Die jahrelangen Pannen im niedersächsischen Atomlager Asse werden die Suche nach einem Endlager für hochstrahlenden Nuklearmüll nach Ansicht von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) erschweren.

"Es ist in der Endlagerdebatte der größte anzunehmende Unfall (GAU)", erklärte Gabriel am Dienstag in Berlin. In der Öffentlichkeit werde kaum unterschieden zwischen der Diskussion über den Salzstock Gorleben mit der Suche nach Alternativen und den Vorfällen im ehemaligen Salzbergwerk Asse.

Gegen dessen Betreiber, das Helmholtz Zentrum für Gesundheit und Umwelt (München) und die bergrechtliche Genehmigungsbehörde, erhob der Minister  schwere Vorwürfe. Beide hätten atomrechtliche Maßstäbe vermissen lassen. Jahrelang sei der Betreiber ungenehmigt mit radioaktiven Stoffen umgegangen. Das bestätige der von ihm in Auftrag gegebene und nun vorliegende Bericht des niedersächsischen Umweltministeriums. Das Helmholtz Zentrum untersteht dem Bundesforschungsministerium.

Anders als zuvor behauptet lagerten auch Kernbrennstoffe in der Asse, betonte Gabriel. "Unglaublich" sei auch, dass die Undichtigkeit des Bergwerks bereits seit 1967 bekannt sei und nicht erst seit 1988. Da "grob fahrlässig" gehandelt worden sei, müsse auch die Frage von Strafanzeigen geprüft werden. Die Einlagerung der Atommüll-Fässer sei damals in feuchten Kammern erfolgt, wie die Befragung von Mitarbeitern ergeben habe. "Es gab nie ein sicheres Endlager Asse, sondern es wurden bewusst Informationen zu Laugenzutritten unterdrückt", kritisierte Gabriel.

Um weitere Fehler zu vermeiden, soll es an diesem Donnerstag ein Gespräch geben, an dem neben Gabriel und Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) auch Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) teilnehmen soll. Nach Gabriels Angaben haben alle drei im bisherigen Verfahren grundsätzlich an einem Strang gezogen. "Unabhängig von der noch ausstehenden Bewertung des Verfahrensmanagements durch einen externen Gutachter steht nach meiner Auffassung fest, dass die Verfahrensführung der Asse und ihre Beaufsichtigung durch die zuständigen Behörden grundlegend neu gestaltet werden muss."