Konjunktur Deutschland auf dünnem Eis

Die neuesten Indikatoren zeigen: Das Risiko einer Rezession ist hoch, sagt Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. Doch der fallende Ölpreis lässt hoffen. Ein Interview

Leere Einkaufswagen in Warteposition. Ökonomen hoffen, die Verbraucher mögen sie bald wieder füllen und so die Konjunktur vor dem Absturz bewahren

Leere Einkaufswagen in Warteposition. Ökonomen hoffen, die Verbraucher mögen sie bald wieder füllen und so die Konjunktur vor dem Absturz bewahren

ZEIT ONLINE: Der ifo-Index ist überraschend stark gefallen, der Konsumklimaindex des GfK auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren eingebrochen – zwei weitere in einer ganzen Reihe schlechter Vorzeichen für die deutsche Konjunktur. Rutschen wir in die Rezession?

Michael Heise: Es sind keine guten Zahlen, die wir da bekommen haben. Zu sagen, dass die deutsche Wirtschaft sich in schwierigem Fahrwasser bewegt, ist wohl leicht untertrieben. Die Weltwirtschaft steckt in Schwierigkeiten, weil Öl eine Zeit lang sehr teuer war, immer noch teuer ist und die Finanzmarktkrise Spuren hinterlässt. Das alles hat auch die deutsche Wirtschaft stark getroffen. Das Rezessionsrisiko ist deshalb in der Tat hoch. Aber es gibt auch einige Punkte, die gegen ein Abrutschen in die Rezession sprechen. Der Ölpreis fällt wieder. Wenn er der Hauptgrund für die Vollbremsung unserer Wirtschaft war, muss er jetzt auch positive Wirkungen zeitigen. Eine könnte sein, dass sich schon im dritten oder vierten Quartal der Konsum verbessert. Das würde der Konjunktur wieder Fahrt geben.

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ZEIT ONLINE: Der Ölpreis fällt schon seit Juli. Jetzt haben wir Ende August. Müssten die Indikatoren den von Ihnen beschriebenen Effekt nicht abbilden?

Heise: Ich gehe davon aus, dass die Daten die Entlastung nur zum Teil widerspiegeln. Zudem beschreibt der ifo-Index die aktuelle Lage als relativ gut. Eingebrochen sind nur die Zukunftserwartungen der befragten Unternehmen. Das muss nicht unbedingt viel bedeuten. Es gab 2002 und 2003 schon einmal die umgekehrte Situation. Damals blickten die Unternehmen optimistisch in die Zukunft, aber die Lage besserte sich nicht so sehr. Jetzt kann es genau umgekehrt sein.

ZEIT ONLINE: Sie erwarten, dass vor allem der Konsum der deutschen Wirtschaft wieder Kraft verleiht. Ist das realistisch? Man fürchtet die Auswirkungen der Finanzkrise, die Indikatoren sind schlecht, der Arbeitsmarkt könnte ausgebremst werden. In solchen Zeiten hält man sein Geld doch zusammen.

Heise: Ich glaube nicht, dass die Verunsicherung der Verbraucher so stark psychologisch zu erklären ist. Wenn das so wäre, müsste die Sparquote - als Barometer der Unsicherheit - noch deutlich stärker sein. Bislang waren harte Fakten entscheidend für den Rückgang des Konsums: In den ersten Jahren des Aufschwungs gab es nur geringe Einkommenssteigerungen. Als dann Löhne und Beschäftigung stärker stiegen, fraßen die Mehrwertsteuererhöhung und dann die steigenden Öl- und Nahrungsmittelpreise den Zugewinn mehr als auf. Die Realeinkommen sind also über Jahre hinweg nicht gestiegen.

Werden jetzt Öl und Nahrungsmittel wieder billiger, dann steigt die Kaufkraft, und die Verbraucher werden mehr konsumieren. Das ist ein Effekt, der relativ schnell auf die Konjunktur durchschlagen wird.

Leser-Kommentare
    • iDog
    • 27.08.2008 um 0:52 Uhr

    ein interessanterer artikel und darauf folgender thread zu besteuerung der deutschen ist hier zu leseen .eine der kernaussagen ist : die am wenigsten verdienenden 20% aller steuerzahler ( bis 11 000 euro im jahr) zahlen im jahr zusammen 175 milionen euro einkommensteuer.das am besten verdienende 1 % der steuerzahler ( ueber 162 000 euro im jahr) bezahlen 34,9 milliarden euro einkommensteuersteuer ( = 20% der steuereinnahmen) wuerde man die einkommensteuer dieses einen prozent der bestverdienenden nur um 0.5% erhoehen ( += 175 millionen euro ) koennte man den 20 % der geringverdienenden die einkommensteuer komplett erlassen ! das wuerde den konsum anregen und das eine 1% der bestverdienenden wuerden nicht weniger konsumieren ... geschweige denn ueberhaupt bemerken , dass sie weniger geld haben ... wie man das noch weiter optimieren kann ist offensichtlich.

