Tierverhalten Feng-Shui für Rindviecher

Kühe richten sich beim Fressen und Schlafen wie eine Kompassnadel im Magnetfeld der Erde aus. Das haben Forscher jetzt mit Hilfe von Google Earth herausgefunden.

Na, da tanzt doch eine aus der Reihe! Forscher haben gezeigt, dass sich Kühe bevorzugt in Nord-Süd-Richtung auf die Weide stellen

Na, da tanzt doch eine aus der Reihe! Forscher haben gezeigt, dass sich Kühe bevorzugt in Nord-Süd-Richtung auf die Weide stellen

Der Kuhhirte kennt seine Viecher oft besser als die eigenen Kinder, doch eines haben die Kuhhirten dieser Welt wohl über mehrere Jahrtausende übersehen: Dass Kühe sich beim Fressen und Schlafen nicht nur hübsch parallel anordnen, sondern dass sie sich dabei zu den magnetischen Polen unseres Planeten hin ausrichten. Erst jetzt, mithilfe von Satellitenaufnahmen, haben deutsche Forscher vom Zoologischen Institut der Uni Essen das Geheimnis des synchronen Kuhverhaltens gelüftet, und ihre erstaunlichen Erkenntnisse in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.

"Wir haben uns vier Monate lang Kühe bei Google Earth angeschaut", berichtet Sabine Begall, Erstautorin der neuen Arbeit. Insgesamt haben die Forscher dabei mehr als 8500 Tiere auf 308 Weiden in Nord- und Südamerika, Russland, Australien, Afrika und Asien untersucht – sogar heilige Kühe in Indien seien darunter gewesen, sagt die Biologin. Kopf und Hinterteil der Tiere konnten die Wissenschaftler dabei nicht unterscheiden, wohl aber die Orientierung der Körperlängsachsen.

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Die Auswertung dieser Beobachtungen liefert nach Auffassung der Forscherin nun ziemlich eindeutige Hinweise darauf, dass Kühe über einen bislang unbekannten Magnetsinn verfügen. Denn weltweit stellen sich sowohl Milchkühe als auch freilaufende Schlachrinder nicht irgendwie auf die Weide, sondern richten ihre Körperachsen entlang der Linie zwischen Nord- und Südpol aus. Nur höchst selten weichen sie um mehr als ein paar Grad von diesem klaren Kurs ab.

Die physiologischen Hintergründe dieses Phänomens sind derzeit noch unklar. Eine Rolle könnte die Ausrichtung des Kuhkörpers etwa im Rahmen der Milchproduktion spielen, spekulieren die Forscher. Vielleicht sei der Magnetsinn auch schlicht ein Überbleibsel aus früheren Zeiten, in denen die wilden Vorfahren der Haustiere eine Orientierung für ihre weiten Wanderungen zwischen den Weidegebieten benötigten.

Bekannt ist eine Orientierung im Erdmagnetfeld indes von zahlreichen Insekten, Zugvögeln – und sogar von bestimmten Bakterien, in denen Ketten von Eisenoxid die Lage der Zellkörperchen zu den Polen bestimmen. Ende der Neunziger Jahre berichteten Wissenschaftler von Begalls Institut dann erstmals von Säugetieren, die das Magnetfeld der Erde zur Orientierung nutzen: Es hilft dem afrikanischen Nacktmull, sich seinem bis zu drei Meilen langen unterirdischen System von Gängen zurechtzufinden. Wird das Magnetfeld im Labor verändert, passt sich der kleine Nager an und baut sein Nest anders.

Inzwischen haben Forscher auch bei anderen Nagetieren und sogar Fledermäusen einen Magnetsinn gefunden. "Daraufhin ist die Idee entstanden, auch größere Säugetiere auf einen Sinn für Magnetismus zu untersuchen", erzählt Begall. Die mit Hilfe von Google Earth zusammengetragenen Ergebnisse seien "hoch signifikant", also sicher kein Zufall. Man könne nun ausschließen, dass Wind und Sonne das Verhalten der Tiere bestimmten. "Wenn sich die Tiere etwa nach der Sonne ausgerichtet hätten, hätte sich dies je nach der Uhrzeit ändern müssen", sagt Begall.

Ebenfalls an der Studie beteiligte tschechische Wissenschaftler haben die Nord-Süd-Vorliebe auch an Rehen und Hirschen beobachtet: Das Rotwild richtet seine Schlafplätze im geschützten Unterholz fast immer entlang der magischen Linie aus. Den Sitz des Magnetsinns bei Säugetieren vermuten die Forscher in der Hornhaut des Auges. Verantwortlich dafür könnten eisenhaltige Partikel im Auge sein, erläuterte Begall gegenüber der dpa .

Nach den Kühen wollen die Essener Forscher nun auch den möglichen Magnetsinn anderer großer Säugetieren wie Pferden, Wildschweinen – oder auch des Menschen erforschen. So wird zum Beispiel in der chinesischen Lehre des Feng Shui sehr auf die Ausrichtung an den Himmelsrichtungen geachtet. Ob wir Zweibeiner aber tatsächlich über ein Gespür für Nord uns Süd verfügen, sei indes besonders schwierig zu erforschen, sagt Begall. Wollte man ähnlich vorgehen wie jetzt in der Kuh-Studie, müsste man viele Menschen gemeinsam im Freien erwischen. Eine Idee hat die Forscherin allerdings schon: "Wir haben daran gedacht, schlafende Camper etwa bei Musikfestivals zu untersuchen."

