Die Hurrikansaison hat begonnen: In den kommenden drei Monaten wird voraussichtlich mehr als ein Dutzend tropischer Wirbelstürme über den Atlantik fegen und ganze Küstenregionen in ständige Alarmbereitschaft versetzen. Wenn die Saison hält, was die Hurrikane Gustav und Fay versprochen haben, wird die Fachwelt auch in diesem Jahr wieder über zwei Fragen streiten: Wächst die Bedrohung durch Stürme und Fluten? Und wenn ja: Ist der Klimawandel schuld? Meteorologen, allen voran die US-Wetterbehörde NOAA glauben nicht an einen Zusammenhang zwischen globaler Erwärmung und Hurrikanen. Klimaforscher dagegen sind von der unheilvollen Verbindung überzeugt - und warnen vor stürmischen Zeiten. Doch wer hat Recht?

Vermutlich die Klimaforscher. Das zumindest legt eine Studie in der aktuellen Ausgabe von Nature nahe, die auf der Grundlage von Satellitendaten aus den Jahren 1981 bis 2006 neue Berechnungen vorstellt. Die Autoren von der Florida State University kommen zu dem Schluss, dass es sehr wohl eine Verknüpfung zwischen der allmählich steigenden Temperatur der Weltmeere und einer Häufung besonders heftiger Wirbelwinde gibt. Zwar bleibe die Gesamtanzahl der Stürme gleich. Das Auftreten und die Intensität der kräftigsten Hurrikane und Zyklone aber wächst.

Die zugrundeliegende Theorie ist bekannt: Je mehr Wärme ein Wirbelsturm bekommt, desto mehr Energie hat er, um seine Kraft zu verstärken. Forscher nennen diese Theorie die "Wärmekraftmaschine" tropischer Wirbelstürme. "Das ist relativ einfache Physik", sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung. Einfach, und seiner Ansicht nach auch zutreffend. "Die jetzt vorliegenden Daten unterstützen diese Theorie deutlicher als zuvor", sagt der Klimafoscher.

Die neue Studie zeigt vor allem für die Intensität der Hurrikane einen deutlichen Aufwärtstrend: Hurrikane der Kategorie 4 und 5 mit Windgeschwindigkeiten bis über 250 Stundenkilometern werden stärker. Parallel steigt die Temperatur an der Oberfläche der Ozeane seit drei Jahrzehnten stetig - und das, so glaubt der Leiter der neuen Studie, James Elsner, forciert die Bildung echter Monsterstürme. "Ein Anstieg um nur einen Grad Celsius bedeutet eine weltweite Zunahme von 13 auf 17 besonders starker tropischer Wirbelstürme pro Jahr". Mit Ausnahme des Südpazifiks seien alle Ozeanbecken der Erde betroffen. Am deutlichsten zeigt sich der Trend demnach bei Hurrikanen über dem Atlantik. Aber auch Zyklone und Taifune, also tropische Wirbelstürme im Indischen Ozean und im asiatischen Raum, gewinnen an Intensität - und zwar unbegrenzt.

Bislang waren Forscher noch davon ausgegangen, dass es für die Heftigkeit von Stürmen eine natürliche Obergrenze gibt. "Was wir nun sehen, ist, dass diese Grenze überschritten wird", sagt Elsner. Zwar liege die durchschnittliche jährliche Zunahme der Windstärke im Nordatlantik gerade mal zwischen zwei und fünf Kilometern pro Stunde. Dass dies aber überhaupt möglich ist, hält Elsner für alarmierend: "Wir erwarten, dass sich dieser Aufwärtstrend fortsetzt und das bedeutet, dass wir in Zukunft immer stärkere tropische Wirbelstürme sehen werden".

Zu ähnlichen Ergebnissen waren zwar schon frühere Studien schon gekommen, doch stützten diese sich auf recht heterogene Datengrundlagen. Solche enstehen etwa bei Windmessungen auf Schiffen. "Früher haben Schiffe starke Stürme gemieden, heute durchfahren sie sie oft problemlos", erklärt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Deshalb würden heute weitaus höhere Windgeschwindigkeiten und Luftdrücke gemessen als noch vor wenigen Jahren, was eine direkte Vergleichbarkeit der Daten nicht zulässt. Das Satellitenmaterial der aktuellen Studie sei dagegen "qualitativ robust und einheitlich", sagt Klimaforscher Rahmstorf. Auch Elsner betont, er habe nun erstmals "widerspruchsfreie" Daten ausgewertet.