Der Showdown der SPD am Schwielowsee beschäftigt am Anfang dieser Woche nicht bloß die deutschen Zeitungen. Auch das Ausland diskutiert intensiv die Personalien Steinmeier, Müntefering und Beck. Anders als in Deutschland, wo die Berichterstattung oft von Häme gegenüber Beck im Speziellen und der SPD im Allgemeinen geprägt ist, richtet sich der Blick von Helsinki bis Paris nach vorn.

Die landesweit erscheinende russische Tageszeitung Iswestija zum Beispiel ist äußerst angetan vom SPD-Kanzlerkandidaten. Für sie wäre eine Kanzlerschaft Steinmeiers "ein Glücksfall". Im Fall eines Sieges der SPD bei der Bundestagswahl "könnte zwischen Russland und Deutschland das ‚goldene Gerhard-Schröder-Zeitalter’ zurückkehren", schreibt Iswestija .

Den Außenminister und früheren Kanzleramtschef Schröders bezeichnet das russische Blatt als "Freund Moskaus" und "engen Kampfgenossen Schröders". Schröder wiederum sei "Russlands wichtigster Freund im Westen". Die Kanzlerin dagegen hat hier keinen guten Ruf, sie schaue "immer wieder nach Washington". Nur leider leider, schreibt Iswestija mit Blick auf die Meinungsumfragen, sei ein Machtwechsel in Deutschland bei der Bundestagswahl 2009 "nach derzeitigem Stand wenig wahrscheinlich".

Auch die liberale finnische Tageszeitung Hufvudstadsbladet nennt Steinmeier "eine gute Entscheidung der SPD". Sie lobt ebenfalls sein diplomatisches Geschick: "Mit seiner Erfahrung als Außenminister könnte Steinmeier eine gute Spitzenfigur in der EU sein", schreibt Hufvudstadsbladet .

Die konservativ-liberale Neue Zürcher Zeitung betont ebenfalls Steinmeiers Nähe zu Schröder, zieht daraus aber andere, differenziertere Schlüsse. Steinmeier sei nicht nur "Eleve Schröders", schreibt das Blatt, sondern in vielem, vor allem in seinem wirtschaftlichen Pragmatismus auch "Schröderianer durch und durch". Wie sein Ziehvater sei er "charmant", "ausgesprochen jovial" – und wie Schröder "vermag er ab und zu auch Nichtsozialisten zu überzeugen".

Allerdings erinnert sich die NZZ gut an die Probleme, die die Reformpolitik Schröders der rot-grünen Bundesregierung innenpolitisch bereitete. Diese Probleme seien nicht verschwunden: Schließlich sei Steinmeier kein Mann der Partei und er vertrete einen Kurs, "der fast allem, was in der SPD in den letzten Monaten populär war, zuwiderläuft".