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    • ali-ch
    • 27.08.2008 um 7:06 Uhr

    Das mag ja alles so stimmen, aber die wichtigsten Punkte haben Sie bei Ihrer Überlegung unberücksichtigt gelassen!
     das am besten verdienende 1 % der steuerzahler verfügt über 100% der Medienmacht; und, vor allem: Bundestagsabgeordnete gehören zu dem am besten verdienende 1 % der steuerzahler.

    • ali-ch
    • 27.08.2008 um 7:06 Uhr

    Das mag ja alles so stimmen, aber die wichtigsten Punkte haben Sie bei Ihrer Überlegung unberücksichtigt gelassen!
     das am besten verdienende 1 % der steuerzahler verfügt über 100% der Medienmacht; und, vor allem: Bundestagsabgeordnete gehören zu dem am besten verdienende 1 % der steuerzahler.

    • ali-ch
    • 27.08.2008 um 7:06 Uhr

    Das mag ja alles so stimmen, aber die wichtigsten Punkte haben Sie bei Ihrer Überlegung unberücksichtigt gelassen!
     das am besten verdienende 1 % der steuerzahler verfügt über 100% der Medienmacht; und, vor allem: Bundestagsabgeordnete gehören zu dem am besten verdienende 1 % der steuerzahler.

    Antwort auf "steuersenkungen :"
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    • iDog
    • 27.08.2008 um 12:35 Uhr

    muss es in kurzen kommentaren geben ... sie haben mit ihrem einwand sicher recht : der wille dieses "steuergeschenk" zu machen tendiert gegen null.in zusammenhang mit dem lamento im artikel selber , das auf eine (imaginaere) wuenschenswerte (?) kaufkrafterhoehung ahebt, sollte mein kommentar nur die praktisch einfache machbarkeit genau dessen anhand eines einfachen beispiels belegen. die faktische verweigerung des staates bezuglich solcher maßnahmen hat weitreichende ursachen wie die grundsaetzlich weiterverschuldung des volkes in ihre abhaengigkeit zur macht. in sofern gilt zu resumieren, das der artikel hier das uebliche gewaesch eines desinformativen meinungsmonopols ohne jegliche realpolitische relevanz bleibt und der weiteren verdummung und hinhaltestrategie der gegenwaertigen politik dient. schoene gruesse

    Aufgrund langjähriger massiver Umverteilungsprozesse von unten nach oben ist der Apparat zur Volksmanipulation, Volksüberwachung und Volksgängelung gezwungenermaßen immer größer geworden. Das bedeutet, er schluckt immer mehr Resourcen, die somit nicht produktiv eingesetzt werden können. Das verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit natürlich.

    Ferner haben die damit verbundenen Tendenzen - Verlogenheit und Geistlosigkeit im Informationssektor, Polizeistaatspraktiken usw. Deutschland unattraktiv für die gemacht, die problemlos auch eine Arbeit z.B. in der Schweiz, in Dänemark oder den USA bekommen können: Für die besten Arbeitskräfte. Das macht sich natürlich auch bemerkbar.

    Weiterhin ist der aggressiv-expansive Wachstumskurs deutscher Konzerne längst auf massiven internationalen Widerstand gestossen: Polen arbeiten mit Briten zusammen, um Springer in Polen unten zu halten, die EU dreht die deutschen Großkonzerne durch die Mangel und so weiter.

    Die deutschen Ober-Raffkes haben nicht nur keine Moral, sondern auch keinen Rundumblick und keine Phantasie. Sie sind einfach dabei, sich ihre eigenen Gräber zu schaufeln.

    Winfried Sobottka, ein Sprecher der Anarchistinnen und Anarchisten in Österreich und der BRD.

    • iDog
    • 27.08.2008 um 12:35 Uhr

    muss es in kurzen kommentaren geben ... sie haben mit ihrem einwand sicher recht : der wille dieses "steuergeschenk" zu machen tendiert gegen null.in zusammenhang mit dem lamento im artikel selber , das auf eine (imaginaere) wuenschenswerte (?) kaufkrafterhoehung ahebt, sollte mein kommentar nur die praktisch einfache machbarkeit genau dessen anhand eines einfachen beispiels belegen. die faktische verweigerung des staates bezuglich solcher maßnahmen hat weitreichende ursachen wie die grundsaetzlich weiterverschuldung des volkes in ihre abhaengigkeit zur macht. in sofern gilt zu resumieren, das der artikel hier das uebliche gewaesch eines desinformativen meinungsmonopols ohne jegliche realpolitische relevanz bleibt und der weiteren verdummung und hinhaltestrategie der gegenwaertigen politik dient. schoene gruesse

    Aufgrund langjähriger massiver Umverteilungsprozesse von unten nach oben ist der Apparat zur Volksmanipulation, Volksüberwachung und Volksgängelung gezwungenermaßen immer größer geworden. Das bedeutet, er schluckt immer mehr Resourcen, die somit nicht produktiv eingesetzt werden können. Das verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit natürlich.

