Gymnasium Reiche Schüler, arme SchülerSeite 2/2

Naradee ist eine von insgesamt 200 deutschen Schülern, die dieses Jahr ein Stipendium für den "Studienkompass" bekommen haben, eine Initiative, die unter anderem von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und der Deutschen Bank gefördert wird. Sie will Schülern aus nicht akademischen Elternhäusern bei der Studienorientierung helfen. Vermittelt werden Praktika, Exkursionen zu Firmen und Universitäten, Gespräche mit Dozenten und Managern, Trainings und Workshops. Denn noch immer ist es so, dass sich Schüler wie Naradee oft trotz guter Noten gegen ein Studium entscheiden, weil es ihnen zu teuer ist oder auch, weil sie gar nicht wissen, was sie beruflich eigentlich wollen.

Die sozialen Unterschiede machen sich auch im Sportunterricht bemerkbar. Studienrat Christian Polenthon, 61, hat immer häufiger Fünftklässler, die nicht schwimmen können. "Letztes Jahr waren acht Nichtschwimmer unter 60 Schülern. Das hat man seit Jahrzehnten nicht mehr gehabt, das ist ein richtiger Einbruch." Zwei muslimische Mädchen durften nur mit Ganzkörperbadeanzug am Unterricht teilnehmen. Der private Schwimmbadbetreiber lehnte das zunächst ab, doch nachdem sich der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma für die beiden Mädchen eingesetzt hatte, durften sie doch noch. Eine muslimische Schülerin, die als Drittbeste die Abschlussprüfung in der 10. Klasse absolviert hatte, musste letztes Jahr abgehen: Die Eltern wollten nicht, dass sie weiter zur Schule ging.

Am Theophanu-Gymnasium kündigen weder Gong noch Klingel das Ende des Unterrichts an. Zu anstaltsmäßig, fanden die Lehrer und schafften es ab. Auch Robert Karsdorf macht sich auf den Heimweg. Der 18-Jährige, ebenfalls ein Teilnehmer des "Studienkompasses", hat im August sein letztes Schuljahr begonnen, er macht im Frühling Abitur. "Gemischte Gefühle" hat er dabei. Auch er ist nicht sicher, was er danach machen will, er schwankt zwischen so unterschiedlichen Fächern wie Germanistik und Werkstoffwissenschaften. Er hofft, dass jetzt trotz aller Schwierigkeiten die beste Zeit im Leben kommt: der kurze Abschnitt, in dem noch alles offen, alles möglich ist.

(Christoph Driesen/dpa)

 
Leser-Kommentare
    • Isaidy
    • 05.09.2008 um 11:38 Uhr

    traurig, dass es anscheinend erwähnenswert ist, dass an irgendEINEM deutschen Gymnasium Schüler unterschiedlicher sozialer Herkunft gemeinsam lernen. Sollte das nicht der Regelfall sein? Intelligenz an sich ist nicht von sozialer Herkunft abhängig, das Potential jedes einzelnen Schülers muss nur erkannt und gefördert werden, sein Umfeld berücksichtigt werden. Dem konservativen Gesichtspunkt des an der Diskussion im Artikel teilnehmenden Schülers kann nur bedingt zugestimmt werden. Es stimmt sicher ab einem gewissen Alter, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist, nur dieses Alter muss zunächst einmal erreicht werden und bis das geschieht, hat unser Schulsystem die 10jährigen schon längst getrennt und aufgrund mangelnder häuslicher Förderung ggf. nach unten aussortiert. Ihr Potential bleibt nur allzu häufig auf der Strecke, wird nicht erkannt. An den ihnen meist zugedachten Hauptschulen werden sie in allen Fächern auf niedrigerem Niveau unterrichtet ohne großartige Aussicht auf eine berufliche Zukunft. Die Motivation, der Anreiz bleibt auf der Strecke. Der zweite Bildungsweg danach ist zwar möglich, setzt aber ungleich mehr Disziplin und Ehrgeiz voraus. Die im Artikel erwähnten Jugendlichen haben Glück, dass ihr Potential von aufmerksamen Grundschulpädagogen erkannt wurde, selbstverständlich ist das bei weitem nicht. Wird dann auf ihre Bedürfnisse z.B. in Form von optionalem Nachmittagsunterricht oder Hausaufgabenhilfe eingegangen und wird berücksichtigt, dass sie auf einen "Nebenjob" angewiesen sind, dann ist das auf jeden Fall der richtige Weg zu einem Ziel, das schon längst deutscher Schulalltag sein sollte. Deutschland kann es sich mitnichten leisten, Intelligenzpotential zu verschwenden, aber von der individuellen Förderung und der Berücksichtigung des häuslichen Umfeldes eines Schülers sind wir an deutschen Schulen noch weit entfernt, nicht zuletzt aufgrund der frühen Trennung mit Auswahlkritierien, die den Folgeschulen vielleicht gerecht werden, aber in vielen Fällen nicht den Begabungen der einzelnen Schüler.

