Als Marcus Tullius Cicero beschloss, zum größten Rhetor des Römischen Reiches aufzusteigen, war der junge Anwalt bereit, seinen Körper ebenso zu quälen wie seinen Geist. Bis spät in die Nacht feilte er an seinen Vorträgen, im Morgengrauen begann er seine Leibesübungen. Mittags trabte er, Übungspassagen rezitierend, steile Hügel hinauf.

Am Meeresufer brüllte Cicero, der anfangs schmächtige Denker, gegen das Donnern der Brandung an. Denn sein Lehrer war der Meinung, dies komme der Situation im Senat, wo man gegen das Hintergrundgeräusch schwatzender Senatoren anredete, am nächsten. Oder der Situation im Wahlkampf, wo man vor dreitausend Römern unter freiem Himmel bestehen musste.

Vielleicht ist das Problem der amerikanischen Demokraten, dass sie Mikrofone zur Verfügung haben. Seit Jahrzehnten nun schon sind sie gewohnt, ebenso wie die Republikaner, ihre Argumente elektronisch verstärkt zu bekommen, was offenbar die Argumentationslust abstumpfen, aber auch die Rhetorik verkümmern lässt.

Während des Parteitags in Denver konnte man live erleben, wie die Perfektionierung der Show den Verfall der Politik begleitet. Hätte solchen Mikrofonmenschen auf dem Forum von Rom irgendwer Gehör geschenkt?

Mark Warner zum Beispiel, der geschniegelte Gouverneur von Virginia, wie er ins Rampenlicht tritt: Sein nachtblauer Anzug passt natürlich perfekt zum himmelblauen Leuchten der Bühne, seine gebleckten Zähne blitzen dank zielgenauer Spots wirkungsvoll auf, sein festgesprayter Seitenscheitel überdacht das gleichmäßig solariumgebräunte Gesicht eines schlanken Frauenschwarms.

Aber es ist keine kräftige Schlankheit, wie man sie beim Erklimmen römischer Hügel freiwillig erwirbt, sondern eine Wahlkampffigur wie nach langen Bürotagen auf dem Hometrainer erzwungen.