auch nicht auf, dass man ohnehin nicht ausreichend verdient, um eine potentielle Freizeitgestaltung betreiben zu können. Schließlich kann man ja auch nur diejenigen Überstunden abrechnen, die in wirklich eingeteilten Nachtdiensten erledigt werden. Zur Hälfte, denn theoretisch ist man ja verpflichtet, ad eins Mittagspause zu machen und ad zwei nachts zu schlafen, ergo darf man die dann geleistete Arbeit nicht bezahlen. Ist aber eigentlich ganz erholsam, dass kein Urlaub ist. Schließlich hört man am letzten Arbeitstag ohnehin nur, was man alles am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub vorzulegen hat.Jammere ich hier rum? Bin ich verbittert? Nein, ersteres sicher nicht, letzteres wohl schon eher. Nennt man wohl Burn out. Mit dreißig. Eigentlich liebe ich meinen Beruf, jeden einzelnen Aspekt. Nur stellt sich mir die Frage: Wenn wir noch nicht einmal denjenigen, die WEIT über 40 Stunden pro Woche arbeiten, die die Ausbildung (Vorlesungen, Seminare, Korrekturen) derer ermöglichen, die dumm genug waren, den gleichen Weg einzuschlagen, so bezahlen, dass sie netto nicht mehr haben, als ein Hartz IV-Empfänger, dass sie eben nicht dazu in der Lage sind, eine Altersvorsorge aufzubauen, eine zusätzliche Berufsunfähigkeitsversicherung, die sich jahrelang durch Stipendien finanziert haben, die sie aufgrund ihrer Leistungen erhalten haben, die aber nuneinmal leider KEINE Altersvorsorge einschließt, wenn man also diejenigen, die nicht nur fähig sondern auch willens sind, etwas zu leisten, mit Respekt behandelt - und auch Geld ist eine Form desselben - wie können wir dann erwarten, dass irgendeine Wirtschaft aufschwingt, eine Kaufkraft wächst und Zuversicht zunimmt?Meine subjektive Wahrnehmung: in meinem Kollegenkreis sind Migräne, Tinnitus, Magengeschüre, Hörstürze an der Tagesordnung. Wir werden, wenn wir nicht den Absprung ins Ausland oder ins Kriminelle schaffen, zu denjenigen gehören, über die man in 40 Jahren schreibt: die armen Alten. Wir werden, wenn wir klug sind, und zumindest ich möchte das für mich in einem Mindestmaß verbuchen, Teil dessen, was man "Brain Drain" nennt. Wir haben eine erstklassige Ausbildung genossen, damals noch für lau, inzwischen immerhin für " 'n Appl und 'n Ei", und gehen. Nein: PUNKT!Denn um es mal ökonomisch auszudrücken: There's no such thing as a free breakfast! Und in diesem Falle zahlen wir das Frühstück der anderen, der Sparfüchse und Geizkragen der Nation. 

