Die Hiobsbotschaft hätte aus Sicht der Demokraten kaum zu einem besseren Zeitpunkt kommen können: 6,1 Prozent Arbeitslose vermeldeten die US-Behörden am Freitag für den gerade abgelaufenen Monat - die höchste Quote seit fünf Jahren. Dies bescheinige, dass "McCain es einfach nicht kapiert", so Barack Obama

Denn die Demokraten hatten sich auf ihrem Parteitag sehr viel ausgiebiger und detaillierter mit der kränkelnden Wirtschaft beschäftigt als die Republikaner. "McCain hat das Ziel verpasst", kommentiert die New York Times. Seine "wenig inspirierende" Rede sei "eine der wirkungs- und bedeutungslosesten Antrittsreden in der jüngsten politischen Geschichte". 

Harte Worte, die deutlich machen, dass die Zeitung sich die massive republikanische Medienschelte bezüglich der Berichterstattung über Vize-Kandidatin Sarah Palin nicht so einfach gefallen lässt. McCain mag seinen durch jahrelange, außergewöhnliche Gesprächsbereitschaft mühsam erarbeiteten Sympathiebonus verspielt haben. 

Seit den Parteitagen ist der Ton spürbar schärfer geworden. Nach Sarah Palins heftigen Attacken auf Barack Obama gilt ihre Schonzeit als Neuling auf der bundespolitischen Bühne als beendet. Bisher hatten die Demokraten sie im Gegensatz zu den Medien wohlweislich mit Samthandschuhen angefasst. Nun bezichtigen sich beide Lager unverhohlen der Lüge: Das Hickhack bezüglich der Internet-Gerüchteküche um Palins Familie ist längst nicht beendet. 

Doch Wirtschaft, nicht Persönlichkeit, wird die Wahl entscheiden, glauben die Demokraten. "Sie hören viel über John McCains fesselnde Vergangenheit als Kriegsgefangener. Sie hören viel Unwahres über mich. Einzig über Ihre Sorgen wird nicht gesprochen", analysiert Obama den Wahlkampf der Republikaner vor einer Gruppe von Fabrikarbeitern. Sein Rezept für die vielen Wähler, die "trotz geringeren Verdienstes härter arbeiten als früher": Steuersenkungen für 95 Prozent der Bevölkerung, also "für alle, bis auf die Superreichen", erläutert Vize-Kandidat Joe Biden