Bayernwahl CSU mobilisiert letzte Kräfte
Nach einer aktuellen Umfrage droht den Christsozialen bei der Wahl Ende Septermber der Verlust der absoluten Mehrheit. Eine Wahlkampf-Schlussoffensive auch in kleinsten Orten soll das verhindern
CSU-Chef Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein kündigten in München für die letzten Wahlkampfwochen einen massiven Einsatz an. "Wir werben um die Stimme eines jeden Bürgers, wie wir es noch nie gemacht haben", sagte Huber. Es werde in der Endphase auch in kleinsten Orten Wahlversammlungen der CSU geben.
Wahlziel bleibt für Huber und Beckstein erneut eine absolute Mehrheit von klar über 50 Prozent. An die möglichen Konsequenzen bei einem schlechteren Ergebnis verschwende er keinen Gedanken, sagte Beckstein, – weil er "absolut sicher" sei, die Marke zu erreichen.
"Es gibt in den Schubladen der CSU keinen Plan B, weil wir ihn nicht brauchen", sagte auch Huber. Mit Blick auf innerparteiliche Kritiker bemerkte er: Wenn einzelne in der CSU einen solchen Plan haben sollten, "dann werden sie auf die Nase fallen".
Die CSU will jetzt vor allem ihre bundespolitische Bedeutung als eigenständige Regierungspartei in der großen Koalition in Berlin herausstellen. Mit ihrem Steuerkonzept habe die CSU im Mai als erste Partei massiv Druck für Entlastungen gemacht, sagte Huber.
Sollte die CSU am 28. September erstmals seit 1966 unter 50 Prozent landen, wird ein Jahr nach dem Rücktritt von Edmund Stoiber als Regierungs- und Parteichef eine neue heftige Führungsdiskussion erwartet. Stoiber hatte 2003 mit gut 60 Prozent noch eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Landtag errungen, war dann aber im vorigen Jahr zum Rückzug gedrängt worden.
In einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage, die vom Privatsender Sat. 1 in Auftrag gegeben worden war, liegt die CSU zweieinhalb Wochen vor der Wahl nur noch bei 49 Prozent der Stimmen. Sie könnte damit zwar wahrscheinlich weiter allein regieren, doch würde die für Christsoziale magische Grenze verfehlt, die bislang die Sonderstellung der Partei auch auf Bundesebene garantierte.
Die SPD dümpelt in der Umfrage mit 19 Prozent auf dem bereits vor fünf Jahren erreichten Tiefstand. Die Grünen kämen auf elf Prozent, die FDP wäre mit sieben Prozent erstmals seit 14 Jahren wieder im Münchner Landtag. Die Freien Wähler mit fünf Prozent und die Linkspartei mit vier Prozent haben dagegen den Einzug nicht sicher.
- Datum 10.09.2008 - 15:39 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, reuters
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