    Ferner haben die damit verbundenen Tendenzen - Verlogenheit und Geistlosigkeit im Informationssektor, Polizeistaatspraktiken usw. Deutschland unattraktiv für die gemacht, die problemlos auch eine Arbeit z.B. in der Schweiz, in Dänemark oder den USA bekommen können: Für die besten Arbeitskräfte. Das macht sich natürlich auch bemerkbar.

    Weiterhin ist der aggressiv-expansive Wachstumskurs deutscher Konzerne längst auf massiven internationalen Widerstand gestossen: Polen arbeiten mit Briten zusammen, um Springer in Polen unten zu halten, die EU dreht die deutschen Großkonzerne durch die Mangel und so weiter.

    Die deutschen Ober-Raffkes haben nicht nur keine Moral, sondern auch keinen Rundumblick und keine Phantasie. Sie sind einfach dabei, sich ihre eigenen Gräber zu schaufeln.

    Winfried Sobottka, ein Sprecher der Anarchistinnen und Anarchisten in Österreich und der BRD.

    • vlad
    • 27.08.2008 um 8:31 Uhr

    Anamnese richtig
    Diagnose teilweise richtig
    Therapie komplett falsch

    kann man nur sagen zu dem Artikel.

    Richtig:

    - Das reale Arbeitseinkommen insbesondere der unteren Einkommensschichten ist gefallen in den letzten Jahren.

    - Wir haengen stark am Export.

    - Die Weltwirtschaft ist oder rutscht in eine Rezension.

    - Der Binnenkonsum sollte gestaerkt werden.

    - Falsch: Die Steuerquote ist in den letzten Jahren gestiegen.

    Die Steuerquote und insbesondere die Staatsquote ist in den letzten Jahren bestaendig GEFALLEN!

    - Falsch: Die Steuern sollten gesenkt werden.

    Die Steuern sollten NICHT gesenkt werden! Wie meine Vorkommentatoren genau richtig geschrieben haben: die kalte Progression sollte abgeschafft werden. Aber: auf Kosten der Einkommensstarken. Insbesondere sollten Kapitaleinkommen sehr viel hoeher besteuert werden.

    • iDog
    • 27.08.2008 um 12:35 Uhr

    muss es in kurzen kommentaren geben ... sie haben mit ihrem einwand sicher recht : der wille dieses "steuergeschenk" zu machen tendiert gegen null.in zusammenhang mit dem lamento im artikel selber , das auf eine (imaginaere) wuenschenswerte (?) kaufkrafterhoehung ahebt, sollte mein kommentar nur die praktisch einfache machbarkeit genau dessen anhand eines einfachen beispiels belegen. die faktische verweigerung des staates bezuglich solcher maßnahmen hat weitreichende ursachen wie die grundsaetzlich weiterverschuldung des volkes in ihre abhaengigkeit zur macht. in sofern gilt zu resumieren, das der artikel hier das uebliche gewaesch eines desinformativen meinungsmonopols ohne jegliche realpolitische relevanz bleibt und der weiteren verdummung und hinhaltestrategie der gegenwaertigen politik dient. schoene gruesse

    Antwort auf "Richtig, aber falsch. "
  1. Aufgrund langjähriger massiver Umverteilungsprozesse von unten nach oben ist der Apparat zur Volksmanipulation, Volksüberwachung und Volksgängelung gezwungenermaßen immer größer geworden. Das bedeutet, er schluckt immer mehr Resourcen, die somit nicht produktiv eingesetzt werden können. Das verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit natürlich.

    Ferner haben die damit verbundenen Tendenzen - Verlogenheit und Geistlosigkeit im Informationssektor, Polizeistaatspraktiken usw. Deutschland unattraktiv für die gemacht, die problemlos auch eine Arbeit z.B. in der Schweiz, in Dänemark oder den USA bekommen können: Für die besten Arbeitskräfte. Das macht sich natürlich auch bemerkbar.

    Weiterhin ist der aggressiv-expansive Wachstumskurs deutscher Konzerne längst auf massiven internationalen Widerstand gestossen: Polen arbeiten mit Briten zusammen, um Springer in Polen unten zu halten, die EU dreht die deutschen Großkonzerne durch die Mangel und so weiter.

    Die deutschen Ober-Raffkes haben nicht nur keine Moral, sondern auch keinen Rundumblick und keine Phantasie. Sie sind einfach dabei, sich ihre eigenen Gräber zu schaufeln.

    Winfried Sobottka, ein Sprecher der Anarchistinnen und Anarchisten in Österreich und der BRD.

    Antwort auf "Richtig, aber falsch. "

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