MusikdownloadsLiebe gibt's nur gegen Geld

Radiohead haben mit ihrem Album "In Rainbows" neue Wege in der Online-Vermarktung beschritten. Jetzt folgen ihnen Bloc Party und Metallica. Doch statt die Fans zu beglücken, wollen sie doppelt an ihnen verdienen

Wer Bloc Party hören will, kann ihre Musik jetzt herunterladen und im Oktober noch mehr Lieder auf CD nachkaufen

Wer Bloc Party hören will, kann ihre Musik jetzt herunterladen und im Oktober noch mehr Lieder auf CD nachkaufen

Im vergangenen Herbst veröffentlichten Radiohead ihr Album In Rainbows im Internet, und die Käufer durften den Preis selbst bestimmen. Ganz gleich, wie erfolgreich die Strategie nun wirklich war und wie glaubwürdig sie im Nachhinein erscheint, eines hat die Band geschafft: Jede neue Idee zur Vermarktung von Downloads wird auf sie zurückgeführt.

Gerade haben Bloc Party ihr neues Album Intimacy auf ihrer Internetseite zum Herunterladen veröffentlicht. Anders als Radiohead kassieren sie einen Festpreis für zehn neue Lieder, nämlich ein bisschen mehr als sechs Euro. Und anders als Radiohead haben Bloc Party einen Plattenvertrag, die Veröffentlichung von CD und LP Ende Oktober ist abgemacht.

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Radiohead verfolgten eine offensive Strategie im vergangenen Jahr. Sie hatten eine gute Platte, aber keine Plattenfirma, also auch nichts zu verlieren. Bloc Party hingegen haben einen Plattenvertrag und sind eine der angesagtesten Bands auf der britischen Insel. Ihre Rechtfertigung der digitalen Vorabveröffentlichung klingt defensiv, da kann die Plattenfirma noch so standesgemäß von Innovation reden. Dieser Schritt sei der Band schwergefallen, doch die "Liebe zu ihren Fans" habe sie dazu gezwungen. So früh wie möglich sollten die Anhänger "in den legalen Genuss" des Albums kommen. Da kullern dicke Krokodilstränen. Als klänge legal besser als illegal, als ginge es hier um Gerechtigkeit.

Bloc Party machen lediglich aus der Not eine Tugend. Dieser Tage sind neue Alben meist einige Wochen vor der regulären Veröffentlichung im Netz zu finden. Wasserzeichen hin, Kriminalisierungskampagnen her: Sobald die ersten Werbe-CDs verschickt sind, verbreiten sich die entsprechenden Dateien – sogenannte leaks, undichte Stellen – rasend schnell in Blogs und Tauschbörsen. Bloc Party wollen nun wenigstens ein kleines Stück des Internetkuchens abbekommen und lassen ihr Album selbst durchsickern, gegen einen kleinen Obulus eben.

Noch eine Not und noch eine Tugend: Die Käufer von CD, Platte und Datei unterscheiden sich. Wer nur die Musik will, der geht bei iTunes an die Kasse. Wer was in der Hand haben möchte, kauft eine CD – und fertigt sich die Dateien fürs Joggen selbst an. Wer für Musik ohnehin kein Geld ausgibt, wird auch Bloc Party nichts zahlen. Allein mancher Plattensammler investiert doppelt, in Vinyl und mp3.

Auch in dieser Hinsicht ist Bloc Partys Strategie gar nicht blöd, denn wer wartet schon gern zwei Monate auf ein Album, dass jeder bereits heruntergeladen hat? Das rechnet sich dann so: Die Internet-Version kostet rund sechs Euro, die lässt man schnell mal springen. Und viele Anhänger werden im Oktober weitere 15 Euro für die CD oder die Platte bezahlen. So berappen sie am Ende mehr als 20 Euro – und das, weil die Band ihre Fans so liebt.

Leserkommentare
    • iDog
    • 31.08.2008 um 14:21 Uhr

    ja nun - was ist denn nun das fazit hier - sind die bands gierig oder die plattenfirmen - oder sind die fans doof - und warum ist radiohaed keine referenz ??? da bleibt ueber allgemeinem genoele viel unerwaegtes ... natuerlich muessen sich in zeiten des wandels alle was ausdenken um weiter geld mit ihrem produkt zu verdienen - trifft auf jede barnche zu wie auf die musikbranche - das die plattenfirmen eigentlich kein produkt haben ist problematisch fuer sie .... aber bands wie radiohat werden immer eins haben und sie werden es loswerden - auch ohne obsolete industrie - die fans werden dafuer sorgen. das jetzt andere bands den radiohaed appeal simulieren ist nicht erstaunlich : hype und mythos ist und war immer der motor des moderenen musikgeschaefts.

  1. Man kann also die Songs jetzt schon kaufen und kann (nicht muss) sich dann die fehlenden Songs später einzeln bei iTunes nachkaufen? Oh oh oh oh, da ist aber eine ganz verwegene Plattenfirma am Start."Hinter all dem stecken knallharte Überlegungen des Marketings" - Man nennt es auch Wirtschaft. Die Zeit verlangt für ihr ePaper ja auch Geld, obwohl man dort "nur" einen Bonus an Artikeln erhält, größtenteils aber nochmal das gleiche bekommt was hier schon zu finden ist.

