Tausende Leserbriefe sollen in den vergangenen Tagen beim amerikanischen Klatschblatt US Weekly eingegangen sein. Der Grund: Das Cover der Zeitschrift ziert ein Foto der Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin neben der Schlagzeile "Babies, Lügen und Skandale". Nun rufen Michelle Malkin, Tammy Bruce und Ann Coulter, die drei Vorreiterinnen der konservativen Medienszene, zum Boykott der Zeitschrift auf.

US Weekly sieht sich einem alten Vorwurf der amerikanischen Konservativen ausgesetzt – der "liberal media bias", der voreingenommenen Berichterstattung zu Gunsten der Demokraten. Obwohl Nachrichtenmedien wie die New York Times oder die Washington Post eine strenge personelle Trennung der Meldungs- und Meinungsressorts betreiben, wird ihnen immer wieder von konservativen Gegenmedien vorgeworfen, sie berichteten tendenziös. Die öffentliche Empörung wird – wie im Fall US Weekly – bisweilen sorgfältig orchestriert und ist institutionalisiert im Media Research Center , das konservative Aktivisten und Blogger mit Fortbildungen und aktuellen Fallbeispielen angeblich unangemessener Berichterstattung unterstützt.

Eine Erfolgsgeschichte des medialen Kulturkampfes gibt es dabei schon zu vermelden: Nach Berichten der New York Times hat der Nachrichtensender MSNBC am Wochenende pünktlich zur heißen Phase des amerikanischen Wahlkampfes seine kontroversen Nachrichtensprecher Chris Matthews und Keith Olbermann ausgetauscht. Beide machten keinen Hehl aus ihrer politischen Nähe zu den Demokraten – Olbermann etwa ist bekannt für eine Sendung, in der er regelmäßig konservative Politiker und Kommentatoren zur "Worst Person in the World" deklarierte.

Dass die beiden Nachrichtensprecher jetzt zu Kommentatoren degradiert wurden, ist ein Erfolg im Kampf um die politische Medienhegemonie. Doch noch gibt es viele Windmühlen, gegen die es für die konservativen Meinungsmacher zu Felde zu ziehen gilt. Neben der US Weekly bestätigte am Wochenende auch der Musiksender MTV seine Rolle als Feindbild der Rechten. Der britische Komiker Russell Brand hatte die Eröffnungsrede der hier ausgestrahlten Video Music Awards genutzt, um neben Präsident George W. Bush und Sarah Palin auch deren schwangere Tochter und die Abstinenzgelübde christlicher Jugendlicher zu verspotten. "Bitte wählt Obama", bat er sein Publikum.

Wieder war es Michelle Malkin, die den Vorfall ausführlich thematisierte. Andere Blogs schlossen sich an, riefen zum Protest auf und verlinkten eine MTV-Seite mit Kommentarfunktion. Mehr als 4500 kritische Kommentare seien dort eingegangen, behauptet Malkin – 24 Stunden nach ihrem Posting ist das nicht mehr nachzuvollziehen: Die Kommentarfunktion der Seite ist ausgeschaltet, die kritischen Kommentare offenbar aus dem Archiv entfernt.

Während Hollywood seit Langem als liberale Bastion gilt, hatte der konservative Journalist Brian Anderson 2005 eine "neue Ära" in Popkultur und Medien ausgerufen. In seinem Buch South Park Conservatives schrieb er, der Einfluss konservativer Blogger und Aktivisten führe zu einem Paradigmenwechsel in der Popkultur, in die nach Jahrzehnten linker Hegemonie nun der politisch unkorrekte Witze Einzug halte und alles verspottet werde, was Demokraten heilig sei.

Drei Jahre später darf die Schärfe dieser These angesichts von US Weekly , MTV und dem Erfolg der Republikaner-kritischen Satiriker John Stewart und Stephen Colbert bezweifelt werden. Die konservative Gegenöffentlichkeit scheint jedoch dank ihrer digitalen Vernetzung in der Tat an Spontaneität und Macht gewonnen zu haben.