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    Danke!!! Sie haben mir aus der Seele gesprochen! auch wenn ich kein Arzt bin, so erlebe ich als 31 jähriger Dipl.-Wirtsch. Ing.(FH) ähnliche Umstände. 70h Wochen für 2000 Brutto, kein Urlaubs, kein Weihnachtsgeld, eine lange Anfahrtsstrecke die mir keiner bezahlt und am Ende des Monats läuft es auf den ALG II Satz hinnaus. Eigentlich weiss ich gar nicht, warum ich mir die Beine so ausreisse? Mit dem derzeitigen Gehalt ist an eine BAFÖG Rückzahlung nicht zu denken, an Altersvorsorge sowieso nicht. Man könnte denken, man wäre ein Einzelfall, eben nicht das beste Studium, man muss halt nehmen was man bekommt, aber so ist es nicht, die Mehrheit meiner Kommilitonen krebst herum. Eigentl. muss ich sogar noch froh sein, dass ich nicht über eine Leiharbeitsfirma beschäftigt bin, dann wären es nur 1700 Brutto ohne Urlaub/Weihnachtsgeld. Für alle die Zweifeln, ich und meine Studienkollegen arbeiten in der Schiffahrtsbranche im Norden Deutschlands, aber nicht in HH, da gibt es ein bischen mehr Geld, aber die Mieten machen das dann auch wieder zunichte...
    Da hat man nun studiert und würde gerne wenigstens ein Durchschnittsgehalt beziehen, nach der letzten Meldung müsste ich dann über 50% mehr verdienen-völlig unrealistisch!
    Ich verachte die derzeitige Regierungsgeneration die Ihre Augen absichtlich vor den Zuständen in Deutschland verschließt und sich mit belanglosen Themen wie Waldsterben, Ozon und CO2 ablenkt und auf den Schwächsten der Gesellschaft auch noch herum tanzt, siehe Lissabon Vertrag, Hartz Gesetze.
    Wenn wir nicht in den nächsten 5-10 Jahren die Geldmengenverteilung in Deutschland in den Griff bekommen, droht uns eine wirtschaftliche Wiederholung der 20er Jahre mit einer Verarmung breiter Schichten.

    Ich kann nur raten : verlassen Sie Deutschland. Als erkennendes Opfer eines falschen Systems haben Sie als Vorbild für die von Ihnen beschriebenen ahnungslosen bis verblendeten Studenten die Pflicht, dahin zu gehen, wo alle leben können, keine armen Alten werden und ein Ihre Ausbildung adaequtes Honorar erhalten. Ich gehe davon aus, dass die Mehrzahl aller medizinischen Leistungen in Deutschland entweder überflüssig oder durch einen guten Seelsorger besser erbringbar sind. Auch deswegen : opfern Sie sich nicht, Ihre Leistung ist hier nicht so unersetzlich, wie Sie glauben.

    • RalphS
    • 27.08.2008 um 20:18 Uhr

    Zitat : "Wie viele meiner Kollegen habe ich eine "halbe Stelle". Traumhaft, mittags fertig? Weit gefehlt! Arbeitsbeginn 8°°Uhr, Ende gegen 21°°Uhr, Mittagspause?"
    .
    Verstehe ich das richtig : Sie haben eine halbe Stelle, arbeiten dafür aber das doppelte ???
    .
    Falls es hoffentlich nicht so ist, sehen die Ärzteeinkommen aber noch akzeptabel aus :
    .
    Entgelttabelle für Ärzte an Unikliniken
     
    Tarifgebiet West*
       1. Jahr  2. Jahr  3. Jahr  4. Jahr  5. Jahr  7. Jahr
    Arzt  3600  3800  3950  4200  4500  -
    Facharzt  4750  -  -  5150  -  5500
    Oberarzt  5950  -  -  6300  -  6800
    Stellvertreter des ltd. Arztes  7000  -  -  7500  -  7900
    .
    Vergleich Ärzteeinkommen
    Deutschland / international in Euro pro Monat
    Der Deutsche Facharzt hat ein geringeres Einkommen als sein ausländischer Kollege:
    .
    Niederlande bis 37%
    Großbritannien bis 50%
    Schweiz bis 37%
    .
    Ärzteeinkommen in Deutschland
    Vor Steuern, nach Abzug der Betriebskosten, im Jahr
    Internisten 97.000 Euro
    Orthopäden 92.200 Euro
    Kinderärzte 87.200 Euro
    Augenärzte 85.800 Euro
    Frauenärzte 80.200 Euro
    HNO-Ärzte 79.800 Euro
    Urologen 78.400 Euro
    Allgemeinärzte / Praktische Ärzte 77.900 Euro
    Radiologen 75.100 Euro
    Nervenärzte 68.800 Euro
    Chirurgen 63.900 Euro
    Hautärzte 63.700 Euro
    Stand: September 2005
     
