Israel Keine Tanker, keine Bomben
Wie Washington einen israelischen Schlag gegen Irans Atomrüstung verhindern will

© Uriel Sinai/Getty Images
Ein israelischer Kampfjet F-16
Bei kühler Betrachtung der Landkarte und der israelischen Besitzstände war ein Alleingang gegen Iran schon immer ein absurdes Szenario. Selbst wenn sie von den Amerikanern die Überflugerlaubnis für den Irak bekämen, müssten israelische F-15 und F-16 mindestens 1500 Kilometer weit fliegen – und wieder zurück. Das geht nicht ohne Auftanken in der Luft, doch fehlen Israel die Kapazitäten. Das Land besitzt nur sieben KC-707-Tanker, die auf der uralten Boeing 707 basieren; zum Teil sind diese Dinosaurier 40 Jahre alt.
Folglich wollte die israelische Luftwaffe (IAF) moderne Tanker vom Typ KC-767 in Amerika kaufen. Wie nun die Fachzeitschrift Jane's (27. August) berichtet, hätte Washington diesen Antrag gerade abgelehnt.
Die Militärzeitschrift zitiert eine ungenannte "hochrangige" Quelle aus Israel: "Das Pentagon hat uns klargemacht, dass sie uns im jetzigen Kontext eines möglichen Angriffs auf Iran keine neuen Betankungsflugzeuge verkaufen würden." Diesen Wunsch hatte Verteidigungsminister Barak anlässlich seines Besuchs in Washington präsentiert. Die Quelle weiter: "Nicht nur lehnen sie eine israelische Operation gegen Iran ab; sie wollen auch nicht als Komplize einer solchen Mission gesehen werden."
Das jüngste Signal, so die israelische Quelle, sei nur ein Glied in einer ganzen Kette von amerikanischen Signalen an Jerusalem gewesen, die seit Mai alle die gleiche Botschaft vermittelten: Ein Angriff gegen Iran verstoße gegen amerikanische Interessen.
Ungeachtet dessen laufen die US-Finanz- und Technologiehilfen für Verteidigungssysteme weiter. Am 5. August unterzeichnete der Chef der U.S. Missile Defense Agency, Henry Obering, einen Vertrag mit Israel, der das gemeinsame Projekt "David's Sling" (Davids Schleuder) bis 2015 absichert. Es handelt sich hierbei um ein Abwehrsystem, das gleichermaßen gegen Langstrecken-Raketen und Marschlugkörper funktionieren soll. Beteiligt sind Raytheon (USA) und Rafael (Israel).
Zugleich will Washington in Israel ein hochmodernes X-Band-Radar aufstellen, das etwa dem in Tschechien entspricht. Es soll Geschosse aus Iran aufspüren und für den Abschuss erfassen.
Fazit: Bye-bye, Bombardement. Aber als Gegenleistung für den Verzicht garantiert Amerika den Israelis den bestmöglichen Schutz gegen iranische Angriffswaffen.
- Datum 08.05.2009 - 14:17 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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