Rassismus ist in den USA auch heute noch, genau 45 Jahre nach Martin Luther Kings " I have a Dream "-Rede, ein " No-No ", ein Thema, über das selbst unter Freunden nur zögerlich gesprochen und öffentlich sowieso nur unterschwellig diskutiert wird. Zu leicht kann man sich hier die Finger verbrennen. "Die Vergangenheit ist nicht tot und vergraben. Sie ist noch nicht einmal vergangen", erkannte Obama im Frühjahr angesichts der Kontroverse um seinen damaligen Pastor Jeremiah Wright.

Im Gegensatz zu früheren schwarzen Bewerbern um die Präsidentschaftskandidatur wie Jesse Jackson und Al Sharpton definiert sich Barack Obama nicht über seine Herkunft. Er gilt in den USA weitgehend als politisches und kulturelles Phänomen, dessen Hautfarbe zufällig schwarz ist. "Meine Identität mag mit den Umständen meiner Rasse begonnen haben", schreibt er in seiner Autobiografie Dreams from my Father . "Aber sie durfte dort nicht aufhören." Martin Luther Kings Traum, dass Kinder zukünftiger Generationen nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern aufgrund ihres Charakters beurteilt werden, ist mit Obama zumindest ansatzweise wahr geworden.

Obamas Erfahrungen als Sohn einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters lassen ihn relativ mühelos zwischen diesen beiden Welten navigieren. Einen "multi-nationalen Beigeschmack" bekommt er laut Stephen L. Carter, Buchautor und Rechts-Dozent an der Universität Yale, zudem durch seine Kindheit in Indonesien. Die Frage sei also nicht nur, ob Amerika für einen schwarzen Präsidenten bereit ist, sondern auch, ob die Bedeutung von Globalisierung wirklich verstanden werde.

Zumindest die demokratische Partei scheint darauf zu vertrauen. "Er ist ja nicht als Opferlamm in einem goldenen Jahr der Republikaner nominiert worden – im Gegenteil", argumentiert Carter in einer Online-Debatte der Washington Post. Auch wenn Umfragen Obama reelle Chancen auf die Präsidentschaft bescheinigen, zweifeln einige politische Beobachter die Zahlen an. Denn das stete Bemühen um "politische Korrektheit" ist längst zum Markenzeichen amerikanischer Kultur geworden.

"Nur wenige Wähler werden offen zugeben, dass sie wegen seiner Hautfarbe nicht für Obama stimmen", vermutet die Chicago Tribune . So sah zum Beispiel der erste schwarze Gouverneur der USA, Douglas Wilder, 1989 seinen Umfrage-Vorsprung von 15 Prozentpunkten in Virginia am Wahltag auf 6700 Stimmen zusammenschrumpfen. Aktuell wird die übliche Differenz für schwarze Kandidaten auf zwei bis fünf Prozent geschätzt. "Das ist nach wie vor ein Faktor, wenn auch ein abnehmender", so Wilder heute.