Popkonzert Willkommen in der RockschauSeite 2/2

Die Orchester-Soli bereiten große Langeweile. Dieses Tschingderassabumm ist wahrlich zum Haareraufen. Wo wollen die Musiker hin? In den Jazzkeller oder in die Cafébar? Sind wir im Disney-Film oder auf dem Schützenfest? In seinen besten Momenten klingt das Andromeda Mega Express Orchestra wie Yellow Submarine mit Breakbeats.

Man muss die Stücke im Konzert wahrlich nicht spielen wie auf dem Album. Aber man sollte sie am Leben lassen. Beinahe jedes Stück fahren The Notwist nach demselben Muster gegen die Wand: Sanft beginnen, Rhythmus anziehen, Gitarren dreschen, Ende im Geräusch. This Room bebt auf Platte im Widerklang von Treiben und Zerbrechlichkeit. Heute drehen The Notwist auf und bieten es als entsetzlichen Dubrock dar. Das erinnert an den platten Crossover von H-Blockx und Linkin Park. Auch die Dramatik von Pilot ist enervierend: Die Strophe klingt nach Minimal-Techno, den Refrain kündigen grelle Scheinwerfer an, es folgen dumpfe Gitarrenbretter. Willkommen in der Rockschau, das bekämen Bon Jovi nicht abgeschmackter hin.

Es ist, als habe irgendein Witzbold die Bilder Mark Rothkos mit Linien und Punkten versehen. So dezent das Hinzugefügte auch sein mag, das Gleichgewicht ist zerstört. Notwists Album Neon Golden von 2002 strahlt eine innere Ruhe aus, klingt, als sei das Hörbare kunstvoll ausbalanciert. Auf Kampnagel pinseln alle so ambitioniert in den Stücken herum, dass sie zerfallen.

Vielen anderen Bands bescheinigte man nach einem solchen Konzert eine ordentliche Leistung, guten Willen oder wenigstens den Mut zum Experiment. Aber The Notwist? Sie demontieren ihren Mythos. Konnte ihr letztes Album den übersteigerten Erwartungen der Anhänger kaum gerecht werden, scheitern sie nun an ihrem eigenen Anspruch. Letztlich haben auch sie keine originellere Idee zur Allianz von Pop und Orchester als Metallica oder die Scorpions. Das ist nicht mal ein Unentschieden, sondern eine klare Niederlage.

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Leser-Kommentare
  1. Obwohl ich dem, was Jan Kühnemund schreibt, in vielem zustimmen kann, habe ich den Abend sehr genossen. Das vorletzte Notwist-Album Neon Golden hat solche musikalische Substanz, daß seine Stücke auch sechs Jahre nach Erscheinen und unter Verdubbung und Aufreggaeung bestehen.Natürlich gibt es ein Ungleichgewicht zwischen 20-köpfigem Orchester und Rockband; aber hier empfand ich es als Wechselspiel. Zwei Stunden lang gab es die unterschiedlichsten Arten moderner Musk als verblüffendes Pingpong, technisch gut dargeboten und klanglich (wo ich saß) transparent.Meine Kritik wäre eher die Frage, die sich nach allem Gutunterhaltenfühlen eingestellt hat: Was sollte das Ganze eigentlich?(Wobei mir diese Frage selbst mißfällt: Auf unalltägliche Weise sich zu vergnügen, ohne allzugroße Sinntiefe, ist ja nichts Übles.)

  2. 2. Genau!

    Der Artikel spiegelt ziemlich genau meinen Eindruck dieses Abends wieder, der so viel sein wollte und letztendlich ziemlich enttäuschend verlief. Noch ein kleiner Hinweis: bei "Man muss die Stücke im Konzert spielen" fehlt wohl ein "nicht" zwischendrin...