    .
    Die Reallöhne sind in Deutschland seit Anfang der 80er Jahre nicht mehr gestiegen. Geringe Einkommensteigerungen der Arbeitskräfte mit guter Qualifikation gingen zu Lasten derjenigen mit geringer Qualifikation. Über alle Arbeitnehmer gemittelt stagnierten allerdings die Realeinkommen.
    .
    Wir wollen uns nicht beklagen, denn Anfang der 80er Jahre ging es uns schließlich auch gut. Trotzdem stellt sich die Frage heute : Wo blieb eigentlich das in den vergangenen 20 Jahren  real angestiegene Bruttosozialprodukt ? Wer hat davon profitiert ?
    .
    Zeit-Online liefert uns durch Frau Claudia Weinkopf darauf folgende Antwort :
    Claudia Weinkopf :
    "Profitiert hat hingegen das Viertel der Bezieher hoher Einkommen: Ihre Löhne stiegen im untersuchten Zeitraum real um 3,5 Prozent. Die Lohnschere öffnet sich."
    .
    Dies ist natürlich nicht die tatsächliche Antwort, sondern eher bewusste Irreführung, also eine Nebelbombe.
    .
    Profitiert haben in den vergangenen 20 Jahren hauptsächlich die Vermögenden durch das zu verzinsende Kapitalvermögen.
    Nicht nur die Einkommen der Ärzte stagnieren.
    Die Stagnation der Arbeitseinkommen ist aber leider noch nicht alles.
    Das Kapital muss auch über die Preise bedient werden.
    In den Preisen sind nicht nur Steuern, sondern bereits Zinzanteile in Höhe von ca. 33 %. Diese Zinzanteile werden auf Dauer weiter wachsen - Zinsezinseffekt - und die realen Arbeitseinkommen natürlich stagnieren.
    Besser als heute kann es also kaum noch werden. Zumindest was die Arbeitseinkommen betrifft. Die Vermögenden dagegen gehen goldenen Zeiten entgegen. Bezüglich der in einem Beitrag erwähnten JVA Kapazitäten muss ich leider zustimmen. Eine erforderliche Aufstockung von 75000 auf 500000 "Kunden" wird immer erforderlicher. Darum sollte man bereits jetzt die Privatisierung aller JVAs ins Auge fassen.
    Nur so funktioniert Kapitalismus
     

    Ich kann Ihnen nur raten: gehen Sie wirklich ins Ausland (hab ich in einer aehnlichen Situation auch gemacht). Kommen Sie wieder (oder auch nicht), wenn man Ihnen ein menschenwuerdiges Angebot macht. Denn nur solange es Menschen gibt, die so etwas mit sich machen lassen, wird es diese Art der Ausbeutung junger Wissenschaftler geben.

    Danke!!! Sie haben mir aus der Seele gesprochen! auch wenn ich kein Arzt bin, so erlebe ich als 31 jähriger Dipl.-Wirtsch. Ing.(FH) ähnliche Umstände. 70h Wochen für 2000 Brutto, kein Urlaubs, kein Weihnachtsgeld, eine lange Anfahrtsstrecke die mir keiner bezahlt und am Ende des Monats läuft es auf den ALG II Satz hinnaus. Eigentlich weiss ich gar nicht, warum ich mir die Beine so ausreisse? Mit dem derzeitigen Gehalt ist an eine BAFÖG Rückzahlung nicht zu denken, an Altersvorsorge sowieso nicht. Man könnte denken, man wäre ein Einzelfall, eben nicht das beste Studium, man muss halt nehmen was man bekommt, aber so ist es nicht, die Mehrheit meiner Kommilitonen krebst herum. Eigentl. muss ich sogar noch froh sein, dass ich nicht über eine Leiharbeitsfirma beschäftigt bin, dann wären es nur 1700 Brutto ohne Urlaub/Weihnachtsgeld. Für alle die Zweifeln, ich und meine Studienkollegen arbeiten in der Schiffahrtsbranche im Norden Deutschlands, aber nicht in HH, da gibt es ein bischen mehr Geld, aber die Mieten machen das dann auch wieder zunichte...
    Da hat man nun studiert und würde gerne wenigstens ein Durchschnittsgehalt beziehen, nach der letzten Meldung müsste ich dann über 50% mehr verdienen-völlig unrealistisch!
    Ich verachte die derzeitige Regierungsgeneration die Ihre Augen absichtlich vor den Zuständen in Deutschland verschließt und sich mit belanglosen Themen wie Waldsterben, Ozon und CO2 ablenkt und auf den Schwächsten der Gesellschaft auch noch herum tanzt, siehe Lissabon Vertrag, Hartz Gesetze.
    Wenn wir nicht in den nächsten 5-10 Jahren die Geldmengenverteilung in Deutschland in den Griff bekommen, droht uns eine wirtschaftliche Wiederholung der 20er Jahre mit einer Verarmung breiter Schichten.

