Es sei befremdlich, wenn Kremlchef Dmitri Medwedjew mit der Bundeskanzlerin ein sachliches Telefonat führe und  die deutsche Seite danach über Forderungen und Missbilligungen während des Gesprächs berichte, sagte Lawrow laut Interfax . Der Westen ignoriere auf unzulässige Weise, dass der Konflikt im Südkaukasus mit dem Angriff Georgiens auf die südossetische Hauptstadt Zchinwali begonnen habe. Lawrow rief die internationale Gemeinschaft auf, den georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili nicht länger in Schutz zu nehmen.

Zu dem Telefonat mit dem russischen Präsidenten hatte Merkel zuvor erklärt: "Ich habe deutlich gemacht, dass ich erwartet hätte, dass man in den Gremien OSZE oder UN-Sicherheitsrat über die Frage spricht, bevor die einseitige Anerkennung erfolgt." Die Bundesregierung wirft Moskau vor, der Verbleib von Soldaten auf georgischem Kerngebiet in Pufferzonen vor Südossetien und Abchasien verstoße gegen die Abmachungen. Trotz tiefgreifender Differenzen arbeite die Bundesregierung an einer Deeskalation, hieß es. Merkel und Medwedjew sollen sich am 2. Oktober in St. Petersburg treffen.

In der SPD und FDP stießen die Bemühungen der Bundesregierung im Kaukasus-Konflikts auf Kritik. Mit ihrer Schützenhilfe für Präsident Saakaschwili habe Bundeskanzlerin Merkel "keine gute Rolle gespielt", sagte der SPD-Politiker Erhard Eppler dem Nachrichtensender n-tv . Eppler äußerte Verständnis für die russische Haltung: "Dass die Russen die Georgier wieder rausgeworfen haben, war völlig in Ordnung."

Auch wenn der Zeitpunkt der Anerkennung der Unabhängigkeit der georgischen Provinzen Abchasien und Südossetien falsch sei, hätte Russland auf Dauer nicht anders handeln können, sagte Eppler. Für die Eskalation zwischen dem Westen und Russland machte er die USA verantwortlich. Diese hätten nicht begriffen, dass auch andere Staaten Machtansprüche geltend machten und "die Zeit der unipolaren Welt vorbei ist".

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle wandte sich gegen starke Worte. "Die mögen im eigenen Land Beifall bringen. Die internationalen Beziehungen werden dadurch nicht besser", sagte Westerwelle in der ARD .

Der Fraktionschef der Sozialdemokraten im EU-Parlament, Martin Schulz (SPD), warnte vor einer Bestrafung Russlands für das Vorgehen in Georgien. "Damit würden wir den radikalen Kräften in Moskau in die Hände spielen, die den Konflikt weiter eskalieren lassen wollen", sagte der SPD-Spitzenkandidat bei den Europawahlen der Financial Times Deutschland. "Außerdem kann die EU Russland gar nicht bestrafen. Kein Politiker bei Sinnen denkt daran, militärisch zu intervenieren." Schulz plädierte für deutliche Kritik der EU an Russland, aber auch am georgischen Staatschef Saakaschwili.