Digitalisierung Googles umstrittenes ZeitungsarchivSeite 2/2

Eine Enteignung der Autoren?

Weniger versöhnlich fiel die Resonanz auf Googles News Archive hierzulande aus. Harsche Kritik gab es insbesondere von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung . Das Projekt sei ein weiterer Schritt auf Googles Weg zum „Monopolisten des Weltwissens und der Bewusstseinsindustrie“, befand FAZ -Autor Michael Hanfeld in der gestrigen Ausgabe der FAZ . Das Archiv stellt in seinen Augen eine Enteignung von Autoren dar. Google sei nichts anderes als ein Raubkopierer, der letztendlich zum Tod der Zeitungskultur beitrage.

Hanfeld vergaß jedoch in seinem Artikel zu erwähnen, dass die kommerzielle Ausschlachtung der Zeitungsarchive alles andere als neu ist. Im deutschsprachigen Raum wird das Geschäft mit den Nachrichten von gestern bisher vom kostenpflichtigen Datenbank-Anbieter GBI-Genios dominiert. Genios gehört zu gleichen Teilen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Verlagsgruppe Handelsblatt.

Vorwürfe des Raubrittertums gab es in der Vergangenheit auch gegen Genios und die daran beteiligten Verlage. Journalistische Berufsverbände werfen Zeitungsverlagen bereits seit Jahren vor, ihre Autoren nicht an den mit Genios erwirtschafteten Einkünften zu beteiligen. Partner von Google News Archive werden sich sicher in Zukunft ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt sehen.

Gebühren oder Werbung?

Für Zeitungsverlage reduziert sich die Kontroverse um Google News Achive letztlich auf die Frage, ob Archive werbefinanziert oder gegen Bargeld verfügbar gemacht werden. Google schaltet neben den archivierten Zeitungsausgaben Text-Anzeigen, an denen man die Verlage mit ein paar Cent pro Klick beteiligt.

Anbieter wie Genios versprechen Verlegern Bargeld pro Artikel-Abruf, sorgen damit jedoch für eine deutlich höhere Zugriffs-Schwelle. Wer bis zu vier Euro für einen einzelnen Artikel bezahlen muss, klickt sich nicht mal eben von vorn bis hinten durch eine zehn Jahre alte Zeitung. Genios war für eine Stellungnahme zu der neuen Konkurrenz aus den USA nicht zu erreichen.

Unter US-amerikanischen Verlegern scheint sich indes die Einsicht durchzusetzen, dass offene Archive mit Werbung langfristig ertragreicher sind. So begann die New York Times vor einem Jahr damit, wesentliche Teile ihres Archivs kostenlos ins Netz zu stellen.

Die Times hatte ihr Archiv zuvor nur Abonnenten zugänglich gemacht. Dies brachte dem Verlag zwar 10 Millionen Dollar pro Jahr ein, doch die Zahl der Zugriffe auf die Times -Website stieg in den Monaten nach der Einstellung des kostenpflichtigen Abos um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 12.09.2008 um 14:39 Uhr

    durchsetzen, stünde allerdings die ehemals goldene Tradition, die Blattkultur, am Schafott. Aber die Entwicklung ist bekanntlich nicht aufzuhalten, besonders dann nicht, wenn es um die bedeutendste Mathematik, die Arithmetik des Geldes, geht. Die letztgenannte Revolutinärrin walzt alles und jeden stets mit großer Beharrlichkeit brav nieder.

  1. Wer es besser machen kann als Google, der sollte es tun. Mit CHROME hat Google einen Überraschungssieg hingelegt. Trotz aller Bedenken, die ins Feld geführt worden sind, hat sich bei mit CHROME durchgesetzt und FIREFOX fast abgelöst. Der neue Browser spart enorm viel Zeit und erlaubt neue Freiheiten.

    So sieht es auch mit dem nächsten Projekt aus, das Zeitungsarchiv der ganzen Welt zu digitalieren. Angst haben muß nur der Große Bruder selber, da sich nunmehr im "Wahrheitsministerium" die Zeitung von gestern und vorgestern nicht mehr jeden Tag neu umschreiben läßt - ein Gräuel für alle Despoten.

    Fakt ist, daß durch Internetrecherche zum Beispiel digitale Diplom- oder Magisterarbeiten von Universitäten und andere Quellen binnen Sekunden verfügbar geworden sind, wo in "goldenen, alten Zeiten" nicht selten ein halbes Jahr oder mehr verplempert werden mußte.

    Teilweise wußte auch kaum jemand von der Existenz relevanter Quellen - einfach aus dem Grunde, weil niemand bezahlt werden konnte, um sie zu digitalisieren.

    Das Ende der Blattkultur ist damit keinesfalls angebrochen. Es wird mehr gedruckt als je zuvor. Auch Bücher, Zeitschriften und Zeitungen.

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