Steinmeier Von Tiflis nach Schmerwitz
Auf Sommertour durch Brandenburg sucht Außenminister Steinmeier den Kontakt zur Basis. Doch den Krisenherden der Welt kann er sich nicht entziehen – nicht dem Kaukasus, nicht der SPD und auch nicht der K-Frage
Frank-Walter Steinmeier telefoniert. Der Außenminister steht ein wenig Abseits unter hohen Obstbäumen im Garten von Gut Schmerwitz. Gerade noch hat er von der Bio-Wurst gekostet und mit den Gutsherren über die Geschichte dieser Landidylle geplaudert. Jetzt muss er wegen der Krise im Kaukasus dringend mit seinem norwegischen Amtskollegen sprechen. Also treten seine Beamten, die SPD-Genossen und auch die Journalisten ein paar Schritte zurück, warten viele Minuten lang. Dann geht die sommerliche Landpartie durch Brandenburg weiter und Frank-Walter Steinmeier strahlt, so wie er immer strahlt. Keine Krise der Welt, so scheint es, kann ihm die gute Laune verderben. Nicht Russland, nicht Afghanistan und auch nicht die Krise der SPD.
Sommerreisen gehören mittlerweile zum Pflichtprogramm von Spitzenpolitikern. Solange die Politik in den Ferien ist, nutzen sie die Gelegenheit, dem zähen politischen Alltag den Rücken zuzukehren und die Wähler zu besuchen. Das gibt nette Geschichten und schöne Bilder: Steinmeier mit Kindern, Steinmeier mit Feuerwehleuten, Steinmeier auf einem Bio-Bauernhof, Steinmeier in der Skate-Arena. Die Kanzlerin macht es, der SPD-Vorsitzende und auch alle Minister, die noch etwas werden wollen.
Ob Steinmeier noch etwas Höheres werden will und vor allem werden kann , darüber wird in Berlin seit Monaten munter spekuliert. Die Gerüchteküche brodelt. Aber sogar seine engsten Mitarbeiter beteuern, sie wüssten nicht, ob in Sachen Kanzlerkandidatur mittlerweile eine Vorentscheidung zwischen SPD-Chef Kurt Beck und seinem Stellvertreter gefallen sei oder ob es zumindest Absprachen zum Verfahren gebe.
Trotzdem oder gerade deshalb ist die Reise auch ein Schaulaufen des möglichen Kanzlerkandidaten Steinmeier. Beck war vorletzte Woche unterwegs, in diesen Tagen tourt der innerparteiliche Konkurrent.
Dies ist Steinmeiers zweite Sommerreise, und wieder führt sie ins Berliner Umland. Denn hier sucht der Vizekanzler und Vize-SPD-Vorsitzende nach seiner parteipolitischen Heimat. Im Wahlkreis Brandenburg/ Potsdam-Mittelmark/ Havelland/ Teltow-Fläming will er im kommenden Jahr erstmals für den Bundestag kandidieren.
Doch in diesem Jahr ist es für ihn sehr viel schwieriger, den Alltag hinter sich zu lassen. Nein, Urlaub sei das nicht, sagt Steinmeier, sondern „auch ein bisschen Arbeit“. Es ist sogar eine ganze Menge. Der Konflikt mit Russland erfordert auch an diesem Tag reichlich diplomatische Aktivitäten. In Afghanistan stirbt ein deutscher Soldat bei einem Anschlag, also muss der Außenminister via Fernsehkamera kondolieren. „Es wird Ihnen kein Geheimnis sein, dass ich mir diese Sommerreise unter anderen Umständen gewünscht hätte“, räumt er vor mitreisenden Journalisten ein. Er spricht, wie immer etwas hölzern, von den „Rahmenbedingungen, unter denen wir arbeiten“, und klagt ein weinig darüber, dass er „nicht mit freiem Kopf“ unterwegs sei.
Die großen Konfliktherde der Welt verliert der Außenminister Steinmeier auch an einem solchen Tag nicht aus dem Blick. Um eine Krise allerdings macht der SPD-Politiker Steinmeier einen großen Bogen: um die Krise seiner Partei.
- Datum 31.01.2009 - 12:23 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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