Schweigen ist nicht seine Stärke, doch Senator Joseph Biden gab sich in der vergangenen Woche ungewöhnlich still. Er hatte offenbar seinen Grund. Nun ist er auch der Öffentlichkeit bekannt: Barack Obama möchte mit ihm an seiner Seite ins Weiße Haus einziehen.

Mit Biden setzt Senator Obama auf die sichere Bank. Schließlich gilt der 65-Jährige als der einzige in der zur engeren Auswahl stehenden Kandidaten, der gleich zwei Schwächen Obamas wett machen könnte: Biden ist nach 33 Jahren im außenpolitischen Aussschuss des Senats einer der versiertesten demokratischen Politiker in diesem Bereich. Erst vergangenes Wochenende war er auf Anfrage des georgischen Präsidenten Saakashvili in den Kaukasus gereist.

Zudem wurden während der jüngsten hitzigen Wort- und Videoschlacht mit dem republikanischen Kandidaten John McCain Stimmen innerhalb der Partei laut, die mehr Aggression von Obama verlangten. Biden ist dafür bekannt, sich sich noch nie vor einer Auseinandersetzung gescheut zu haben. "Er ist leidenschaftlich, wortgewandt und überzeugend", so Steve McMahon, ein Berater der Demokraten. "Ich denke, dass er für Obama so wirkungsvoll ist, wie damals Lyndon Johnson für John Kennedy."

Doch Bidens unverblümte Art könnte auch zum Stolperstein werden. So bezeichnete er während der Vorwahl, aus der er nach einem schlechten Ergebnis in Iowa frühzeitig ausstieg, Obama als "noch nicht reif", Präsident zu werden. Und machte sich viele Schwarze zum Feind, in dem er dem jetzigen Kandidaten mit seinem Ausspruch "Obama ist der erste Mainstream-Afro-Amerikaner, der redegewandt, klug und sauber ist", offenbar ein Kompliment machen wollte. Doch Obama stellte in einem CBS-Interview klar, dass er gerade diese Qualität in seinem Vize-Kandidaten sucht: "Ich will jemanden, der mich herausfordert und kein Jasager ist."

So sehr Bidens politische Erfahrung bei vielen Wählern punkten wird, so sehr werden Kritiker ihm genau dies ankreiden. Denn der damals 29-jährige Biden wurde bereits 1972 in den Senat gewählt, volle zehn Jahre, bevor John McCain nach Washington kam. Und das klingt eher nach Establishment als nach Obamas zum Motto gewordenen Ruf nach Erneuerung.