Ausstellung

Der lange Abschied

Als Arnaldo Bennati sein Hotel Bristol 1954 mit großem Pomp eröffnete, war es ein Muss für Europas High Society, dort zu erscheinen. Sogar Sophia Loren tanzte auf dem Premierenball. Doch mit dem Traum, das elegante Haus und damit Meran zum Anziehungspunkt für die oberen Zehntausend zu machen, ging der venezianische Reeder letztlich baden. Nur zwei wirklich glanzvolle Jahrzehnte waren dem Hotel vergönnt. Dann dümpelte es dahin, wurde 1991 geschlossen und 2007 abgerissen. Das langsame Sterben einer Legende hat Elisabeth Hölzl mit der Kamera begleitet. Ihre zwischen 2005 und 2007 entstandenen Arbeiten werden unter dem Titel Hotel Bristol in der Kölner Galerie Walderdorff zu sehen sein. Die aus Meran stammende Fotografin erzählt eine sentimentale Geschichte des Verfalls. Sie handelt von halb blinden Spiegeln auf bröckelndem Putz, von stoffverhülltem Mobiliar (unser Bild: »Salonmeer«) und zerwühlten Betten, denen gerade noch irgendein schlaftrunkenes Luxusgeschöpf entstiegen zu sein scheint. Aber der Betrachter weiß es ja längst: In diesem Geisterhaus herrschten Staub, Moder und Auflösung, lange bevor die Abrissbirne kam. Mit ihren pastellzarten, elegischen Bildern hat Elisabeth Hölzl dem verschwundenen Hotel einen würdigen Nachruf verfasst. B.W.

Ausstellungsdauer 2. September bis 4. Oktober. Geöffnet Di–Fr 15–19 Uhr, Sa 11–15 Uhr. Emmanuel Walderdorff Galerie, Jülicher Straße 27, 50674 Köln, Tel. 0221/8011824, www.walderdorff.net

Der Katalog zur Ausstellung:
Elisabeth Hölzl - Hotel Bristol
Mit Beiträgen von Matthias Dusini und Josef Rohrer.
Folio Verlag Wien/Bozen 2008; gebunden, 136 S., durchgehend farb. Abb. 21 x 28 cm
ISBN 978-3-85256-407-4; 25,- Euro