Popkonzert Willkommen in der Rockschau
The Notwist sind eine der beliebtesten Indiebands Deutschlands. In Hamburg präsentieren sie ihr neues Album mit Orchester und scheitern an ihrem eigenen Anspruch

© Stefan Malzkorn
Volle Bühne um jeden Preis: The Notwist spielen ihre Musik kaputt
The Notwist sind das Werder Bremen der Indiemusik. Die Band aus Weilheim gilt als zurückhaltend und verschroben. Ihr Verhältnis zum Klang ist weniger funktional denn spielerisch, sie sind sozusagen die Antithese der Ergebnismusik. Sie spielen auf hohem Niveau, entsprechend hoch sind die Erwartungen an ihre Arbeit und ihre Auftritte. Da reicht kein Unentschieden!
Während am Samstagabend im Sportstudio das hübsche, aber eben mittelmäßig erfolgreiche Spiel Werders gegen Schalke auseinandergenommen wird, stehen The Notwist mit dem Andromeda Mega Express Orchestra auf der Bühne der Hamburger Kampnagel-Fabrik. Eigens für diesen einmaligen gemeinsamen Auftritt seien neue Stücke komponiert worden, heißt es. Es solle ein ganz besonderer Abend werden. Das Konzert ist ausverkauft.
Pop mit Orchester? Die Idee ist nicht neu, die Ausführung meist unterirdisch. Grönemeyer, Metallica und die Scorpions etwa zerrten Pauken und Bratschen auf die Bühne und versenkten ihre Stücke im Sumpf der Rubati. Die Orchester waren nie Mitspielende, sie waren Begleitende. Portishead gelang die Synthese von Band und Orchester auf ihrem Album Roseland NYC Live, man hörte die Gleichberechtigung der einzelnen Teile. Und The Notwist? Sollte es ihnen etwa gelingen, die schwierige Verbindung mit 20 klassischen Instrumenten einzugehen? Gar etwas ganz Neues zu versuchen?
Es gelingt nicht. Und weniger: The Notwist und das Orchester klingen überhaupt nicht zusammen. Zwei Bands teilen sich eine Bühne und spielen abwechselnd. Die wenigen Momente des Zusammenspiels sind kaum der Rede wert – und ohnehin bekannt von The Notwists letztem Album The Devil, You + Me. Zehn Minuten lang ist das Orchester dran, es folgen zwei Poplieder, dann wieder das Orchester, und so weiter. Die einzelnen Programmteile stehen eher im Widerklang als unter Spannung. Ertönen dann beide Gruppen doch mal zusammen, geht vieles im Brei unter: Den Marimbaspieler sieht man wild klöppeln, hören kann man ihn nicht. Und wie grotesk: Vom Band kommt eine Saxofonstimme, während der Saxofonist auf der Bühne Löcher in sein Pult starrt.
- Datum 26.08.2008 - 11:15 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Obwohl ich dem, was Jan Kühnemund schreibt, in vielem zustimmen kann, habe ich den Abend sehr genossen. Das vorletzte Notwist-Album Neon Golden hat solche musikalische Substanz, daß seine Stücke auch sechs Jahre nach Erscheinen und unter Verdubbung und Aufreggaeung bestehen.Natürlich gibt es ein Ungleichgewicht zwischen 20-köpfigem Orchester und Rockband; aber hier empfand ich es als Wechselspiel. Zwei Stunden lang gab es die unterschiedlichsten Arten moderner Musk als verblüffendes Pingpong, technisch gut dargeboten und klanglich (wo ich saß) transparent.Meine Kritik wäre eher die Frage, die sich nach allem Gutunterhaltenfühlen eingestellt hat: Was sollte das Ganze eigentlich?(Wobei mir diese Frage selbst mißfällt: Auf unalltägliche Weise sich zu vergnügen, ohne allzugroße Sinntiefe, ist ja nichts Übles.)
Der Artikel spiegelt ziemlich genau meinen Eindruck dieses Abends wieder, der so viel sein wollte und letztendlich ziemlich enttäuschend verlief. Noch ein kleiner Hinweis: bei "Man muss die Stücke im Konzert spielen" fehlt wohl ein "nicht" zwischendrin...
