Deutsche BahnStolpern Richtung Börsengang

Die Bahn zieht ihren Bedienzuschlag zurück. Ein peinlicher Vorgang für Bahnchef Mehdorn. Ein Kommentar von 

Eine Dämlichkeit. Viel mehr fällt auch gewogenen Beobachtern nicht mehr zu dem erst großartig angekündigten, dann modifizierten und nun ganz zurückgenommenen Bedienzuschlag ein, mit dem die Deutsche Bahn Kunden bestrafen wollte, die ihre Fahrkarte noch immer am Schalter statt am Automaten oder im Internet kaufen.

Abermals präsentiert sich die Bahn als ein Konzern, der zwar als Global Player wahrgenommen werden möchte, aber von vielen Bürgern eher als Rumpelladen gesehen wird: schlecht organisiert, unfreundlich, dafür ständig teurer.

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Und dieses Gebilde soll nun – vermutlich Ende Oktober - an die Börse gehen. Schon haben Investoren bis nach China Interesse geäußert.

Doch wird sich der Streit um den Bedienzuschlag auf diesen von Bahnchef Hartmut Mehdorn so lange herbeigesehnten Moment negativ auswirken? Die Antwort lautet: Ja und nein.

Nein, weil Investoren sich von einem einzelnen Managementfehler nicht so leicht abschrecken lassen. Sie interessieren sich für andere Ziffern.

Die lasen sich in der Bilanz für das erste Halbjahr 2008 gut: Der Konzerngewinn vor Zinsen, Steuern und ohne positive Sondereffekte aus Verkäufen erhöhte sich auf 1,4 Milliarden Euro. Unter dem Strich kletterte der Gewinn auf 915 Millionen Euro. Auch der Umsatz legte zu, auf 16,6 Milliarden Euro.

Leserkommentare
  1. Durch den vielleicht sogar geplanten "Aufreger" Schaltergebühr, deren Beseitigung und das anschließende Erfolgsgefühl von Offentlichkeit und Politik rückt das Thema der m.E. völlig überzogenen Preiserhöhung wieder in den Hintergrund.
    Gleichzeitig plant die DB/Herr Mehdorn laut dpa 2 (zwei) Runden durch weltweit 25 Finanzplätze, um die künftige Bahn-Aktie vorzustellen. Das dürfte ungefähr soviel kosten wie 1 Jahr Einnahmen aus der geplatzten Schaltergbühr.
    Der Kommentar, der mir als autolose Bahnnutzerin dazu aufstößt ist hier nicht druckbar.
    Nach wie vor entsetzt bin ich auch über den zunächst geplanten Komromißvorschlag, der Kunde möge sich beim Kartenkauf "erst mal nackt machen" und sein Geburtsdatum und den Grad seiner evtl. Behinderung auf den Tisch legen. Das sind Vorschläge von Menschen, die selbst noch nie am Schalter, bzw. in einer Warteschlange gestanden haben.

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    • Colon
    • 12. September 2008 16:02 Uhr

    Werte "KarolaChristiane",

    Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Herr Mehdorn und sein Leitungsteam hätten natürlich den "Bedienzuschlag" gerne noch mitgenommen. So aber sichert der gütige Verzicht für die Politik einen guten Auftritt: "Das haben wir verhindert", währenddessen die Erhöhung der Fahrpreise auf breiter Front von der immer noch vorhandenen politischen Aufsicht längst abgesegnet ist, trotz eines Milliardengewinns 2007 und einer erneuten positiven Geschäftsentwicklung in 2008. - So viel Chuzpe steigert die Börsentauglichkeit des Unternehmens, denn Gewinne gehen zunächst als Dividende an die Aktionäre. Für deren Beruhigung sorgte erneut Herr Mehdorn.

    Das Spiel betreibt die Bahn übrigens schon länger, z.B. beim Aushandeln der Leistungen für die Angebote nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Da hat man es geschafft, Kommunen und Länder zu Zusatz-Investitionen in das Netz und das rollende Material zu bewegen. Auch in der Vergangenheit gab es "kulante" Nachlässe bei den Fahrpreiserhöhungen, wenn die Politiker und Bahnfahrer kräftig bettelten.

    Grüße
    Christoph Leusch

    Ein Kommentar, der die Seelenlosigkeit der Mehdornschen Bahngeschäfte verständlich macht. Die Bahn braucht ein Management, dass den Dienst am Kunden als Zukunft sichernde Vertrauensbildung versteht und langfristige Entwicklungen in Betracht zieht. Das Einkommen des Bahnmanagements ist keine brauchbare Richtlinie für ein Verkehrsmittel, dem die Zukunft gehören kann.