  1. Zuwandererkinder stellen sich auf einen konservativen Standpunkt: "Jeder ist seines Glückes Schmied". Wer was anderes sagt, ist ein Kommunist. Aha !Wo bekommt die Zeit bloß immer diese Trantüten her über die sie in den Artikel berichten. Man muss sich schon wundern, woher die deutschen Zeitungen immer ihre Migrantenkids herhaben. Es gibt die FAZ-Migrantenkids, Bild-Migrantenkids, Spiegel-Migrantenkids, Zeit-Migrantenkids, Welt-Migrantenkids. Es wäre sicherlich sehr unterhaltsam, sie alle einmal zu versammeln.Sicherlich gibt es die Zuwanderereltern mit der Meinung, dass die Kinder in der deutschen Schule zu wenig lernen. Wenn sie das deutsche Schulsystem mit den Ganztagsschulen in anderen Staaten vergleichen, dann haben sie auch irgendwo recht. Und sicherlich gibt es auch die Zuwandererkinder, die ihre Klassenkameraden nieder konkurrieren wollen. Bloß ist das eben kein Weg, Chancengleichheit für alle zu gewährleisten, wenn wir strukturelle Probleme der deutschen Schule damit lösen wollen, wenn wir sie ins Individuum verlegen.Da ich es schon wieder voraussehen kann, dass der Einwand kommt, dass die Zuwanderer in Deutschland eben nicht aus Asien oder Rußland kommen und deswegen die Bildungserfolge anderer Einwandererländer besser sind, weil sie eben asiatische und russische Einwanderer haben.Ich gebe da zu bedenken, dass sich die angelsächsischen Staaten sehr bewußt sind, dass allein mit ihrem eigenen Nachwuchs nicht konkurrenzfähiger werden können. Deswegen werden Gelder in die Abwerbung von eben diesen asiatischen und russischen Studenten und Fachkräften eingesetzt. Alle Industriestaaten haben demographische Probleme, alle sind im Wettbewerb um die besten Köpfe. Diese Strategie erlaubt es zum einen Schwellenländer um ihre Bildungsinvestitionen zu berauben, zum anderen hält es sie schwach, weil man ohne Fachkräfte keine innovativen Produkte entwicklen kann, um die Preise zu setzen anstatt sie immer zu unterbieten.So wird z.B. Russland und China demografisch ausgeweidet. Dagegen werden nationalistische Erziehungsprogramme und Medienprogramme im Einwanderungsland gefahren, um der Westorientierung der Mittelschichten entgegenzuwirken.Letzens Endes müssen diese Fachkräfte für teures Geld und Vergünstigungen bei Steuern und Pöstchen hier, Pöstchen da zurück gewonnen werden. Mit romatischer Entwicklungshilfe und Vökerverständigung hat das wenig zu tun.Man muss sich über die hohe Ausstrahlungskraft angelsächsischer Kultur und Lebensweise klar werden, dass diese begehrten Fachkräfte hochmobil sind und sich in Deutschland nicht an die Scholle binden lassen.Vergleichbare Zusammenhänge lassen sich auch feststellen zwischen den deutschsprachigen Staaten. So saugt die Schweiz und Österreich systematisch deutsche Fachkräfte ab, und zieht so unsere Bildungsinvestitionen ab. Da die Kinderzahl dr Schweizer noch niedriger liegt als in Deutschland wird auch nie etwas zurückkommen. Vernunft ist das Gift des Lebens für die Konservativen. Für den gesunden Menschenverstand ist es ein Pestizid gegen Gesinnungstaten.

