Kohlestrom Hoffnungsträger grünes Kraftwerk
Mit großem Aufwand eröffnet Vattenfall morgen die weltweit erste Pilotanlage, die Kohlendioxid abscheidet und unter Tage verpressen soll. Die Hoffnung der Energiekonzerne: Endlich werden ihre Kohlekraftwerke klimafreundlich. Howard Herzog, Professor am Massachusetts Institute of Technology, forscht zu den Kosten der CO2-Speicherung. Ein Interview
Herzog (56) leitet seit acht Jahren eine Initiative zur Kohleabscheidung und Speicherung (CCS) am MIT. Er ist Mitautor des CCS-Sonderberichts des Weltklimarats. Seine Initiative wird von großen Energiekonzernen wie Shell und Siemens gesponsert.
ZEIT ONLINE: Die Idee klingt simpel: Man scheidet im Kraftwerk das Klimagas Kohlendioxid (CO2) ab und verpresst es unter Tage. Aber ist die Technologie tatsächlich marktreif?
Herzog: Jeder einzelne Schritt – das CO2 aufzufangen, es zu transportieren, zu verpressen und dies auch zu beobachten – ist schon heute wirtschaftlich. Bislang rechnet es sich aber noch nicht, das alles in einem integrierten System zu machen. Bei der Abscheidung will man etwa einen kontinuierlichen Betrieb gewährleisten. Der Strommarkt funktioniert dagegen nach Angebot und Nachfrage. Das muss man zusammenbringen. Die große Herausforderung ist zudem, CCS im großen Stil zu betreiben. Was wir jetzt unbedingt brauchen, ist Erfahrung.
ZEIT ONLINE: Es gibt verschiedene Methoden, das CO2 abzuscheiden und zu speichern. Welche wird sich durchsetzen?
Herzog: Vor einem Jahr haben wir am MIT eine Studie durchgeführt, die zum Schluss kam, dass jede Technologie ihre Vorzüge hat. Es ist noch immer zu früh zu sagen, welche die beste ist. Das wird von vielen Faktoren beeinflusst, vom Kraftwerkstyp, aber auch von der Qualität der Kohle.
ZEIT ONLINE: Wann wird CCS dann marktreif sein?
Professor Howard Herzog (56) forscht am MIT zur Kohlendioxid-Abscheidung.
Herzog: Das hängt davon ab, ob es bedeutende Einschränkungen geben wird, CO2 zu emittieren. In den USA und China ist dies noch nicht der Fall. Irgendwann wird es sich aber finanziell rechnen, CO2 abzuscheiden und zu verpressen, weil der Kauf von CO2-Emissionsrechten zu teuer ist. Wenn der Markt bereit ist, können wir innerhalb von acht bis zehn Jahren die meisten technologischen Fragen klären – optimistisch gesehen. Dafür brauchen wir aber Pilotprojekte wie die geplanten zwölf Anlagen in der EU.
- Datum 08.05.2009 - 13:45 Uhr
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