    Ich kann nur raten : verlassen Sie Deutschland. Als erkennendes Opfer eines falschen Systems haben Sie als Vorbild für die von Ihnen beschriebenen ahnungslosen bis verblendeten Studenten die Pflicht, dahin zu gehen, wo alle leben können, keine armen Alten werden und ein Ihre Ausbildung adaequtes Honorar erhalten. Ich gehe davon aus, dass die Mehrzahl aller medizinischen Leistungen in Deutschland entweder überflüssig oder durch einen guten Seelsorger besser erbringbar sind. Auch deswegen : opfern Sie sich nicht, Ihre Leistung ist hier nicht so unersetzlich, wie Sie glauben.

    • RalphS
    • 27.08.2008 um 20:18 Uhr

    Zitat : "Wie viele meiner Kollegen habe ich eine "halbe Stelle". Traumhaft, mittags fertig? Weit gefehlt! Arbeitsbeginn 8°°Uhr, Ende gegen 21°°Uhr, Mittagspause?"
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    Verstehe ich das richtig : Sie haben eine halbe Stelle, arbeiten dafür aber das doppelte ???
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    Falls es hoffentlich nicht so ist, sehen die Ärzteeinkommen aber noch akzeptabel aus :
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    Entgelttabelle für Ärzte an Unikliniken
     
    Tarifgebiet West*
       1. Jahr  2. Jahr  3. Jahr  4. Jahr  5. Jahr  7. Jahr
    Arzt  3600  3800  3950  4200  4500  -
    Facharzt  4750  -  -  5150  -  5500
    Oberarzt  5950  -  -  6300  -  6800
    Stellvertreter des ltd. Arztes  7000  -  -  7500  -  7900
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    Vergleich Ärzteeinkommen
    Deutschland / international in Euro pro Monat
    Der Deutsche Facharzt hat ein geringeres Einkommen als sein ausländischer Kollege:
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    Niederlande bis 37%
    Großbritannien bis 50%
    Schweiz bis 37%
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    Ärzteeinkommen in Deutschland
    Vor Steuern, nach Abzug der Betriebskosten, im Jahr
    Internisten 97.000 Euro
    Orthopäden 92.200 Euro
    Kinderärzte 87.200 Euro
    Augenärzte 85.800 Euro
    Frauenärzte 80.200 Euro
    HNO-Ärzte 79.800 Euro
    Urologen 78.400 Euro
    Allgemeinärzte / Praktische Ärzte 77.900 Euro
    Radiologen 75.100 Euro
    Nervenärzte 68.800 Euro
    Chirurgen 63.900 Euro
    Hautärzte 63.700 Euro
    Stand: September 2005
     