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    • Medley
    • 05.09.2008 um 23:00 Uhr

    So so, der eigene Wille soll also keine wichtige Motivation sein um sein persönliches Glück zu schmieden?! Was dann aber sonst? Alternativen bitte!
    Ok, Prinzessin Diana zB. hatte als Kind gewiss auch noch die nötige Lust auf's lernen gehabt und den sozialen Background und das massige Geld ihrer Eltern dazu, aber trotzalledem hatte sie für diese Oberschichtkreise, dehrer sie zugehörte, einen nur mehr als hochnotpeinlich empfundenen Hauptschulabschluß geschafft und dann anschließend perspektivlos als ungelernte Kindergärtnerin in Londoner Kitas gejobt, tja, bis halt ihr edler Prinz mit den großen Ohren linkisch in ihr Leben stolperte. Das geschenkte Glück von Begabungen, wie ua. die Intelligenz gehört also auch dazu, aber ohne die eigene Entscheidung, das Potential, was in einem steckt, konsequent rauszuholen -und wenn's auch nur ein einigermaßen gescheiterter Schulabschluß ist- geht's halt eben auch nicht. 
    "So wird z.B. Russland und China demografisch ausgeweidet."
    Ahja. Und warum "weiden" dann die "angelsächsischen Länder" gerade Russland und China und nicht etwa die Türkei aus? Vielleicht liegt es insofern nicht nur an der angeblichen, dumpf gemutmaßten "Chancenungleichheit/-benachteiligung", dass gewisse MigrantInnengruppen bei uns einfach nicht aus den Startlöchern kommen können/wollen? Die "Angelsachsen" ahnen es offensichtlich ja auch und halten sich daher, wie du es ja selbst intonierst, bei gewissen Ländern wohl ziemlich distinguiert zurück. 
    Vernunft ist das Gift im Leben eines jeden ideologischen Scheuklappenträgers, egal ob nun Links oder Konservativ.

    • Medley
    • 05.09.2008 um 23:00 Uhr

    So so, der eigene Wille soll also keine wichtige Motivation sein um sein persönliches Glück zu schmieden?! Was dann aber sonst? Alternativen bitte!
    Ok, Prinzessin Diana zB. hatte als Kind gewiss auch noch die nötige Lust auf's lernen gehabt und den sozialen Background und das massige Geld ihrer Eltern dazu, aber trotzalledem hatte sie für diese Oberschichtkreise, dehrer sie zugehörte, einen nur mehr als hochnotpeinlich empfundenen Hauptschulabschluß geschafft und dann anschließend perspektivlos als ungelernte Kindergärtnerin in Londoner Kitas gejobt, tja, bis halt ihr edler Prinz mit den großen Ohren linkisch in ihr Leben stolperte. Das geschenkte Glück von Begabungen, wie ua. die Intelligenz gehört also auch dazu, aber ohne die eigene Entscheidung, das Potential, was in einem steckt, konsequent rauszuholen -und wenn's auch nur ein einigermaßen gescheiterter Schulabschluß ist- geht's halt eben auch nicht. 
    "So wird z.B. Russland und China demografisch ausgeweidet."
    Ahja. Und warum "weiden" dann die "angelsächsischen Länder" gerade Russland und China und nicht etwa die Türkei aus? Vielleicht liegt es insofern nicht nur an der angeblichen, dumpf gemutmaßten "Chancenungleichheit/-benachteiligung", dass gewisse MigrantInnengruppen bei uns einfach nicht aus den Startlöchern kommen können/wollen? Die "Angelsachsen" ahnen es offensichtlich ja auch und halten sich daher, wie du es ja selbst intonierst, bei gewissen Ländern wohl ziemlich distinguiert zurück. 
    Vernunft ist das Gift im Leben eines jeden ideologischen Scheuklappenträgers, egal ob nun Links oder Konservativ.

  2. Kinder gebildeter Eltern sind also wichtig fuer das Sozialgefuege einer Schule ? Nein, wer haette das gedacht !
    Vielleicht sollte man sich in Hamburg noch einmal genauer ueberlegen, ob man die Interessen dieser Schueler und ihrer Eltern nicht doch auch beruecksichtigen sollte beim Umbau des Schulwesens. Sonst findet man sie nur noch an Privatschulen. Die schoenste "Stadtteilschule" ist nichts wert, wenn sie nur noch von der Unterschicht besucht wird.  