    • MaxS
    • 31.08.2008 um 18:25 Uhr

    Also manchmal fragt man sich warum manche Leute hier Artikel schreiben dürfen, dafür auch noch bezahlt werden?Wenn man keine Ahnung vom Musikgeschäft hat, sollte man einfach die Klappe halten!Natürlich werden die Bands ganz gut an ihrem Album verdienen, aber man sollte auch nicht vergessen, dass mit diesem Geld auch viele Nachwuchsbands finanziert werden, die erst mit dem zweiten oder dritten Album Profite einfahren, wenn überhaupt.Und wenn jemand für die Metallica-Super-Album-Version bereit ist €100 zu bezahlen, dann bitte..., jedem das seine!Also mal schön den Ball flach halten.

  2. Ich frage mich, warum der Autor meint, das Menschen, die ein neues Album als mp3 haben, es dann nochmal kaufen? Auf die Theorie wird leider nicht eingegangen.

  3. Freier Autor

    Hier tummeln sich also nur mündige Käufer. Das ist doch schön! Aber lassen wir uns nicht blenden: Die Plattenfirmen investieren beinahe nichts in unbekannte Künstler, die mittelgroßen können es sich nicht leisten, die großen müssen gar nicht. Erstaunlich, dass alle hier bislang Kommentierenden das als quasi natürliche Funktionsweise der Marktwirtschaft hinnehmen. Verdient es nicht Kritik, dass das alles mit der Musik rein gar nichts mehr zu tun hat?

  4. Etwas mehr Flexibilität beim Kauf ist auch schonmal gut. Raubkopien wirds aber weiterhin geben und zwar im Super-Mega-Special-Edition-Gold Case-Umfang. Das Grundproblem ist nicht gelöst: Daß Musik unnötig zu teuer  und völlig überbewertet ist. Der Fluch des Mainstream, eben. "Frische" Musik selbst zu suchen und (angemessen) zu unterstützen macht allemal mehr Spaß als Platten-Multis zu füttern, die nach dem Motto Aufreißen-Durchkauen-Ausspucken Nachwuchsarbeit betreiben.

  5. Der Artikel zeugt nicht gerade von Sachkenntnis: Das ach so innovative Pay-what-you-want-Konzept für Album-Downloads praktizierte noch vor Radioheads "In Rainbows" bereits Saul Williams bei seinem "Niggy Tardust"-Album. Und verlogen ist der Bezug auf Radiohead im Kontext Metallica & Co. schon gar nicht, denn auch "In Rainbows" gab es später kostenpflichtig als CD-Version + Artwork zu bestellen. Warum also Radiohead allerorten für ihr (übrigens recht unspannendes) Werk nicht nur völlig unkritisch abgefeiert sondern auch noch als besonders innovativ und gutmenschlich gepriesen werden, wo sie doch bloß die bei unbekannteren Bands mittlerweile übliche Praxis für sich entdeckt haben, bleibt nicht nur schleierhaft - der Artikel schreibt diesen urbanen Mythos auch noch fort. Widersprüchlich ist das schon. Qualitäts-Journalismus allerdings nicht.

  6. Bloc Party bietet auch die Möglichkeit, das Album jetzt herunterzuladen und die CD im Oktober frei Haus geliefert zu bekommen - beides zusammen zum Preis von 10 Pfund (okay, 12 Pfund mit Versandkosten nach Deutschland), was beim derzeitigen Wechselkurs einen Preis von rund 12,50 EUR (14,80 EUR) bedeutet. Ausgetrickst fühle ich mich dabei nicht, sondern ich habe das Gefühl, das beste aus beiden Welten zu bekommen: immerhin kann ich das Album jetzt bereits anhören, bin aber dann durch die CD vor evtl. Festplattentod geschützt (und Pfennigfuchser können sich freuen, dass sie die Dateien nicht selbst umwandeln müssen und somit auch noch Strom sparen). In Anbetracht der Tatsache, dass das im Artikel besprochene Coldplay-Album bei Amazon derzeit 14,95 EUR kostet, und bei iTunes in der digitalen Variante 9,99 EUR ist das Blocparty-Angebot durchaus nicht überteuert. Natürlich ist dieser Vertriebsweg nicht über die Maßen innovativ, aber solange man in einem Artikel darüber motzen kann, wird trotzdem noch eine Nachricht draus.Noch zwei Randbemerkungen: Radiohead war bei Veröffentlichung von "In Rainbows" ebenso wenig unbekannt wie Bloc Party; das Argument, sie seien nur eine arme Band ohne Plattenvertrag gewesen, zählt also nicht. Außerdem wäre es super, wenn der Verf. den Unterschied zwischen "das" und "dass" noch einmal nachschlagen würde (vgl. "wer wartet schon gern zwei Monate auf ein Album, dass jeder bereits heruntergeladen hat").

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