Hoffnung und Zweifel, Liebe, Trauer und Niedertracht – und am Ende die große Versöhnung: Das ist der Stoff für Hollywood. Es scheint, als führten die großen Filmemacher von der Westküste dieser Tage auf dem Parteitag der Demokraten in Denver heimlich Regie.

Am Anfang stehen der Zweifel und die Niedertracht. Am vergangenen Wochenende, bevor sich die 4400 Delegierten zur Krönungsmesse für Barack Obama im US-Bundesstaat Colorado versammelten, sorgte eine neue Umfrage für blasse Gesichter und Panik. Die Agenturen meldeten, der Republikaner John McCain liege mit dem Hoffnungsträger der Demokraten in der Wählergunst inzwischen gleichauf.

Wie kann das sein, nach acht Jahren George W. Bush, den drei Viertel der Amerikaner am liebsten auf den Mond schießen würden? Wie kann das geschehen, angesichts der großen Sehnsucht Amerikas nach einem politischen Wandel?

Einer der Hauptgründe, sagen die Meinungsbefrager, sei Hillary Clinton oder besser gesagt: ihre Anhänger. Die hätten die Niederlage der ehemaligen First Lady bei den Vorwahlen immer noch nicht verkraftet. Sie fühlten sich um die Chance betrogen, erstmals in der Geschichte Amerikas eine Frau ins Weiße Haus zu schicken. In ihrer Enttäuschung und Wut, heißt es, würden viele lieber McCain wählen als den Mann, der die Frau aus dem Feld geschlagen hat.

Diese Hiobsbotschaft passte zu den Gerüchten, dass die Clintons erneut sehr verärgert über Obama seien; darüber, dass er Hillary nicht das Amt der Vizepräsidentin angeboten hat und dass Bill auf dem Parteitag am Mittwoch hauptsächlich über Außen- und Sicherheitspolitik reden soll und nicht über das Thema, über das er am liebsten spricht: über sich, seine Präsidentschaft und die erfolgreichen Neunzigerjahre. Besonders aber verstimme es die Clintons, wird kolportiert, dass sie nach der kostspieligen Vorwahl vor einem riesigen Schuldenberg stehen und Obama nicht wirklich hilft, ihn abzutragen.

Die Versammlung in Denver begann am Montag also mit allerlei Missklängen. Manche fürchteten gar, Hillarys Delegierte könnten den Aufstand proben und die Demokraten erneut vor eine Zerreißprobe stellen.

Am Dienstagmorgen entspannt sich die Lage ein wenig. Am Abend zuvor hatte Michelle Obama gesprochen und Hillary mehrfach Tribut gezollt. Amerika und die Frauen, sagt die vielleicht nächste First Lady, hätten Hillary Clinton unendlich viel zu verdanken. Die Delegierten jubelten – und Michelle Obama stimmte in den Hillary-Applaus mit ein. Das wirkte. Plötzlich tauchten überall Anstecker mit dem Motto auf: "Ich bin Hillary-Delegierte und Obama-Unterstützerin". Oder: "Hillary unterstützt Obama – ich auch!"