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    Die Reallöhne sind in Deutschland seit Anfang der 80er Jahre nicht mehr gestiegen. Geringe Einkommensteigerungen der Arbeitskräfte mit guter Qualifikation gingen zu Lasten derjenigen mit geringer Qualifikation. Über alle Arbeitnehmer gemittelt stagnierten allerdings die Realeinkommen.
    .
    Wir wollen uns nicht beklagen, denn Anfang der 80er Jahre ging es uns schließlich auch gut. Trotzdem stellt sich die Frage heute : Wo blieb eigentlich das in den vergangenen 20 Jahren  real angestiegene Bruttosozialprodukt ? Wer hat davon profitiert ?
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    Zeit-Online liefert uns durch Frau Claudia Weinkopf darauf folgende Antwort :
    Claudia Weinkopf :
    "Profitiert hat hingegen das Viertel der Bezieher hoher Einkommen: Ihre Löhne stiegen im untersuchten Zeitraum real um 3,5 Prozent. Die Lohnschere öffnet sich."
    .
    Dies ist natürlich nicht die tatsächliche Antwort, sondern eher bewusste Irreführung, also eine Nebelbombe.
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    Profitiert haben in den vergangenen 20 Jahren hauptsächlich die Vermögenden durch das zu verzinsende Kapitalvermögen.
    Nicht nur die Einkommen der Ärzte stagnieren.
    Die Stagnation der Arbeitseinkommen ist aber leider noch nicht alles.
    Das Kapital muss auch über die Preise bedient werden.
    In den Preisen sind nicht nur Steuern, sondern bereits Zinzanteile in Höhe von ca. 33 %. Diese Zinzanteile werden auf Dauer weiter wachsen - Zinsezinseffekt - und die realen Arbeitseinkommen natürlich stagnieren.
    Besser als heute kann es also kaum noch werden. Zumindest was die Arbeitseinkommen betrifft. Die Vermögenden dagegen gehen goldenen Zeiten entgegen. Bezüglich der in einem Beitrag erwähnten JVA Kapazitäten muss ich leider zustimmen. Eine erforderliche Aufstockung von 75000 auf 500000 "Kunden" wird immer erforderlicher. Darum sollte man bereits jetzt die Privatisierung aller JVAs ins Auge fassen.
    Nur so funktioniert Kapitalismus
     

    Ich kann Ihnen nur raten: gehen Sie wirklich ins Ausland (hab ich in einer aehnlichen Situation auch gemacht). Kommen Sie wieder (oder auch nicht), wenn man Ihnen ein menschenwuerdiges Angebot macht. Denn nur solange es Menschen gibt, die so etwas mit sich machen lassen, wird es diese Art der Ausbeutung junger Wissenschaftler geben.

  3. Danke!!! Sie haben mir aus der Seele gesprochen! auch wenn ich kein Arzt bin, so erlebe ich als 31 jähriger Dipl.-Wirtsch. Ing.(FH) ähnliche Umstände. 70h Wochen für 2000 Brutto, kein Urlaubs, kein Weihnachtsgeld, eine lange Anfahrtsstrecke die mir keiner bezahlt und am Ende des Monats läuft es auf den ALG II Satz hinnaus. Eigentlich weiss ich gar nicht, warum ich mir die Beine so ausreisse? Mit dem derzeitigen Gehalt ist an eine BAFÖG Rückzahlung nicht zu denken, an Altersvorsorge sowieso nicht. Man könnte denken, man wäre ein Einzelfall, eben nicht das beste Studium, man muss halt nehmen was man bekommt, aber so ist es nicht, die Mehrheit meiner Kommilitonen krebst herum. Eigentl. muss ich sogar noch froh sein, dass ich nicht über eine Leiharbeitsfirma beschäftigt bin, dann wären es nur 1700 Brutto ohne Urlaub/Weihnachtsgeld. Für alle die Zweifeln, ich und meine Studienkollegen arbeiten in der Schiffahrtsbranche im Norden Deutschlands, aber nicht in HH, da gibt es ein bischen mehr Geld, aber die Mieten machen das dann auch wieder zunichte...
    Da hat man nun studiert und würde gerne wenigstens ein Durchschnittsgehalt beziehen, nach der letzten Meldung müsste ich dann über 50% mehr verdienen-völlig unrealistisch!
    Ich verachte die derzeitige Regierungsgeneration die Ihre Augen absichtlich vor den Zuständen in Deutschland verschließt und sich mit belanglosen Themen wie Waldsterben, Ozon und CO2 ablenkt und auf den Schwächsten der Gesellschaft auch noch herum tanzt, siehe Lissabon Vertrag, Hartz Gesetze.
    Wenn wir nicht in den nächsten 5-10 Jahren die Geldmengenverteilung in Deutschland in den Griff bekommen, droht uns eine wirtschaftliche Wiederholung der 20er Jahre mit einer Verarmung breiter Schichten.

