Noch ist das letzte Wort über das Ausmaß der materiellen Schäden in New Orleans nicht gesprochen, da gab sich George W. Bush am Montag zufrieden. "Die Koordination bezüglich dieses Wirbelsturms ist deutlich besser als ... als zu Zeiten Katrinas", sagte der US-Präsident. Er zögerte deutlich, die Naturkatastrophe, die seinem Ansehen unheilbaren Schaden zufügte, überhaupt beim Namen zu nennen.

Erleichtert und optimistisch posierte er in Texas für Fotografen. Gustav traf 110 Kilometer südwestlich von New Orleans als Wirbelsturm der Kategorie zwei – eine Stufe unter der katastrophalen Katrina vor drei Jahren – auf die amerikanische Küste. Seitdem hat er sich weiter abgeschwächt. Dennoch schwappten viele Wellen über die Dämme. "Derzeit sind wir mit unseren Pumpen Herr der Lage", sagt Don Riley, stellvertretender Kommandeur des Army Corps of Engineers. Unzählige Häuser wurden abgedeckt, Bäume entwurzelt und Straßen überflutet. Mehr als eine Million Bewohner der Region mussten ohne Strom auskommen. Vor Dienstagabend wird allerdings das volle Ausmaß der Schäden kaum ersichtlich sein.

Poster mit dem seit Langem geplanten Slogan "Country First" bepflastern die Parteitags-Halle der Republikaner in St-Paul. Und plötzlich bekommt ein abstraktes politisches Motto realen Bezug: "Solch ein Ereignis erinnert uns daran, dass wir alle Amerikaner sind, und dass unsere gemeinsamen amerikanischen Ideale immer alle Parteilichkeiten überwinden werden", betonte First Lady Laura Bush vor Delegierten. Das gesamte geplante politische Programm des Parteitags fiel am Montag dem Wirbelsturm zum Opfer. Nur Laura Bush und Cindy McCain, sowie per Video vier republikanische Gouverneure, appellierten unter heftigem Beifall an Solidarität mit Betroffenen.

Für die verbliebenen Delegierten war Sightseeing angesagt. Und bei der Parteiführung machte sich trotz des Verlustes wertvoller, ungeteilter Medienaufmerksamkeit Erleichterung breit. "Jetzt können die Republikaner das Kompetenz-Problem Katrinas wieder gut machen", zitiert der TV-Sender CBS einen ungenannten Parteitagsplaner. "McCain gibt die Handlungsstrategie vor, und Bush ist irrelevant."

Sorgenfrei war die Parteitagsplanung von vornherein nicht gewesen: John McCain stand vor der schwierigen Aufgabe, das Profil von George Bush und Dick Cheney sowie die innerparteiliche Unzufriedenheit mit der Kandidatur eines selbsterklärten Außenseiters so niedrig wie möglich zu halten. "Es wäre schlimm gewesen, wenn Medien wieder ausgegraben hätten, wie George Bush McCain vor drei Jahren einen Geburtstagskuchen präsentierte, während Katrina New Orleans verwüstete", schrieb die New York Times . Stattdessen bot sich nun die Gelegenheit, ein negatives Image mit karitativen Worten und Taten zu kontern.

Zwar verbreitete sich auch die Nachricht über etwa 10 000 Anti-Kriegs-Protestler vor dem Parteitagsgebäude, die zum Teil Fenster einschlugen und Reifen parkender Autos zerschnitten. Doch eine eher private Ankündigung schlug wie eine Bombe ein: McCains Vize-Kandidatin Sarah Palin musste die Schwangerschaft ihrer 17-jährigen Tochter bestätigen. McCain hatte nach eigener Aussage vor seiner Entscheidung für Palin von der Schwangerschaft gewusst: "Familien haben eben manchmal Schwierigkeiten", so ein Berater McCains. Die 17-Jährige hat sich nach Information der Eltern entschieden, das Baby auszutragen und den Vater zu heiraten, was sofort von mehreren religiösen Meinungsführern gelobt wurde.