  3. Nachdem ich diese Konzertkritik und auch die Albumkritik von Jan Kühnemund gelesen habe, glaube ich, dass er einfach nicht versteht, wie sich The Notwist weiterentwickelt hat.Die neuen Stücke sind viel filigraner, subtiler und mehrschichtiger geworden. Das neue Album besitzt eine in sich geschlossene und authentische Klangästhetik. Man braucht große Ohren und eine gewisse Ruhe, um diese Musik zu würdigen.Verständlich, dass Fans von Titeln wie "Pilot" oder "Pick Up The Phone" die Orchesterpassagen eher anstrengend fanden. Das ist einfach keine Musik zum Abrocken und das will sie auch garnicht sein. Den Mut, diese beiden Welten auf eine Bühne zu bringen, ist typisch für The Notwist. Die Schwierigkeiten liegen auf der Hand: Die Erwartungen der oben genannten Hörer, sowie die programmatische und vorallem die technische Herausforderung für solch ein Experiment ist enorm (ein Orchester tönt normalerweise akkustisch und nicht durch eine riesige PA).Dem Publikum konnte man auf jedenfall anmerken, dass das Experiment in Hamburg trotz einiger weniger Ungereimtheiten gut gegangen ist. Man darf auch nicht vergessen, dass diese Kollaboration in einem Prozess steckt. Einen Tag später in Amsterdam konnte man eine deutliche Steigerung wahrnehmen. Einige Kritkpunkte, die Jan Kühnemund zu Recht kritisiert (z.B. das Abwechseln der Bands), wurden anscheinend auch von den Künstlern selbst wahrgenommen. Die Setlist wurde geändert und die Musiker auf der Bühne viel näher zusammengerückt. Das Ergebnis war ein absolut stimmiges und umwerfendes Konzert!Schade, dass so einem Projekt so wenig Geduld geschenkt wird. Da erinnert der unfaire Erwartungsdruck seitens der Kritiker doch eher an den FC Bayern als an Werder Bremen.Ich freue mich auf jedenfall schon auf The Notwist und das Andromeda Mega Express Orchestra live in München im Januar 2009. 

  4. Um im Fussball-Jargon von Jan Kühnemund zu bleiben: er gehört ausgewechselt!Zelebriert er schon in seiner Rezension des aktuellen Notwist-Albums „The Devil, You + Me“ die Nicht-Erfüllung seiner persönlichen Erwartungen, so macht er hier erneut sein Unvermögen deutlich, sich auf seinen Erwartungen zuwiderlaufender Dinge einzustellen. Anders sind solch alberne Vergleiche mit Scorpions und Bon Jovi nicht zu erklären….

  5. Ähem.....das war ein Vibraphon und kein Marimbaphon, auf dem da geklöppelt wurde und man hat´s ziemlich gut hören können (muss halt wissen wie sowas klingt).  Und dass der Baritonsaxophonist in die Noten guckt, während der Altsaxophonist soliert ist ganz normal. Ich finde, wenn man Konzertkritiken schreibt, sollte man schon ein bißchen was über Musik wissen.

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    Ich muss Jan Kühnemund in Schutz nehmen: Hinten links (aus Sicht des Publikums) spielte ein Schlagwerker auf dem hölzernen Marimbafon, soweit ich mich erinnern kann. Und während vom Rechner Saxofon-Schnipsel eingespielt wurden, haben alle Bläser stumm auf ihre Pulte gestarrt. Keine Angst, in Instrumentenkunde haben wir aufgepasst.R. Weihser, Musikredaktion

    Ich muss Jan Kühnemund in Schutz nehmen: Hinten links (aus Sicht des Publikums) spielte ein Schlagwerker auf dem hölzernen Marimbafon, soweit ich mich erinnern kann. Und während vom Rechner Saxofon-Schnipsel eingespielt wurden, haben alle Bläser stumm auf ihre Pulte gestarrt. Keine Angst, in Instrumentenkunde haben wir aufgepasst.R. Weihser, Musikredaktion

  6. Ich muss Jan Kühnemund in Schutz nehmen: Hinten links (aus Sicht des Publikums) spielte ein Schlagwerker auf dem hölzernen Marimbafon, soweit ich mich erinnern kann. Und während vom Rechner Saxofon-Schnipsel eingespielt wurden, haben alle Bläser stumm auf ihre Pulte gestarrt. Keine Angst, in Instrumentenkunde haben wir aufgepasst.R. Weihser, Musikredaktion

    Antwort auf "Ähem.....das war ein"
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    Es war ein Vibraphon und kein hölzernes Marimbaphon. Das gibt's beim AMEO nämlich garnicht.
    Also: Setzen, sechs!

    Es war ein Vibraphon und kein hölzernes Marimbaphon. Das gibt's beim AMEO nämlich garnicht.
    Also: Setzen, sechs!

  7. Es war ein Vibraphon und kein hölzernes Marimbaphon. Das gibt's beim AMEO nämlich garnicht.
    Also: Setzen, sechs!

    Antwort auf "Vibra gegen Marimba"

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