Nichts als harmonische Einheit sollen die erwarteten 50.000 Besucher in Denver erleben. Selbst die Obdachlosen der Stadt dürfen ihr Scherflein beitragen: Wer den verteilten Gutschein für einen kostenlosen Haarschnitt nicht annehmen will, kann immerhin umsonst ins Kino, in den Zoo oder in ein Museum gehen, um zur Verschönerung des Straßenbildes beizutragen.

Schein oder Sein, das ist die Frage, der sich auch die Demokraten stellen müssen. Denn niemand kann so recht erklären, warum Barack Obama seinen knappen Vorsprung vor dem Republikaner John McCain in den vergangenen Wochen verloren hat. Eine überwältigende Mehrheit von 80 Prozent der Amerikaner ist der Meinung, dass das Land sich derzeit in die falsche Richtung bewegt. Der Ruf nach Erneuerung sollte von daher eigentlich überzeugender wirken.

Doch noch hat die Partei keine Antwort auf McCains jüngste aggressive Angriffsstrategie gefunden - die Wahl des geistreichen und schlagkräftigen Joe Biden zum Vize-Kandidaten mag da Abhilfe schaffen. Aber selbst 45 Jahre nach Martin Luther Kings " I have a Dream "-Rede ist Amerika offenbar noch nicht überzeugt, dass auch ein schwarzer Präsident den ersehnten Wechsel bringen kann. "Man kann die Bedeutung von Obamas Antrittsrede kaum überbewerten", folgert Professor Seth Masket, Politologe an der Universität von Denver.

Da Obamas Hautfarbe offen nach wie vor nur sehr zögerlich diskutiert wird und nach Meinung vieler Beobachter eher unterschwellig zur Wahlentscheidung beiträgt, sind derzeit alle Augen auf Hillary Clinton gerichtet. Denn wenn es den Demokraten noch nicht einmal gelingen sollte, die tiefen Wunden zu heilen, die der monatelange Zweikampf beider Bewerber hinterlassen hat, dann schwinden auch die Chancen auf einen Wahlsieg.

Das Schlagwort "Unity", also Einheit, ist deshalb in aller Munde. Vor wenigen Tagen traten führende Clinton-Delegierte zu einem speziellen Briefing in Obamas Wahlkampfzentrale in Chicago an. Hillary Clinton hat zudem ein spezielles "Einpeitscher-Team" von 40 Mitarbeitern zusammengestellt, die dafür sorgen sollen, dass ihre Anhänger keine peinlichen Anti-Obama-Proteste inszenieren. "Wenn jemand eine Szene machen will, dann stellen wir ruckzuck Leute mit riesigen Obama-Postern davor", so einer der Organisatoren.