Atommüll "Es ist der GAU"

Einem neuen Bericht zufolge waren im Endlager Asse offenbar doch Kernbrennstäbe deponiert. Zudem soll das Leck des Salzstocks schon vor 40 Jahren bekannt gewesen sein. Umweltminister Gabriel reagierte empört

Die jahrelangen Pannen im niedersächsischen Atomlager Asse werden die Suche nach einem Endlager für hochstrahlenden Nuklearmüll nach Ansicht von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) erschweren.

"Es ist in der Endlagerdebatte der größte anzunehmende Unfall (GAU)", erklärte Gabriel am Dienstag in Berlin. In der Öffentlichkeit werde kaum unterschieden zwischen der Diskussion über den Salzstock Gorleben mit der Suche nach Alternativen und den Vorfällen im ehemaligen Salzbergwerk Asse.

Gegen dessen Betreiber, das Helmholtz Zentrum für Gesundheit und Umwelt (München) und die bergrechtliche Genehmigungsbehörde, erhob der Minister  schwere Vorwürfe. Beide hätten atomrechtliche Maßstäbe vermissen lassen. Jahrelang sei der Betreiber ungenehmigt mit radioaktiven Stoffen umgegangen. Das bestätige der von ihm in Auftrag gegebene und nun vorliegende Bericht des niedersächsischen Umweltministeriums. Das Helmholtz Zentrum untersteht dem Bundesforschungsministerium.

Anders als zuvor behauptet lagerten auch Kernbrennstoffe in der Asse, betonte Gabriel. "Unglaublich" sei auch, dass die Undichtigkeit des Bergwerks bereits seit 1967 bekannt sei und nicht erst seit 1988. Da "grob fahrlässig" gehandelt worden sei, müsse auch die Frage von Strafanzeigen geprüft werden. Die Einlagerung der Atommüll-Fässer sei damals in feuchten Kammern erfolgt, wie die Befragung von Mitarbeitern ergeben habe. "Es gab nie ein sicheres Endlager Asse, sondern es wurden bewusst Informationen zu Laugenzutritten unterdrückt", kritisierte Gabriel.

Um weitere Fehler zu vermeiden, soll es an diesem Donnerstag ein Gespräch geben, an dem neben Gabriel und Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) auch Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) teilnehmen soll. Nach Gabriels Angaben haben alle drei im bisherigen Verfahren grundsätzlich an einem Strang gezogen. "Unabhängig von der noch ausstehenden Bewertung des Verfahrensmanagements durch einen externen Gutachter steht nach meiner Auffassung fest, dass die Verfahrensführung der Asse und ihre Beaufsichtigung durch die zuständigen Behörden grundlegend neu gestaltet werden muss."
 

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Leser-Kommentare
  1. solange profit  über sicherheitsfragen gestellt wird wie z.zt. bei  den von den vier strommafiakonzernen angestrebten laufzeitverlängerungen  der altmeiler ist jedes  pro-atom-argument potentielle massenvernichtung.

    • Yucon
    • 02.09.2008 um 17:06 Uhr

    Hier zeigt sich wieder mal, dass die Betreiber die Öffentlichkeit und
    die Behörden systematisch belügen und betrügen. Beim Vattenfall-Skandal
    um Krümmel und Brunsbüttel hat man schon gesehen, dass alles daran
    gesetzt wurde, um Fehler zu vertuschen und Gefahren herunterzuspielen
    oder gänzlich zu verleugnen. Einige wichtige Informationen wurden erst
    dann herausgerückt, als die zuständigen Behörden die Staatsanwaltschaft
    zu Hilfe gerufen hatten und diese mit einem Durchsuchungsbefehl auf der
    Matte stand.Diesmal ist es nicht Vattenfall, sondern das
    Bundesforschungsministerium hat sogar selbst seine Finger mit in diesem
    dreckigen Spiel. Wem soll man denn überhaupt noch vertrauen?Hier
    geht es nicht um die berüchtigte EU-Norm zum Krümmungswinkel der
    Bananen, sondern um eine hochgefährliche Technologie, die uns allen
    eines Tages um die Ohren fliegen könnte ... und wenn wir diesen
    skrupellosen Profitgeiern nicht bald Einhalt gebieten, dann wird dieser
    Tag eher früher als später heranbrechen.Bisher war mir die
    Forderung der Linken nach Enteignung der 4 Energie-Oligarchen zu
    radikal, aber langsam glaube ich auch, dass dies der einzige Weg ist,
    um überhaupt nochmal eine öffentliche/staatliche Kontrolle dieses durch
    und durch korrupten Systems zu ermöglichen, wo vom Betreiber der
    Atommeiler bis zur Endlagerung anscheinend alle ihren Profit über die
    Sicherheit von Millionen Bürgern stellen.Herr Gabriel macht sich Sorgen um den GAU in der Endlagerdabatte, aber er sollte sich viel mehr Sorgen um den GAU machen, der uns bevorsteht, wenn wir diese Debatte nicht führen und nicht die nötigen Konsequenzen daraus ziehen.

