Olympia-Bilanz „Wir sind nicht konkurrenzfähig“

Enttäuschung über das deutsche Team, Kritik am Anti-Dopingkampf und persönliche Siegesmomente – was bleibt von Olympia? Heike Henkel, Marc Huster und Jan Frodeno blicken zurück

Drei Olympia-Experten für ZEIT ONLINE: Marc Huster, Jan Frodeno und Heike Henkel

Drei Olympia-Experten für ZEIT ONLINE: Marc Huster, Jan Frodeno und Heike Henkel

Heike Henkel wurde 1992 Hochsprung-Olympiasiegerin in Barcelona und arbeitete für die Nationale Antidoping-Agentur (NADA). Der ehemalige Gewichtheber Marc Huster wurde mehrmals Welt- und Europameister und gewann bei den Olympischen Spielen 1996 und 2000 Silbermedaillen. Jan Frodeno wurde in Peking Olympiasieger im Triathlon. Alle drei Sportler haben während der Olympischen Spiele exklusiv für ZEIT ONLINE aktuelle Fragen zu den sportlichen Wettkämpfen beantwortet. Jetzt ziehen sie Bilanz.

ZEIT ONLINE: Frau Henkel, an welchen Augenblick dieser Spiele werden Sie sich noch in 10 Jahren erinnern?

Heike Henkel: Mit Sicherheit an die Schwimmwettbewerbe mit Michael Phelps und an die Diskussionen darüber. Rückblickend wird man sich sicher an diese unglaublichen Leistungen, auch die von Usain Bolt am meisten erinnern. Wenn ich an 1988 denke, habe ich auch sofort Ben Johnson vor Augen.

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ZEIT ONLINE: Haben Sie die Spiele überzeugt?

Henkel: Peking hat mich nicht so begeistert wie andere Spiele. Vielleicht lag das an den Übertragungszeiten, ich konnte wenig live sehen, oder auch am Wetter. Es waren ja verregnete Wettkämpfe, es gab Sturmwarnungen.

ZEIT ONLINE: Was war für Sie die größte Enttäuschung der Spiele?

Henkel: Nachdem was ich mitbekommen habe, bin ich von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) enttäuscht. Angeblich hatte sie keine Möglichkeit, die jamaikanischen Sportler zu kontrollieren. Wenn ich aber doch möchte, dass Gerechtigkeit herrscht, muss ich mich auch dafür einsetzen. Wie die Sportler konnte sich die WADA schließlich auch vier Jahre auf diese Spiele vorbereiten.

Weiter zur Olympia-Bilanz des zweimaligen Silbermedaillengewinners im Gewichtheben Marc Huster und des Olympiasiegers im Triathlon Jan Frodeno.

Leser-Kommentare
  1. Entschuldigung, aber Deutschland ist in der Nationenwertung nach den drei Großmächten und Großbritannien Fünfter, hat 3 Goldmedallien mehr geholt als in Athen und Sydney und hier wird so ein Zitat zur Überschrift gemacht?Vielleicht sollten Sie sich mal die "Hart aber Fair"-Sendung vom 13.08. anschauen?!http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtv.phtml?ref=319

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    • PELKA
    • 24.08.2008 um 16:24 Uhr

    Schoene Spiele, super Athleten...und weiter?
    Meinen Kommentar verfasse ich aus Griechenland, dem Land mit der nummeral und prozentual meisten Dopingsuendern.
    i) All diese Athleten wurden 2004 in den Himmel hochgejubelt und nun zu den absoluten Suendern verurteilt.
    ii) Wie in verschiedenen Artikeln angesprochen wurde, hatten diese Spiele so manche politische Schattenseiten, von denen wir wahrscheinlich nie was erfahren werden (oder wollen?). 
    Ich spreche mit bekannten viel ueber die zwei Punkte, da mich, als Amateursportler, der saubere Sport was angeht. Und so mancher koennte denken: "Was hat Punkt ii) mit Sport zu tun"? Naja, eigentlich nichts, aber die lieben Herren des IOC haben es geschafft diese Dinge zu vereinen.
    Am wichtigsten ist es immer noch, nicht alles von unseren Athleten zu erwarten, sondern von uns selbst. Ich persoehnlich freue mich ueber jeden den sportlich aktiv ist, egal wie schnell er ist. Doch bedauere ich es leider, dass der IOC das so nicht sieht, und dass er nur gluecklich ist, wenn die Sponsoren zufrieden sind. 

    • loup
    • 24.08.2008 um 19:22 Uhr

    Ohne tiefschürfende Analyse möchte ich auf zwei Impressionen hinweisen:
     
    1. Die Bildführung im Fernsehen war unsportlich im olympischen Sinne: fast  nur auf die Sieger, pardon: "Winners" fokussiert: den Kampf um die Medaillen und die Plätze bekam man im Fernsehen kaum mit. Entspricht der Devise des "the winner takes it all", der Stärkste setzt sich durch, Sozialdarwinismus halt.
     