  3. Dieser Bericht zeigt neben anderer interessanter Phänomene, dass sich Kinder mit unterschiedlichen Vermögensverhältnissen besser verständigen als die Eltern. Er  zeigt auch, was verloren geht, wenn Kinder wegen ihrer sozialen Herkunft vor der Tür von anspruchsvolleren Bildungsangeboten stehen bleiben müssen. Wer die Szenarien in der Öffentlichkeit aufmerksam beobachtet, findet Langweile und Perspektivlosigkeit bei weiten Teilen unserer Kinder und Jugendlichen, die immer häufiger an der Flasche endet, die eine Erlösung von dem anstrengenden Alltag verspricht.Wir können es uns nicht leisten, die Bildung aller unserer Kinder dem Spiel von leisten können oder nicht zu überlassen. Unsere Zukunft hat große Herausforderungen, denen wir unsere Kinder nicht einfach ausliefern dürfen.

    • Medley
    • 05.09.2008 um 23:00 Uhr

    So so, der eigene Wille soll also keine wichtige Motivation sein um sein persönliches Glück zu schmieden?! Was dann aber sonst? Alternativen bitte!
    Ok, Prinzessin Diana zB. hatte als Kind gewiss auch noch die nötige Lust auf's lernen gehabt und den sozialen Background und das massige Geld ihrer Eltern dazu, aber trotzalledem hatte sie für diese Oberschichtkreise, dehrer sie zugehörte, einen nur mehr als hochnotpeinlich empfundenen Hauptschulabschluß geschafft und dann anschließend perspektivlos als ungelernte Kindergärtnerin in Londoner Kitas gejobt, tja, bis halt ihr edler Prinz mit den großen Ohren linkisch in ihr Leben stolperte. Das geschenkte Glück von Begabungen, wie ua. die Intelligenz gehört also auch dazu, aber ohne die eigene Entscheidung, das Potential, was in einem steckt, konsequent rauszuholen -und wenn's auch nur ein einigermaßen gescheiterter Schulabschluß ist- geht's halt eben auch nicht. 
    "So wird z.B. Russland und China demografisch ausgeweidet."
    Ahja. Und warum "weiden" dann die "angelsächsischen Länder" gerade Russland und China und nicht etwa die Türkei aus? Vielleicht liegt es insofern nicht nur an der angeblichen, dumpf gemutmaßten "Chancenungleichheit/-benachteiligung", dass gewisse MigrantInnengruppen bei uns einfach nicht aus den Startlöchern kommen können/wollen? Die "Angelsachsen" ahnen es offensichtlich ja auch und halten sich daher, wie du es ja selbst intonierst, bei gewissen Ländern wohl ziemlich distinguiert zurück. 
    Vernunft ist das Gift im Leben eines jeden ideologischen Scheuklappenträgers, egal ob nun Links oder Konservativ.

    Antwort auf "Trauriges Meinungsbild"
  4. Wer haette das gedacht: Kinder aus den unteren Sozialschichten sind ehrgeiziger und lernen besser. Ja Mensch, wenn sie das nicht taeten, kaemen sie doch nie da raus.

  5. Ich bin hierüber gestolpert: "Manche bekommen zum 18. Geburtstag von Papa ein eigenes Auto, andere
    müssen jeden Tag nach der Schule arbeiten gehen, um irgendwann den
    Führerschein machen zu können."Vor 10 Jahren, als ich noch zur Schule ging, war das EXAKT GENAUSO!!!! Und nicht wirklich ein Migrationsproblem. Gibt es hier irgendwen, den diese Aussage erstaunt hätte???Wenn Du etwas wissen willst, frag keinen Gelehrten, sondern einen Erfahrenen!

  6. "Da pochen wir nun stolz auf unseren freien Willen und glauben, Handlungsfreiheit zu haben in allem, was wir tun, und sind in Wirklichkeit nur kälgliche Marionetten in der Hand unserer Vorstellungskraft. Wir hören erst auf, Marionetten zu sein, wenn wir gelernt haben, unsere Vorstellungskraft zu meistern." Émile Coué (1857-1926)

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