    • zetti
    • 02.09.2008 um 18:19 Uhr

    Natürlich sind moderne Atomkraftwerke "sicher". Wen interessiert schon der Müll? Ob der "endgelagerte" oder den, den die Atomlobby regelmäßig verzapft?Zetti

    • iDog
    • 02.09.2008 um 19:20 Uhr

    .. aber der kleine buerger soll muellvermeidung praktizieren und wird zu scharadeartigen handlungsablaeufen gezwungen ... wo ist der vorbildcharakter der verantwortlichen geböieben ... oder ist es heute so , dass der "kleine mann" das vorbild geworden ist mit seinem kritischen denken und seiner bereitschaft zu handeln ?  

  2. Beim Steinkohlebergbau spricht man von Ewigkeitskosten und meint damit, dass noch mehrere hundert Jahre nach Ende der Kohleförderung Kosten anfallen, weil z.B. alte Stollen einbrechen, an Gebäuden Schäden entstehen oder weil sich plötzlich tiefe Löcher im Boden auftun. Diese Kosten muss jemand tragen auch wenn schon längst alle Einnahmen verbucht und die Firmen abgewickelt sind. Mit dem Bergbau hat man sich eine Schuld aufgeladen, die zukünftige Generationen bezahlen müssen.Bei der Atomkraft, die in Deutschland ja nur wenig über 50 Jahre alt ist, bekommen wir jetzt so langsam einen Einblick was wirkliche Ewigkeitskosten sind. Wir produzieren tagtäglich weiter Atommüll, der im Falle von Plutonium eine Halbwertszeit von 24110 Jahren hat. Das ist 6 mal so lang wie die Pyramiden in Ägypten alt sind. Plutonium ist dann nicht unschädlich sondern es ist immer noch die Hälfte da. In weiteren 24110 Jahren wird sich die Menge auf ein Viertel reduziert haben. Wenn es in 241100 Jahren noch Menschen gibt, ist von jeder Tonne Plutonium immer noch ein kg übrig. Auch das ist dann noch sehr gefährlich. Wenn der Müll jetzt in Bergwerken quasi unrückholbar eingeschlossen wird, ist dieses Szenario übrigens durchaus realistisch. Unsere angeblich so sicheren Salzstöcke haben nicht mal 40 Jahre gehalten. Die Fachleute, die an einer gesicherten Endlagerung interessiert sind haben uns über die tatsächlichen Vorgänge anscheinden von Anfang an belogen. Ein großartiger Start und es sind nur noch 24070 Jahre bis zum ersten größeren Meilenstein in der quasi Ewig dauernden zukünftigen Geschichte der Endlagerung. Zukünftige Generationen werden uns für den Unsinn verfluchen mit dem wir sie bis in alle Ewigkeit belasten weil wir das Märchen von der billigen Energie geglaubt haben.

  3. Und irgendwann wird dann auch einmal ernsthaft in der Elbmarsch nachgeforscht, wo denn nun genau die grauen Kügelchen herstammen die dort überall herumliegen und radioaktives Material enthalten........Pro Atomkraft? Dann zieht neben Endlager wie Asse und Kernkraftwerke - dann glaube ich euch Managern und Politikern, dass alles sicher ist - erst wenn eure eigenen Kinder dort wohnen, glaube ich euch das - vorher nicht.

    • mexi42
    • 03.09.2008 um 4:40 Uhr

    Welcher § des StGB greift hier?

    Es wird Zeit, dass vor einer möglichen Verjährung
    die erreichbaren Minister und Bürokraten ihrer
    verdienten Strafe zugeführt werden. Und zwar
    mit einer Präzision, die die tausendjährigen Folgen
    angemessen ahndet.

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