Der Schritt kam für viele Beobachter überraschend: Am Donnerstag kündigte der 67-jährige Thumann, Eigentümer eines Düsseldorfer Familienunternehmens an, nach vier Jahren an der Spitze des Verbandes nicht erneut für das Amt zu kandidieren. Seinen Rückzug begründete er mit internationalen Verpflichtungen.

Thumanns Nachfolger, der 61-jährige Keitel, ist bereits BDI-Vizepräsident und seit 2005 Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. Er war von 1992 bis Ende März 2007 Vorstandschef des Hochtief-Konzerns. Seit Juli vergangenen Jahres ist er Mitglied des Hochtief-Aufsichtsrats. Die Mitgliederversammlung des BDI soll Ende November über die Nachfolge Thumanns abstimmen. Die Wahl Keitels gilt als sicher.

Während Thumanns Amtszeit gab es wiederholt Debatten über eine Fusion mit dem Arbeitgeberverband BDA. In den Wirtschaftsverbänden nahm in den vergangenen Jahren der Unmut zu, auf der politischen Bühne an Durchschlagskraft zu verlieren. Thumann sagte dazu, der BDI werde in der politischen Landschaft wahrgenommen. Mit Bundesregierung und insbesondere mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bestehe ein "enger Dialog". Die Positionen des BDI könnten zu 70 bis 80 Prozent erfolgreich in die politischen Debatten eingebracht werden.

Thumann machte darauf aufmerksam, dass laut BDI-Satzung eine dritte Amtszeit seinerseits eine Zweidrittelmehrheit voraussetze. Zum jetzigen Wechsel sagte er: "Nach reiflicher Überlegung halte ich den Zeitpunkt für gekommen und ... für richtig, die Verantwortung für den BDI in neue Hände zu geben. Zur guten Führung gehört auch, rechtzeitig einen geeigneten Nachfolger vorzuschlagen."

Den Wechsel vom Familienunternehmer Thumann zum angestellten Manager Keitel wollte Thumann nicht als Strategiewechsel verstanden wissen. Der BDI sei gerade mit Blick auf die Globalisierung "sehr gut aufgestellt", sagte Thumann.