 
Leser-Kommentare
  1. ... aber meine ganz persönliche (wenn auch nur praktische) erfahrung mit rindern oder pferden ist die, dass sie als herdentiere gemeinsam -also pararell,wo möglich-von einer in die andere richtung ziehen.was die rinder mehr interessieren dürfte als irgend ein magnetfeld, ist ein möglichst gutes futter ohne dass sie geringerwertige gräser gleich niedertampeln.bei der nahrungsaufnahme auf der weide gehen diese tiere gottseidank systematisch vor.nämlich von a nach b.zumindest am anfang wenn die weide noch vollsteht.andernfalls würden sie die meiste nahrung in den boden treten.später wenn die weide nicht mehr genug gräser aufweist löst sich die gemeinschaft und geht jedes rind für sich auf die suche nach noch etwas fressbarem.auch die gegebenheiten vor ort dürfte eine grössere rolle spielen als das magnetfeld;kein rind frisst am hang mit dem kopf nach unten. danke. g.w.

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    • cauboy
    • 26.08.2008 um 22:51 Uhr

    Mich würde interessieren, woher die Forscher wissen, zu welcher Tageszeit die Bilder von GoogleEarth gemacht wurden. Meiner Erfahung nach werden die Satellitenfotos zur Mittagszeit gemacht, damit möglichst keine Schatten zu sehen sind. Dann hätte es aber doch etwas mit der Sonne/Tageszeit zu tun, was dem Artikel widersprechen würde. Als Kuh möchte ich auch nicht mit der Breitseite das Sonnenlicht abfangen wollen...Was meint ihr?

  3. Was soll eigentlich der Bezug zum Aberglauben feng Shui?Architektur hat doch schon immer die Himmelsrichtungen beachtet, ganz ohne Drachen und Chifluss.Die Hypothese mit der Tageszeit der Aufnahme der Satellitenbilder klingt auch nicht schlecht.

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    Nicht das ich mich  besonders auskenne, aber "Bezug zum Aberglauben Feng Shui" ist dann doch eine unschöne Formulierung. Und außerdem hoffe ich, dass Untersuchungen dieser Art statistische Grundregeln wie die Uhrzeit des Photos beachten, man kann es eigentlich voraussetzen, denke ich. Aber ihr wisst es ja sicher besser...
    David

    Nicht das ich mich  besonders auskenne, aber "Bezug zum Aberglauben Feng Shui" ist dann doch eine unschöne Formulierung. Und außerdem hoffe ich, dass Untersuchungen dieser Art statistische Grundregeln wie die Uhrzeit des Photos beachten, man kann es eigentlich voraussetzen, denke ich. Aber ihr wisst es ja sicher besser...
    David

  4. Was soll eigentlich der Bezug zum Aberglauben Feng Shui?Architektur hat doch schon immer die Himmelsrichtungen beachtet, ganz ohne Drachen und Chifluss.Die Hypothese mit der Tageszeit der Aufnahme der Satellitenbilder klingt auch nicht schlecht.

    • Hugo_P
    • 27.08.2008 um 10:11 Uhr

    Wo gibts solche Jobs??? Gibts da Geld für???Ich denke, wenn die "Forscher" zwei Wochen lang im Norden (um den Faktor "Berg" auszuschließen; #1) sich an ne Wiese gesetzt hätten, wären die schlauer geworden.Meine vier Mäh-Mähs stehen nur halbwegs parallel, wenns im Winter Heu an der Raufe gibt. Und beim Widerkäuen und Pennen norden die sich auch nicht ein.Ohne einen Verweis auf die Studie zu haben tue ich das erstmal als Blödsinn ab; wenns ne statistische Tendenz sein soll, nunja, da kann aus nem Grundrauschen soviel rausgelesen werden wie aus meinem Kaffeesatz grade eben.Und das Lebewesen einen Orientierungssinn haben, ist eher ein ganz alter Hut.

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  5. Nicht das ich mich  besonders auskenne, aber "Bezug zum Aberglauben Feng Shui" ist dann doch eine unschöne Formulierung. Und außerdem hoffe ich, dass Untersuchungen dieser Art statistische Grundregeln wie die Uhrzeit des Photos beachten, man kann es eigentlich voraussetzen, denke ich. Aber ihr wisst es ja sicher besser...
    David

    Antwort auf "Feng Shui?"
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    Warum ist das unschön formuliert?Eine Wissenschaft ist Feng-Shui definitiv nicht.Es ist ein asiatischer Esoterik-Export.Licht und Wind wurden laut abstract  als Einflussgrößen ausgeschlossen, da steht aber leider nicht wie.Klingt dann doch eigentlich ganz interessant. Eine Orientierung am Magnetfeld gibt es ja auch bei anderen Tierarten.

    Warum ist das unschön formuliert?Eine Wissenschaft ist Feng-Shui definitiv nicht.Es ist ein asiatischer Esoterik-Export.Licht und Wind wurden laut abstract  als Einflussgrößen ausgeschlossen, da steht aber leider nicht wie.Klingt dann doch eigentlich ganz interessant. Eine Orientierung am Magnetfeld gibt es ja auch bei anderen Tierarten.

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