Von Hurrikan Gustav eines fulminanten Parteitagsauftakts beraubt, konnten die Republikaner am Dienstagabend endlich feiern. Aber außerhalb der Halle ging es nicht um McCain. Alles sprach von Sarah Palin. So war es auch am Mittwoch in den US-Medien: McCain musste sich den Platz mit seiner jungen Überraschungskandidatin aus Alaska teilen, und wohl nicht in dem Sinne, wie er es sich gewünscht hatte.

Zeitungen stocherten weiter in der Vergangenheit der 44-jährigen Gouverneurin herum, die zuletzt wegen der Schwangerschaft ihrer minderjährigen Tochter in die Schlagzeilen geraten war. Sie wurden fündig – oder glaubten es zumindest. Von finanziellen Wahlgeschenken an die erklärte Kämpferin gegen Korruption war etwa die Rede oder auch davon, dass sich Ehemann Todd in der Vergangenheit gleich zweimal einer Partei angeschlossen hatte, die für Alaskas Unabhängigkeit kämpft.

Mit jeder sogenannten Enthüllung stieg die Erwartung vor der Antrittsrede als Vizekandidatin, die Palin am Mittwochabend (Ortszeit) vor den Delegierten halten wollte. "Ihre Ansprache könnte der wichtigste Augenblick des gesamten Parteitags sein", zitierte die Zeitung Politico den unabhängigen Meinungsforscher Scott Rasmussen. "Wichtig nicht nur für sie, sondern für den gesamten Wahlkampf von McCain."

Auch viele der großen Tageszeitungen stellten fest, dass Sarah Palin eine Menge Fragen beantworten müsse: "Wer ist diese Frau wirklich?" McCains Wahlkampfmanager gewann dem ganzen Wirbel, den es wohl nur selten zuvor um einen Vizekandidaten gegeben hat, natürlich eine positive Seite ab. Er sprach von einer "guten Gelegenheit für Palin, ihre Geschichte zu erzählen" und zeigte sich optimistisch, "dass sie den Mediennebel, der sich um sie verbreitet hat, lüften kann".

Der alternde McCain verspricht sich einen Aufschwung für seinen Wahlkampf. Palin soll sich am Ende glaubwürdig als jene stramm Konservative, aber zugleich frisch-forsche Reformerin präsentieren.