"Nie wieder!" So lautet das heimliche Motto des heute beginnenden Parteitags der Republikaner in Minneapolis. Um jeden Preis will man vermeiden, dass angesichts des heranbrausenden Hurrikans Gustav die schlimmen Erinnerungen an die Katastrophe von vor fast genau drei Jahren wach werden.

Am 29. August 2005 verwüstete Hurrikan Katrina die Stadt New Orleans und weite Landstriche im Süden der Vereinigten Staaten. Etwa 1800 Menschen starben, Zehntausende wurden obdachlos, ungezählte Häuser versanken in den Fluten oder brachen unter der Kraft des Sturms wie Kartenhäuser zusammen. Die Erste Hilfe ließ viel zu lange auf sich warten, die Rettungsaktionen verliefen chaotisch, Plünderer bemächtigten sich der Straßen. Derweil urlaubte George W. Bush unbekümmert in Texas und sah sich das Desaster erst Tage später aus sicherem Abstand aus dem Flugzeug an. Der Präsident und seine Regierung hatten komplett versagt – administrativ, politisch und moralisch.

Diesmal wollen die Republikaner andere Bilder liefern. Angesichts des Hurrikans demonstrieren sie vorrangig Gemeinsinn und rufen in alle Himmelsrichtungen: "In der Not sind wir nicht Republikaner oder Demokraten, sondern nur noch Amerikaner!"
Hinter den Kulissen streiten die Strategen, ob der liebe Gott es mit den Konservativen diesmal besonders gut meint oder nicht. Die einen ringen die Hände, weil Gustav ihnen den Parteitag verhagelt, ausgerechnet wenige Tage nach dem grandiosen Konvent der Demokraten.

Während etwa 100.000 Menschen fluchtartig St. Louis und Umgebung verlassen und in endlos langen Karawanen gen Norden ziehen, haben die Republikaner in Minneapolis die geplanten Erbauungsreden und Jubelveranstaltungen bis auf Weiteres radikal zusammengestrichen. Es wird nach Gehör gespielt. Solange Amerikaner an der Golfküste um ihre Habe und um ihr Leben fürchten, darf es in den Hallen von Minneapolis kein Konfetti regnen.

An diesem Montag wird deshalb nur das Notwendigste geregelt, zum Beispiel die Verabschiedung der Geschäftsordnung und des Wahlkampfprogramms. McCain muss zwar in diesen Tagen irgendwann offiziell nominiert werden, aber vorerst bleibt er im Süden nahe des Unwetters, gemeinsam mit seiner Frau Cindy und Sarah Palin, seiner Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin. Präsident Bush und sein Vize Dick Cheney haben ihren Auftritt auf dem Parteitag ganz abgesagt, sie wollen dieses Mal an der Wetterfront ausharren.