Obama-Rede Tanzmeister oder wahrer Demokrat?

Der Wahlparteitag der US-Demokraten ist eine perfekte Show - und zeugt vom Verfall der Politik. Heute Abend muss Barack Obama beweisen, dass er eine echte Mission hat

Michelle Obama und ihre beiden Töchter Sasha und Malia auf dem Parteitag der Demokraten in Denver. Per Videoschirm zugeschaltet: Ehemann und Präsidentschaftskandidat Barack Obama

Michelle Obama und ihre beiden Töchter Sasha und Malia auf dem Parteitag der Demokraten in Denver. Per Videoschirm zugeschaltet: Ehemann und Präsidentschaftskandidat Barack Obama

Als Marcus Tullius Cicero beschloss, zum größten Rhetor des Römischen Reiches aufzusteigen, war der junge Anwalt bereit, seinen Körper ebenso zu quälen wie seinen Geist. Bis spät in die Nacht feilte er an seinen Vorträgen, im Morgengrauen begann er seine Leibesübungen. Mittags trabte er, Übungspassagen rezitierend, steile Hügel hinauf.

Am Meeresufer brüllte Cicero, der anfangs schmächtige Denker, gegen das Donnern der Brandung an. Denn sein Lehrer war der Meinung, dies komme der Situation im Senat, wo man gegen das Hintergrundgeräusch schwatzender Senatoren anredete, am nächsten. Oder der Situation im Wahlkampf, wo man vor dreitausend Römern unter freiem Himmel bestehen musste.

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Vielleicht ist das Problem der amerikanischen Demokraten, dass sie Mikrofone zur Verfügung haben. Seit Jahrzehnten nun schon sind sie gewohnt, ebenso wie die Republikaner, ihre Argumente elektronisch verstärkt zu bekommen, was offenbar die Argumentationslust abstumpfen, aber auch die Rhetorik verkümmern lässt.

Während des Parteitags in Denver konnte man live erleben, wie die Perfektionierung der Show den Verfall der Politik begleitet. Hätte solchen Mikrofonmenschen auf dem Forum von Rom irgendwer Gehör geschenkt?

Mark Warner zum Beispiel, der geschniegelte Gouverneur von Virginia, wie er ins Rampenlicht tritt: Sein nachtblauer Anzug passt natürlich perfekt zum himmelblauen Leuchten der Bühne, seine gebleckten Zähne blitzen dank zielgenauer Spots wirkungsvoll auf, sein festgesprayter Seitenscheitel überdacht das gleichmäßig solariumgebräunte Gesicht eines schlanken Frauenschwarms.

Aber es ist keine kräftige Schlankheit, wie man sie beim Erklimmen römischer Hügel freiwillig erwirbt, sondern eine Wahlkampffigur wie nach langen Bürotagen auf dem Hometrainer erzwungen.

Leser-Kommentare
  1. Entschuldigung, aber die Vergleiche sind an den Haaren herbei gezogen. Um Kritk an der Show und Zweifel an Obamas Kompetenz zu üben, muss man kaum Cicero bemühen.

  2. Sagen Sie mal, Frau Finger, Ihnen gehen wohl die Themen aus? Oder sollte das witzig sein?(Anmerkung: Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk)

    • Ranjit
    • 28.08.2008 um 18:38 Uhr

    Ein Artikel, der ein wichtiges Thema anschneidet, dem wir uns auch in Deutschland stellen müssten. Aber die Vergleiche mit Cicero wirken völlig fehl am Platz. Der Artikel klingt wie der Versuch eines Lateinlehrers mit Hilfe der Weltpolitik etwas Interesse an seinem Fach zu entfachen. Als Leser stellt man sich nach der Lektüre dieses Textes einfach nur die Frage was das sollte.

  3. Dass eine politische Veranstaltung inszeniert wird, die hauptsächlich gut aussehen will und mit visuellen Mitteln Eindruck machen will, ist natürlich schlimm. Aber warum werden hier auch Ciceros Äußerlichkeiten als Maßstab gesetzt. Der Text macht sich genau der Angelegenheit schuldig, die er anprangern will.  

    • CCWW
    • 28.08.2008 um 19:06 Uhr

    ..ihr gings drum Ihre fern-psycho-analytischen Thesen zu exponieren. Das leider -besonders in den USA- alle (Obama noch am wenigsten) Politiker, geradezu "Dauer"-Luegen ist aber keinen Artikel wert. Das konnte ich (und wohl 95% der weiteren Leser hier) bereits mit 17 erkennen.Denselben Artikel kann man ueber JEDE politische convention schreiben. 1:1, halt mit andren Namen, und vielleicht andren Koerperteilen  ("Doch die -Fuesse- wissen, dass man sich abgehen und trotzdem blasenfrei sein kann").Mit Sicherheit kann man einen noch wesentlich "aufdeckenderen" Artikel ueber die Rep-Conventions schreiben...Cheers!

  4. ...und sonst wenig erwähnenswertes. Schließe mich den Vorpostern an.

    • Anonym
    • 28.08.2008 um 20:01 Uhr

    und was ist, wenn er beides nicht wäre?

  5. Frau Finger entgeht der Sinn des Ganzen.  Die Demokraten-Parteitage haben eine hundertjährige Tradition.  Sogar Hitler hat sie kopiert.  Selbstverständlich stand der Vorwahlausgang bereits fest, doch ist es wichtig, den Delegierten aus den 50 weitverzweigten Staaten von Hawaii bis Porto Rico, von Guam bis Alaska, alle vier Jahre eine Gelegenheit zu bieten, die Besonderheiten, Trachten, Musik und Bräuche ihrer Gegenden zu präsentieren. Zudem haben die Parteitag natürlich eine geschäftliche Seite, die das Publikum nicht im TV zu sehen bekommt.  Hier werden die Vorbereitungen für die Novemberwahl getroffen, es gibt zahllose Schulungsvorträge und organisatorische Versammlungen wie auf jedem anderen professionellen Kongress.

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