ZEIT ONLINE: Die Commerzbank gibt 9,8 Milliarden Euro für die Dresdner Bank aus - ein angemessener Preis?

Rolf Tilmes: Betrachtet man die Kostensynergien, ist der Preis für die Commerzbank sicherlich angemessen. Aus Sicht der Allianz tut er schon weh: Sie hat einmal 23 Milliarden für die Dresdner Bank ausgegeben. Und dazu kommt der Risikoschirm: Das bedeutet, dass die Allianz mit 975 Millionen Euro und die Commerzbank mit 275 Millionen Euro bei weiteren Risiken geradestehen - das ist nicht zu verachten.

ZEIT ONLINE: Was bedeutet der Deal für die deutsche Bankenlandschaft?

Tilmes: Die Konsolidierung wird jetzt weiter vorangetrieben. Commerzbank und Dresdner Bank verfügen nun zwar zusammen über zwölf Millionen Bankkunden. Das bedeutet aber noch nicht sehr viel, weil jeder Kunde Beziehungen zu drei bis vier verschiedenen Banken hat. Das neue Institut bringt in erster Linie mehr Wettbewerb. Neben den Privatkunden profitieren vor allem die Firmenkunden, denn beide Institute haben traditionell viele Geschäftskunden, für die sich nun ein leistungsfähiges Angebot ergibt. Und beide Banken werden sich jetzt auf das nationale Geschäft konzentrieren; die Zeiten, als man Global Player sein wollte, sind für sie vorbei.

ZEIT ONLINE: Muss die Deutsche Bank sich vor neuer Konkurrenz fürchten?

Tilmes: Zumindest bekommt sie einen ernst zu nehmenden Mitbewerber. Unter Zugzwang steht sie aber noch nicht. Allerdings wird sie sich sicherlich nach weiteren Zukäufen umschauen. Denn beide Banken - die neue Commerzbank und die Deutsche Bank - haben immer noch sehr überschaubare Marktanteile im Privatkundengeschäft. Gerade das Privatkundengeschäft schafft aber mit seinen stabilen Erträgen einen Ausgleich zum volatileren Kapitalmarktgeschäft - da ist ein hoher Marktanteil auch im Sinne der Kosteneffizienz sehr wichtig.