"Was für eine Verschwendung", empörte sich der New Yorker Medienprofessor und Demokraten-Wähler Jeff Jarvis in seinem Blog über die Nachricht, die Teilnahme von 15.000 Medienleuten würde für die Nominierungsparteitage der Demokraten und Republikaner in diesem Jahr erwartet. "Die Parteitage haben keinen Nachrichtenwert", schrieb Jarvis. "Sie sind Events, die nur inszeniert werden, um Medienaufmerksamkeit zu gewinnen." Dass die großen Medienbüros des Landes dennoch ihre Korrespondenten auffahren, habe nur einen Grund: "Ego".

Gestern begann der Parteitag der Demokraten in Denver, der am Donnerstag, zum 45. Jahrestag von Martin Luther Kings "I Have A Dream"-Rede, im Auftritt Barack Obamas gipfeln wird. Dem Reiz, am Ort zu sein, wenn Geschichte geschrieben wird, erliegen dabei auch zunehmend Blogger. Vom eigenen Ego einmal abgesehen. Ihre Teilnehmerzahlen steigen, während bei den etablierten Medien an Personal eingespart wird.

Selbst Blogs, die für das Partei-Establishement sonst nur Spott und Kritik übrig haben, sind in Denver anwesend: Das "ganze Team" sei jetzt hier, meldete das politische Gossip Blog Wonkette , das Forum Democratic Underground wirbt mit dem Banner "DU goes to Denver" und das wichtigste Demokraten-Blog DailyKos organisiert zusammen mit Internetfirmen wie Google und Digg gleich einen eigenen Pressebereich für die neuen Medien.

Ein Thema, das die Journalisten auf dem Parteitag wittern, ist auch Jarvis vertraut, der als Hillary-Clinton-Anhänger im vergangenen Monat ausgerechnet Argumente des neokonservativen Kolumnisten Charles Krauthammer zitierte, um seinem Unmut über Obama Luft zu machen (der Beitrag ist mittlerweile aus seinem Blog gelöscht ): Es ist die Frage, inwieweit die Clinton- und Obama-Lager nach dem langen und erbitterten Vorwahlkampf zusammengefunden haben und bereit sind, Barack Obama im November zum Präsidenten zu wählen. Mehr als die Hälfte der ehemaligen Clinton-Unterstützer seien sich laut einer aktuellen Umfrage noch nicht sicher, im November für Obama zu stimmen, meldete die USA Today zum Auftakt des Parteitages.

Während gestern Ehefrau Michelle Obama und Demokraten-Urgestein Ted Kennedy für Barack Obama warben, zielten die Republikaner mit neuen Fernsehspots auf die Uneinigkeit ab. "Hatte Sie recht?", fragt ein Spot der Republikaner, in dem eine alte Aufnahme von Clinton gezeigt wird, die Obama für seine mangelnde Erfahrung kritisierte.