Wenn eine Boulevard-Schlagzeile die Republikaner mindestens ebenso stark beschäftigt wie der Beginn ihres Parteitags, dann haben sie ein Problem, gibt selbst der rechtslastige TV-Sender Foxnews zu. "Babies, Lügen und Skandal" titelt am Freitag das US Weekly , ein wöchentliches Boulevardmagazin mit immerhin zwölf Millionen Lesern - samt einem Foto von Sarah Palin und ihrem vier Monate alten Sohn Trig. Und schon laufen die ersten Internetumfragen, ob Palin von der Nominierung zurücktreten solle. Die Reaktion liegt vorerst bei 50:50.

Zusätzlich zu der bereits bekannten Ethik-Untersuchung wegen eines möglicherweise aus persönlichen Gründen entlassenen Mitarbeiters kam in den vergangenen Tagen die Nachricht der Schwangerschaft ihrer 17-jährigen Tochter. Medienberichte über die Verhaftung ihres Mannes aufgrund von Alkohol am Steuer vor 22 Jahren, über Palins Versuche, 27 Millionen Dollar an Bundesgeldern für ihre weniger als 7000 Einwohner zählende Heimatstadt Wasilla locker zu machen, und darüber, dass sie erst vergangenes Jahr zum ersten Mal in ihrem Leben ins Ausland reiste, taten ihr Übriges. Eine Meldung der New York Times über die angebliche frühere Mitgliedschaft Palins in der nach territorialer Unabhängigkeit strebenden Alaska Independence Party wurde vom McCain-Lager heftig dementiert.

"Eine ganze Reihe Republikaner fragen sich jetzt sicher, was für Enthüllungen noch kommen mögen", so ABC-Kommentator George Stephanopoulos. Der Schaden ist unübersehbar: Plötzlich fallen McCains Beliebtheitswerte wieder. Das Meinungsforschungsinstitut Rasmussen vermeldet sechs Prozentpunkte weniger als zuvor, Gallup sogar acht. Und ein FoxNews-Blog weint McCain bereits mit dem Liedtext von Frank Sinatras "I did it my way" nach.

Der Parteitagsauftakt, den sich die Republikaner gewünscht hatten, ist dies sicher nicht. Immerhin ist es dem letztendlich glimpflich verlaufenen Tropensturm Gustav zu verdanken, dass Präsident Bush am Dienstag nur einen knapp zehnminütigen Gastauftritt bekam - per Videoschaltung aus dem Weißen Haus und noch vor der Live-Übertragung der großen Fernsehsender. Doch seine Popularität unter den Delegierten war offensichtlich.

"Wir leben in einer gefährlichen Welt", sagte Bush. "Wir brauchen einen Präsidenten, der die Lektion des 11. September 2001 versteht: Um Amerika zu schützen, müssen wir offensiv bleiben, Angriffe frühzeitig stoppen und nicht einfach abwarten, bis wir wieder getroffen werden." Der unabhängige, ehrliche und direkte McCain sei der richtige Mann für die Aufgabe.

Bushs kurze, engagierte Unterstützungsrede mit deutlicher physischer Distanz hätte nicht besser inszeniert sein können. Denn wie folgenschwer sein Vermächtnis für McCain sein kann, zeigt die jüngste CNN-Umfrage, nach der 50 Prozent aller Wähler Bushs und McCains politische Positionen nicht auseinanderhalten können. Nur 49 Prozent sehen einen Unterschied.