    • CCWW
    • 27.08.2008 um 16:20 Uhr

    ..ist per Definition ein Monster. Es MUSS wachsen, es MUSS zumindest ueberleben und Entscheidungen in diesem Zusammenhang werden immer FUER die Corporation fallen, egal wer diese Entscheidungen treffen muss, und wer negative Konsequenzen tragen muss. Gleichzeitig gilt es als "juristische" Person, hat aber nicht die allen andren Wesen in die Wiege gelegte Moeglichkeit sich fuer die Allgemeinheit zu opfern, auch es hat kein natuerliches Todesdatum wie jedes Ding auf diesem Planeten. Daher sind das "Monster" die in der Regel wesentlich maechtiger sind als irgendwelche Menschen. Wer was andres behauptet luegt entweder, oder ist juenger als 14 Jahre alt.Eine Corporation kann UNMOEGLICH seine Mitarbeiter an erste Stelle stellen, noch seine Kunden/Klienten, zumindest in ernsten Sitationen, aber ueblicherweise auch waehrend der Zeiten des Business As Usual.Diese Monster "fressen" gerade unsre Gesellschaft auf, mit ihr alles was sich in ihr befindet (inklusive die Psyche und natuerlichen Aspirationen vieler Menschen, siehe Kommentar Nr. 3). Allerdings profitieren wir sozusagen vom Kot (zB Konsumgueter und vielleicht beschleunigte technologische Entwicklung) dieser Monster. Wir ernaehren uns sozusagen davon. Auch die meisten "Reiter" der Monster profitieren davon. Zumindest glauben sie es.ABER: Um zu verhindern, das alles aufgfressen wird und am Ende irgendwann, das letzte grosse Monster sterben muss weils nix mehr zu assimilieren gibt, MUESSEN die "Reiter" dieser Monster JETZT ANFANGEN diese im Sinne/zum benefit des HOMO SAPIENS zu lenken.Das ist der einzige Weg! Grund warum sie es nicht tun: Sie haben Angst. Angst ihren Standard zu verlieren. Vermutlich auch Aengste die aus der Erziehung herruehren. Und natuerlich die Angst vor dem Monster.Good luck!CCWW

    • Anonym
    • 27.08.2008 um 17:23 Uhr

    Sicher nicht.Das Census Bueroe hat gerade neue Statisiken raqusgegeben:Median family Income (50 Prozent drueber, 50 Prozent drunter: 50,650 Dollar.Anteil der US Einkommensteuer der unteren 50 Prozent: 3 Prozent. Das deutsche Familieneinkommen ist.........was eigentlich?Der Anteil der deutschen Einkommensteuer fuer die unteren 50 Prozent ist........ was eigentlich? In Kaufkraft (ppp corrected GDP per capita)  USA position 5 (hinter Luxembourg, Bermuda, Channel Islands, Cayman Islands , realativ 100Deutschland position 26(!), relativ 70.Mindestlohn (bald bundesweit ) 7.50 Dollar. In Kaufkraft kann man 1 Dollar = 1 Euro setzen. Nein, Amerika hat's viel besser als Deutschland, ist reicher, den Leuten geht's besser. Homeownership in der US ist ueber 70 Prozent.In Deutschland.... welcher Prozentsatz?Was hier beschrieben wird sind deutsche Zustaende aber sicher keine Amerikanischen.  Gerd

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • mhmmmm
    • 28.08.2008 um 16:23 Uhr

    ...sie vergessen leider, das jeder amerikanische Haushalt im Schnitt mit über 500 000 Dollar verschuldet ist....