    2. Damit bin ich beim zweiten Eindruck. Die Posen der Sieger waren oft unerträglich. Die Körpersprache ähnelte der von Pavianmännern, die bekanntlich sehr reaktionäre und frauenfeindliche Affen sind: Zähneblecken, Fäuste schwingen, Muskeln zeigen, Brust 'raus, sich gegenseitig anspringen.
     
    Irgendwie unangenehm.   

  2. Es ist schon aufschlussreich, dass Sie die (für jeden normalen Menschen verständlichen) Freudenausbrüche der vielen WEIBLICHEN Medaillengewinner mit dem (natürlich nicht "reaktionären", sondern schlicht natürlichen) Verhalten von MÄNNLICHEN Pavianen gleichsetzen. O sancta simplicitas! :-)))

    • Anonym
    • 24.08.2008 um 23:36 Uhr

    ich denk' dabeisein wär wichtig, und so haben das wohl auch die aussichtslos startenden gesehen. wenn nur, und so ist es leider, die leistung an der spitze gewürdigt wird, dann bitte auch richtig: tolle leistung der sportler, miese leistung des IOC. die ganze zeit die vulgäre mundöffnung offen und dann die rückgratverlängerung einkneifen: "ooch, tolle organistion, leider nix mit menschenrechten. ich bin für ein globales abschliessendes olympisches feuerwerk: knallköppen feuer an die lunte und sich freuen, wie die abrauchen, die deutsche veranstaltung mit Vesper abschliessen, das schillert so richtig.glückwunsch an die olympioniken, sie sind die besten weltweit, medaille hin, medaille her.den funktionären käme ich gerne ganz anders, aber wozu die readktion bemühen?!nachwort :allen regeln zum trotz: sollte den chinesischen kindern nachzuweisen sein, dass sie kinder sind, dann sollten lieber die exportrate chinas gekürzt werden, statt den kindern die medaillen abzuerkennen. kein paldon fül kinderschändel, alles für die opfer

  3. Oben sprach jemand die olympische Bildführung an. Ergänzen könnte man, daß sich auch die Berichterstattung unglaublich auf bestimmte Gebiete -- z.B. den für das deutsche Team lange eher wenig goldigen Watercube -- konzentriert hat, und die Mißerfolge der deutschen Schwimmer Diskussionsthema Nr. 1 waren, während die Hockey-Herren sich quasi nebenbei ins Finale spielten und da Gold holten, ohne daß dies mehr als ein paar Absätze wert gewesen wäre.   

    • loup
    • 25.08.2008 um 12:11 Uhr

    Ich gestehe Imperatorregina gern zu, dass ich bei meinem Pavianmännervergleich tatsächlich die männlichen Winners vor Augen hatte.
    Wenn ich aber nachdenke, gab es wohl auch Winnerinnen, die dieses bis vor kurzem als eher männlich-chauvinistische Siegergebrüll, Zähneblecken, Fäusterrecken usw. an den Tag legten.
     
    Ich glaube allerdings nicht, dass dieses Verhalten - ob männlich oder weiblich - bei Menschen so "natürlich" ist. Wir leben im Zeitalter der Medien und der Sozialbiologie. Ich fürchte, dieses kingkongliche Siegerverhalten ist erlernt. Gab es vor zehn Jahren noch nicht so.Die Medien wollen es aber. Verkauft sich nämlich gut. So simplex ist das.

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    Zum Glück ist es unerheblich, was ein l-oups glaubt oder nicht. Selbstverstänlich haben sich erfolgreiche Sportler vor 10 oder 20 Jahren ebenso gefreut, wie es die erfolgreichen Olympiasportler heute tun. Was allerdings ein Teilgebiet der Sozialanthropologie und "Chauvinismus" damit zu tun haben, erschließt sich wohl nicht mal Ihnen.
    Freude ist eine ganz normale emotionale Reaktion des Menschen. Wer den Sportlern ihren Erfolg und ihre Freude darüber nicht gönnt oder dies einer Verschwörung der Medien anlastet, dem ist nicht mehr zu helfen.

    Zum Glück ist es unerheblich, was ein l-oups glaubt oder nicht. Selbstverstänlich haben sich erfolgreiche Sportler vor 10 oder 20 Jahren ebenso gefreut, wie es die erfolgreichen Olympiasportler heute tun. Was allerdings ein Teilgebiet der Sozialanthropologie und "Chauvinismus" damit zu tun haben, erschließt sich wohl nicht mal Ihnen.
    Freude ist eine ganz normale emotionale Reaktion des Menschen. Wer den Sportlern ihren Erfolg und ihre Freude darüber nicht gönnt oder dies einer Verschwörung der Medien anlastet, dem ist nicht mehr zu helfen.

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