Grüne Vaterglück statt Parteivorsitz
Die Kampfkandidatur um den Parteivorsitz der Grünen ist entschieden. Der Berliner Fraktionschef Volker Ratzmann verzichtet, aus privaten Gründen: Er wird Vater.
Als der Fraktionsvorsitzende der Berliner Grünen am Donnerstagmorgen im Abgeordnetenhaus vor die Journalisten trat, wirkte der 48-Jährige entspannt und gut gelaunt. "Ja, es ist wahr", bestätigte er, was tags zuvor gerüchteweise schon durchgedrungen war. Aus privaten Gründen werde er seine Kandidatur für den Parteivorsitz zurückziehen.
Am 14. November hatte Ratzmann sich eigentlich in Erfurt auf der Bundesdelegiertenkonferenz als einer von zwei Parteivorsitzenden zur Wahl stellen wollen. Traditionell werden die Grünen von einer Doppelspitze geführt. Während die Wiederwahl der bisherigen Vorsitzenden Claudia Roth als sicher gilt, konkurrierte Ratzmann um den zweiten Posten mit dem Europaparlamentarier Cem Özdemir.
Beide bewarben sich um die Nachfolge von Grünen-Chef Reinhard Bütikofer, der beim Wahlparteitag im November nicht mehr antreten will. Bütikofer will ins Europaparlament wechseln.
Doch nun hat Ratzmann andere Prioritäten gesetzt. "Meine Lebensgefährtin Kerstin Andreae und ich erwarten Nachwuchs“, verkündete er stolz. So wie er sich die Arbeit eines Parteivorsitzenden vorstelle, lasse sich diese nicht mit seiner neuen Rolle als Vater vereinbaren. Im Jahr vor der Bundestagswahl erfordere das Amt des Parteivorsitzenden den vollen Einsatz.
Da seine Freundin, die Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion für Wirtschaftsfragen ist, ihre Arbeit aber in vollem Umfang fortsetzen wolle, habe er nun diese Entscheidung getroffen. Leicht sei ihm das nicht gefallen. "Doch die Verantwortung für unser Kind können nur wir übernehmen, die Verantwortung für die Partei auch andere", sagte Ratzmann.
Damit, dass nicht er sondern Özdemir als Favorit in dem Rennen um den Vorsitz galt, habe seine Entscheidung nichts zu tun, behauptete Ratzmann. Doch auch wenn man ihm dies abnimmt, so ist nicht zu übersehen, dass sein zu erwartendes Vaterglück der für ihn wohl imageförderndste Ausweg aus einer kaum zu gewinnenden Konkurrenzsituation ist. Denn auch wenn Ratzmann - wie er sagt - viel Unterstützung aus der Partei bekommen hat, ganz so offen, wie er es am Donnerstag darstellte, war der Ausgang der Wahl nicht. Cem Özdemir ist bundesweit nicht nur bekannter, er konnte sich auch der Unterstützung wichtiger Landesverbände sicher sein. Und natürlich hat es für die Grünen einen gewissen Reiz, die erste Partei zu sein, der ein Mitglied mit Migrationshintergrund vorsteht.
- Datum 04.09.2008 - 17:00 Uhr
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- Quelle ZEIT online, dpa, Reuters
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Egal, was er sonst noch für Motive hat. So schlecht ist es ja nicht, dass Spitzenpolitiker meist den älteren Jahrgängen angehören und damit eine verbindliche Lebenserfahrung, die für sie wichtig gewesen ist, z. B. eine Familie zu gründen, bereits gemacht haben.
auf den Grünen-Vorsitz zu verzichten, dann wäre es ja schon patriotische Pflicht, der Claudia Roth zu nem Kind zu verhelfen. Allerdings wird sich fürnen natürlichen Akt kaum ein Mann zwischen Deutschland und der Türkei finden lassen, aber es gibt ja die anonyme Samenspende.
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