Vor ihrem großen Finale in Minneapolis hatten die Republikaner eine sehr große Sorge: Wird John McCain bei seinem Auftritt glänzen können? Oder wird der Präsidentschaftskandidat im Schatten seiner Stellvertreterin stehen? Sarah Palin , der vorläufig neue Star am Republikanerhimmel, hatte am Mittwoch das Parteivolk mit beißenden Angriffen auf Barack Obama aufgerüttelt und in einen lange nicht erlebten Glückszustand versetzt. Sie hatte die Latte für McCain sehr hoch gelegt.

Den ganzen Tag liefen die Berater wie aufgeregte Hühner umher und verkündeten, McCain werde Wegweisendes sagen und Amerikas Zukunft aufzeichnen. Er werde Brücken zum politischen Gegner schlagen und genau sagen, wo es unter seiner Präsidentschaft langgehen solle. Dutzende von Helfern taten ihr Bestes, um das riesige Eishockeystadion so intim und kuschelig wie möglich zu gestalten.

McCain sollte sich dort wohlfühlen und möglichst nahe bei den Delegierten stehen können. Er mag keine ausladenden Räume und steht nicht gerne am Pult. Er sucht lieber das direkte Gespräch, denn er weiß, dass er kein guter Redner ist. Stundenlang wurde die Arena zu einer Art Marktplatz umgebaut.

Es half alles nicht. John McCain lief weit unter Sarah Palins Latte hindurch – sehr weit. Er wirkte müde, alt, blass und ideenlos. Er klammerte sich an seine in der Tat ergreifende Heldengeschichte als Kriegsgefangener in Vietnam. Sie verdient alle Hochachtung und Bewunderung. Doch an diesem Abend musste sie für zu vieles herhalten, für seine Amerikaliebe, für seine Läuterung vom Egoisten zum Patrioten, für seine Lernfähigkeit, seinen Mut und seine Führungsbegabung.

Das entscheidende Versagen aber war: McCain konnte den von George W. Bush schwer enttäuschten Amerikanern nicht darlegen, warum gerade er, der betagte Republikaner, Senator seit 22 Jahren, Wandel und Zukunft verheißen sollte.