Dresdner / Commerzbank"Der Kaufpreis tut weh"

Nach dem Kauf der Dresdner Bank durch die Commerzbank ist die Einkaufstour der Großbanken noch nicht vorbei, schätzt Professor Rolf Tilmes. Der 44-Jährige leitet das Private-Finance-Institut an der European Business School in Oestrich-Winkel. Ein Interview von 

ZEIT ONLINE: Die Commerzbank gibt 9,8 Milliarden Euro für die Dresdner Bank aus - ein angemessener Preis?

Rolf Tilmes: Betrachtet man die Kostensynergien, ist der Preis für die Commerzbank sicherlich angemessen. Aus Sicht der Allianz tut er schon weh: Sie hat einmal 23 Milliarden für die Dresdner Bank ausgegeben. Und dazu kommt der Risikoschirm: Das bedeutet, dass die Allianz mit 975 Millionen Euro und die Commerzbank mit 275 Millionen Euro bei weiteren Risiken geradestehen - das ist nicht zu verachten.

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ZEIT ONLINE: Was bedeutet der Deal für die deutsche Bankenlandschaft?

Tilmes: Die Konsolidierung wird jetzt weiter vorangetrieben. Commerzbank und Dresdner Bank verfügen nun zwar zusammen über zwölf Millionen Bankkunden. Das bedeutet aber noch nicht sehr viel, weil jeder Kunde Beziehungen zu drei bis vier verschiedenen Banken hat. Das neue Institut bringt in erster Linie mehr Wettbewerb. Neben den Privatkunden profitieren vor allem die Firmenkunden, denn beide Institute haben traditionell viele Geschäftskunden, für die sich nun ein leistungsfähiges Angebot ergibt. Und beide Banken werden sich jetzt auf das nationale Geschäft konzentrieren; die Zeiten, als man Global Player sein wollte, sind für sie vorbei.

ZEIT ONLINE: Muss die Deutsche Bank sich vor neuer Konkurrenz fürchten?

Tilmes: Zumindest bekommt sie einen ernst zu nehmenden Mitbewerber. Unter Zugzwang steht sie aber noch nicht. Allerdings wird sie sich sicherlich nach weiteren Zukäufen umschauen. Denn beide Banken - die neue Commerzbank und die Deutsche Bank - haben immer noch sehr überschaubare Marktanteile im Privatkundengeschäft. Gerade das Privatkundengeschäft schafft aber mit seinen stabilen Erträgen einen Ausgleich zum volatileren Kapitalmarktgeschäft - da ist ein hoher Marktanteil auch im Sinne der Kosteneffizienz sehr wichtig.

Leserkommentare
  1. Es hat weh getan, weil eine politische Entscheidung wegen des Gesichtsverlusts und auch wegen der Germany-Arroganz eine wirschaftliche Entscheidung ersatzt hat. Die Bänker und die Angestellter, die später mit Hartz IV leben müssen, dürfen den Schmerz später spüren. 
    Normalerweise kennt die Wirtschaft keine Moral. Diese politische Entscheidung hat doch die nationale Moral diesmal ausnahmesweise berücksichtigt. Allein diese Berücksichtigung kostet ca.10.000 Arbeitsplätze am Anfang der Fusion. Was kommt nach den 10.000, bleibt immer noch offen.

  2. was an den weltweiten Aufkäufen und Zusammenschlüssen von Firmen so wirklich toll sein soll !? Die Profitmaximierung für die Aktienbesitzer exclusive... Bis heute habe ich nicht wirklich von auch nur einem einzigen solcher Transaktionen igrendetwas positives für einen meiner Lebensbereiche erkennen können...Ich favorisiere nach wie vor das sich ein Aktienbasiertes Unternehmen selber anstrengen sollte um bessere Produkte und Dienstleistungen anzubieten, nur durch eigene Forschung und Innovationen, anstatt diese für immer höhere Mia. Beträge einzukaufen. Danach wird ja meist eh nur gespart auf Teufel komm raus und zwar auf dem Buckel der Angestellten und der Kunden. Es wurden schon eine ganze Menge hervorragender Firmen, Innovationen und Produkte auf diese Weise zerstört. Der Kauf der NCR durch die AT&T war so ein kläglicher Fall welcher die solide NCR in Grund und Boden wirtschaftete. Was mich besonders stört sind auch diverse Buchhaltunsgvorschriften welche wie, auch wieder ganz im Sinne der Aktionäre, z. Bsp. Liegenschaften die längst abgeschrieben sind zum Marktwert zu Bilanzieren anstatt die längst abgeschriebenen Kosten dem Unternehmen, den Angestellten und den Kunden zugute kommen zu lassen...Die Aktionäre sollen wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht werden und aufhöhren in ihren selber kontruierten Elfenbeintürmen zu hausieren, auf Kosten der Gesellschaft. Es darf nicht mehr alles aus dem Weg geräumt werden was die Megaprofite schmälert und die, meist erheblichen sozialen, Folgekosten  der Profitmaximierung der Allgemeinheit aufbürdet. Sollen nur mal alle warten was mit dem VW Konzern passiert sobald dieser von privaten Händen ganz im Sinne der Aktionäre zerfleddert wird.......“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara
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