    • gayorg
    • 16.10.2008 um 23:05 Uhr

    Ich denke schwachsinnig, reines Ablenkmanöver In Deutschland weiss und will man wenig über die USA wissen,man müsste ja nachdenken.zb Wird der US Regionalismus total verkannt. Hier denkt man ,die USA ist. New York, Los Angeles , Washington DC ; UND San Francisco und das wars. Fragt man hier mal jemand nach Phoenix AZ, SAN DIEGO Cal oder ganz zu schweigen von mittelgroßen Städten wie Pittsburgh Penn; oder vielleicht Flagstaff AZ.großes Schulterzucken ( oder man googelt gerade herum) Da die regionalen Unterschiede in den USA und vor allem die Unterschiede zwischen Stadt und Land riesig sind , nicht nur in bezug auf Einkommen, sondern auch auf Kosten, ist ein Vergleich QUATSCH. Genauso gut kann man Lichtenstein mit Deutschland vergleichen

    • mhmmmm
    • 28.08.2008 um 16:23 Uhr

    ...sie vergessen leider, das jeder amerikanische Haushalt im Schnitt mit über 500 000 Dollar verschuldet ist....

    • gayorg
    • 16.10.2008 um 23:05 Uhr

    Ich denke schwachsinnig, reines Ablenkmanöver In Deutschland weiss und will man wenig über die USA wissen,man müsste ja nachdenken.zb Wird der US Regionalismus total verkannt. Hier denkt man ,die USA ist. New York, Los Angeles , Washington DC ; UND San Francisco und das wars. Fragt man hier mal jemand nach Phoenix AZ, SAN DIEGO Cal oder ganz zu schweigen von mittelgroßen Städten wie Pittsburgh Penn; oder vielleicht Flagstaff AZ.großes Schulterzucken ( oder man googelt gerade herum) Da die regionalen Unterschiede in den USA und vor allem die Unterschiede zwischen Stadt und Land riesig sind , nicht nur in bezug auf Einkommen, sondern auch auf Kosten, ist ein Vergleich QUATSCH. Genauso gut kann man Lichtenstein mit Deutschland vergleichen

  4. Danke für diesen fundierten Kommentar. Schlimmer als ich geahnt hatte, und da hielt  ich mich noch für einen Pessimisten. Alle Achtung vor den Autoren,den Kommentatoren und den vielen hier nicht genannten, die Ähnliches leisten. Unsere Gesellschaft braucht wieder Gemeinschaften, die außerhalb der eskalierenden Debatten der "Volksvertreter" nach dem Notwendigen schauen, Bündnisse schließen und  sich gemeinsam an die Aufbau einer Zukunft machen. Ob sich unsere Politiker, die völlig an der traurigen Realität und den so dringenden Aufgaben  vorbeireden, noch an ihre Aufgabe machen, darauf zu warten kann gefährlich werden.Super-einnahmen im Finanzministerium und ein grinsender Finanzminister und auf der anderen Seite diese Fakten. Die Scham wird unseren Verantwortlichen wohl vergeblich hinterherlaufen.

  5. Ich kann nur raten : verlassen Sie Deutschland. Als erkennendes Opfer eines falschen Systems haben Sie als Vorbild für die von Ihnen beschriebenen ahnungslosen bis verblendeten Studenten die Pflicht, dahin zu gehen, wo alle leben können, keine armen Alten werden und ein Ihre Ausbildung adaequtes Honorar erhalten. Ich gehe davon aus, dass die Mehrzahl aller medizinischen Leistungen in Deutschland entweder überflüssig oder durch einen guten Seelsorger besser erbringbar sind. Auch deswegen : opfern Sie sich nicht, Ihre Leistung ist hier nicht so unersetzlich, wie Sie glauben.

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