Der Parteitag der Republikaner ist eröffnet – ohne George W. Bush. Und viele politische Blogger sind sich laut einer Umfrage des Politikmagazins National Journal einig: Besser hätte es für John McCain nicht kommen können.

Schon seit Monaten haben der amerikanische Präsident und McCain nach Berichten des New York Times Magazine nicht mehr miteinander gesprochen. Die erbitterten Rivalen aus dem Vorwahlkampf 2000, die sich bis heute nicht wirklich versöhnen konnten, wären sich demnach auch auf einem plangemäß verlaufenen Parteitag nicht begegnet.

Auf dem Parteitag ist McCain ein politischer Spagat vorerst erspart geblieben. Einerseits gilt es, auf die Konservativen der eigenen Basis Rücksicht zu nehmen. Andererseits muss er auch für Moderate attraktiv genug bleiben, um im November die notwendigen Wählerstimmen zu gewinnen. So wie Bush: Die Parteibasis schätzt ihn – doch für die amerikanische Öffentlichkeit ist er der schlechteste Präsident seit 70 Jahren.

"Die einzige Hilfe, die Präsident Bush McCain möglicherweise hätte leisten können, ist die Parteibasis einzuschwören", bilanziert Rich Lowry auf RealClearPolitics . "Doch das ist unnötig geworden, seit McCain Sarah Palin auswählte, die augenblicklich eine konservative Volksheldin wurde. Das Letzte, was McCain jetzt gebrauchen kann, sind öffentlichkeitswirksame Empfehlungen von Präsident Bush."

Die überraschende Nominierung von Sarah Palin, der Gouverneurin Alaskas, zur Vizepräsidentschaftskandidatin hatte tatsächlich unter Konservativen für Begeisterung gesorgt. "Sie ist perfekt", schrieb etwa Richard Viguerie kurz nach der Bekanntgabe der Nachricht am Freitag. Zuletzt hatte der konservative Aktivist in einem offenen Brief an McCain noch gewarnt, er dürfe die Basis mit seiner Vizekandidaten-Nominierung nicht verprellen. Nun, lobte Viguerie, habe der von ihm in Sachen Immigration, Folter und Bürokratieabbau als zu moderat empfundene McCain sich entschieden, sein Ticket "mit einer prinzipientreuen Konservativen auszubalancieren". Viguerie scheint allerdings mit seiner Begeisterung nicht allein zu sein: Im Laufe des Wochenendes sollen 10 Millionen Dollar an Spendengeldern in die Kassen der Republikaner geflossen sein.

Kaum ließ am Montag das Bedrohungspotenzial von Hurrikan Gustav nach, entbrannte in den Medien und Blogs jedoch eine leidenschaftliche Diskussion um Sarah Palin. Die Vize-Kandidatin hatte sich vor einigen Jahren gegen Sexualkunde in öffentlichen Schulen ausgesprochen. Nun musste sie die Gerüchte um die Schwangerschaft ihrer 17-jährigen Tochter bestätigen.