Musiktrends Empfehlungen von Mensch zu Mensch
Wo gibt's neue Musik? Im Internet. Wer nicht jedes Blog einzeln lesen will, findet bei The Hype Machine interessante Entdeckungen auf einen Blick. Ein Interview mit Anthony Volodkin, dem Erfinder der Website
Der Russe Anthony Volodkin, 22, hat den Musiktrend-Detektor The Hype Machine programmiert. Mehr als eine Million Benutzer besuchen die Website monatlich, um neue Bands zu entdecken. The Hype Machine wertet die Beiträge von etwa 1700 Musikblogs aus und leitet daraus künftige Strömungen ab.
ZEIT ONLINE: Herr Volodkin, wie kamen Sie auf die Idee, eine Musiktrendsuchmaschine zu bauen?
Anthony Volodkin: Ich war frustriert, wie schwer es war, neue Musik zu finden, die mir wirklich gefiel. Formatradio zum Beispiel ist furchtbar: nur 40 Lieder und dann Wiederholung. Das ist einfach kein guter Weg, um Musik zu entdecken. So stieß ich erst auf Musikblogs. Doch ich suchte nach einem Weg, mehr und tiefere Einsichten in die sehr unterschiedlichen Beiträge zu erlangen. Die Idee von The Hype Machine ist, Musik zu finden, über die Menschen gerade reden. Sie soll herausfinden, was angesagt ist. Mit ihr kann man vor dem Wind segeln und Dinge kennenlernen, die bald einer größeren Masse bekannt werden.
ZEIT ONLINE: Nun zeigt The Hype Machine aber nicht nur Blogeinträge über Musik – die Besucher können sich die Lieder auch gleich anhören. Wie reagieren die Rechteinhaber darauf?
Volodkin: Auf der Seite soll man Musik entdecken. Wir binden immer Links ein, über die man die Stücke direkt kaufen kann. Wir sind keine große Firma mit viel Geld, es lohnt sich sicherlich nicht, uns zu verklagen. Außerdem surfen die Leute aus den Marketingabteilungen der Plattenfirmen auch auf der Seite.
ZEIT ONLINE: The Hype Machine ist zweifelsohne erfolgreich. Aber ist dieses Trend-Bewusstsein nicht mittlerweile eher altmodisch?
Volodkin: Es gibt diesen Antrieb, dass man sich freut, wenn man als Erstes etwas entdeckt und es dann seinen Freunden empfiehlt. Und natürlich verspüren auch Blogger diese Motivation. Musikempfehlungen von Mensch zu Mensch sind besonders interessant. Die individuelle Beziehung zu Musik ist ja sehr verschieden, und das kann ein Computer einfach nicht wissen. The Hype Machine dreht sich darum, was Menschen schreiben. Last.fm dreht sich darum, was Menschen hören. Das ergänzt sich ganz wunderbar.
ZEIT ONLINE: Die eigentlichen Entdeckungen machen aber die Musikblogs, die Ihre Seite auswertet und zusammenführt. Nach welchen Kriterien werden diese Blogs ausgesucht?
Volodkin: Man kann uns Blogs empfehlen. Wir nehmen sie auf, wenn sie einige technische und inhaltliche Voraussetzungen erfüllen: Passt das Weblog zu Hypemachine? Wir nehmen keine Blogs auf, die sich nur mit einer einzigen Band beschäftigen und schon gar keine, die aus PR-Gründen betrieben werden.
ZEIT ONLINE: Wie finanziert sich Ihr Projekt?
Volodkin: Einerseits durch Provisionen, die wir über die Links auf iTunes und Amazon erhalten: Wenn unsere Nutzer dort etwas kaufen, erhalten wir einen kleinen Anteil. Außerdem haben wir klassische Anzeigen auf unserer Seite. Aber es gibt keine externe Finanzierung. Das ist natürlich auch Teil unseres Images. Wir sind unabhängig. Was nicht heißt, dass wir an externer Finanzierung kein Interesse hätten. Aber sie müsste sehr gut zu uns passen. Wir haben keinerlei Druck, unsere Kosten sind überschaubar.
ZEIT ONLINE: Sie arbeiten derzeit einen Monat lang mit den anderen drei Mitarbeitern von The Hype Machine in Berlin. Eigentlich leben Sie aber in New York.
Volodkin: Wir haben zwar nicht genug Geld für ein Büro in New York. Aber wir dachten, wenn wir alle zusammenlegen, können wir von unseren Bonusmeilen nach Berlin fliegen und zusammen wohnen und arbeiten. Und genau das machen wir jetzt. Berlin ist eine tolle Stadt mit jeder Menge Musik, die man entdecken kann.
Das Gespräch führte Falk Lüke
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- Datum 31.08.2009 - 11:46 Uhr
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