Nachdem ich diese Konzertkritik und auch die Albumkritik von Jan Kühnemund gelesen habe, glaube ich, dass er einfach nicht versteht, wie sich The Notwist weiterentwickelt hat.Die neuen Stücke sind viel filigraner, subtiler und mehrschichtiger geworden. Das neue Album besitzt eine in sich geschlossene und authentische Klangästhetik. Man braucht große Ohren und eine gewisse Ruhe, um diese Musik zu würdigen.Verständlich, dass Fans von Titeln wie "Pilot" oder "Pick Up The Phone" die Orchesterpassagen eher anstrengend fanden. Das ist einfach keine Musik zum Abrocken und das will sie auch garnicht sein. Den Mut, diese beiden Welten auf eine Bühne zu bringen, ist typisch für The Notwist. Die Schwierigkeiten liegen auf der Hand: Die Erwartungen der oben genannten Hörer, sowie die programmatische und vorallem die technische Herausforderung für solch ein Experiment ist enorm (ein Orchester tönt normalerweise akkustisch und nicht durch eine riesige PA).Dem Publikum konnte man auf jedenfall anmerken, dass das Experiment in Hamburg trotz einiger weniger Ungereimtheiten gut gegangen ist. Man darf auch nicht vergessen, dass diese Kollaboration in einem Prozess steckt. Einen Tag später in Amsterdam konnte man eine deutliche Steigerung wahrnehmen. Einige Kritkpunkte, die Jan Kühnemund zu Recht kritisiert (z.B. das Abwechseln der Bands), wurden anscheinend auch von den Künstlern selbst wahrgenommen. Die Setlist wurde geändert und die Musiker auf der Bühne viel näher zusammengerückt. Das Ergebnis war ein absolut stimmiges und umwerfendes Konzert!Schade, dass so einem Projekt so wenig Geduld geschenkt wird. Da erinnert der unfaire Erwartungsdruck seitens der Kritiker doch eher an den FC Bayern als an Werder Bremen.Ich freue mich auf jedenfall schon auf The Notwist und das Andromeda Mega Express Orchestra live in München im Januar 2009.
Um im Fussball-Jargon von Jan Kühnemund zu bleiben: er gehört ausgewechselt!Zelebriert er schon in seiner Rezension des aktuellen Notwist-Albums „The Devil, You + Me“ die Nicht-Erfüllung seiner persönlichen Erwartungen, so macht er hier erneut sein Unvermögen deutlich, sich auf seinen Erwartungen zuwiderlaufender Dinge einzustellen. Anders sind solch alberne Vergleiche mit Scorpions und Bon Jovi nicht zu erklären….
Ähem.....das war ein Vibraphon und kein Marimbaphon, auf dem da geklöppelt wurde und man hat´s ziemlich gut hören können (muss halt wissen wie sowas klingt). Und dass der Baritonsaxophonist in die Noten guckt, während der Altsaxophonist soliert ist ganz normal. Ich finde, wenn man Konzertkritiken schreibt, sollte man schon ein bißchen was über Musik wissen.
Ich muss Jan Kühnemund in Schutz nehmen: Hinten links (aus Sicht des Publikums) spielte ein Schlagwerker auf dem hölzernen Marimbafon, soweit ich mich erinnern kann. Und während vom Rechner Saxofon-Schnipsel eingespielt wurden, haben alle Bläser stumm auf ihre Pulte gestarrt. Keine Angst, in Instrumentenkunde haben wir aufgepasst.R. Weihser, Musikredaktion
Ich muss Jan Kühnemund in Schutz nehmen: Hinten links (aus Sicht des Publikums) spielte ein Schlagwerker auf dem hölzernen Marimbafon, soweit ich mich erinnern kann. Und während vom Rechner Saxofon-Schnipsel eingespielt wurden, haben alle Bläser stumm auf ihre Pulte gestarrt. Keine Angst, in Instrumentenkunde haben wir aufgepasst.R. Weihser, Musikredaktion
Ich muss Jan Kühnemund in Schutz nehmen: Hinten links (aus Sicht des Publikums) spielte ein Schlagwerker auf dem hölzernen Marimbafon, soweit ich mich erinnern kann. Und während vom Rechner Saxofon-Schnipsel eingespielt wurden, haben alle Bläser stumm auf ihre Pulte gestarrt. Keine Angst, in Instrumentenkunde haben wir aufgepasst.R. Weihser, Musikredaktion
Es war ein Vibraphon und kein hölzernes Marimbaphon. Das gibt's beim AMEO nämlich garnicht.
Also: Setzen, sechs!
Es war ein Vibraphon und kein hölzernes Marimbaphon. Das gibt's beim AMEO nämlich garnicht.
Also: Setzen, sechs!
Es war ein Vibraphon und kein hölzernes Marimbaphon. Das gibt's beim AMEO nämlich garnicht.
Also: Setzen, sechs!
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