    • Colon
    • 12. September 2008 16:02 Uhr

    Werte "KarolaChristiane",

    Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Herr Mehdorn und sein Leitungsteam hätten natürlich den "Bedienzuschlag" gerne noch mitgenommen. So aber sichert der gütige Verzicht für die Politik einen guten Auftritt: "Das haben wir verhindert", währenddessen die Erhöhung der Fahrpreise auf breiter Front von der immer noch vorhandenen politischen Aufsicht längst abgesegnet ist, trotz eines Milliardengewinns 2007 und einer erneuten positiven Geschäftsentwicklung in 2008. - So viel Chuzpe steigert die Börsentauglichkeit des Unternehmens, denn Gewinne gehen zunächst als Dividende an die Aktionäre. Für deren Beruhigung sorgte erneut Herr Mehdorn.

    Das Spiel betreibt die Bahn übrigens schon länger, z.B. beim Aushandeln der Leistungen für die Angebote nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Da hat man es geschafft, Kommunen und Länder zu Zusatz-Investitionen in das Netz und das rollende Material zu bewegen. Auch in der Vergangenheit gab es "kulante" Nachlässe bei den Fahrpreiserhöhungen, wenn die Politiker und Bahnfahrer kräftig bettelten.

    Grüße
    Christoph Leusch

  2. Wann ist es endlich genug? Der Vertrag diese Herren sollte, meinetwegen unter Hinnahme eines Abgeltungsbetrages, fristlos gekündigt werden.

    Den Verkehrsminister kann man da gleich mitnehmen.´

    Ein bezahlbares Verkehrswesen ist ein Grundrecht der Bürger und soll nicht zur Profitquelle für Finanzinvestoren werden.

    Jedes Prozent der privatisierten, ehemals öffentlichen Unternehmen, das als Gewinn in die privaten Töpfe der Investoren fließt, mindert die Leistung der Betriebe und verkürzt die Löhne der Mitarbeiter und deren Alterversorgung.

    • Anonym
    • 12. September 2008 20:25 Uhr

    - und Recht hat der liebe amadeus, welcher oben sagt: "Ein bezahlbares Verkehrswesen ist ein Grundrecht der Bürger und soll nicht zur Profitquelle für Finanzinvestoren werden". Dat Gepinkele mit de Euro-Masche bei der DR hat noch keinen Klo aber ne Geldbörse, wo allet reinwandert, watt "flüssig" jemacht wird

    • RalphS
    • 12. September 2008 21:32 Uhr

    Zitat "Zum Zweiten zeigte sich, dass sich der Vorstand eines Konzerns mit Börsenambitionen im operativen Geschäft von der Politik zurückpfeifen lässt."
    .

    Ich hatte es schon mal hier geschrieben :
    http://kommentare.zeit.de...
    und es hat sich jetzt bewahrheitet :
    "Heute ist die Bahn noch zu 100% in Staatsbesitz und gehört somit uns allen. Solange dies so ist, muss sie sich möglichst nach unseren Wünschen richten. Ausführungsorgan ist die Bundesregierung welche von uns gewählt wurde."

    • mexi42
    • 13. September 2008 5:51 Uhr

    Richtig! Das ganze Service-Gebühren-Theater läuft ab unter den Augen verant-
    wortlicher Politiker, die zukünftig das Staatsvermögen verschleudern wollen, wo-
    mit jegliche Einflussnahme auf die Funktion der Bahn schwindet.
    Ein derartiger volkswirtschaftlich wichtiger Betrieb kann und darf weder privatisert,
    noch von einem Egomanen geleitet werden.

  3. ... dann sind die Fahrgäste glücklich. Oder war es umgekehrt? Es nützt "der Bahn" nichts, wenn sie Fahrgäste verliert und es nützt den Reisenden nichts, wenn sie sich ihren Service nicht mehr leisten kann. Wer wird jetzt Schiedsrichter sein? Mehdorn hat den Auftrag, dass es der Bahn gut geht. Wer wird die andere Seite vertreten? Hallo, Ihr Abgeordneten! Noch immer mit dem Gewähltwerden beschäftigt? Dann wird der Verbraucher entscheiden, wie gut es der Bahn dann schließlich geht.

  4. Ein Kommentar, der die Seelenlosigkeit der Mehdornschen Bahngeschäfte verständlich macht. Die Bahn braucht ein Management, dass den Dienst am Kunden als Zukunft sichernde Vertrauensbildung versteht und langfristige Entwicklungen in Betracht zieht. Das Einkommen des Bahnmanagements ist keine brauchbare Richtlinie für ein Verkehrsmittel, dem die Zukunft gehören kann.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Hartmut Mehdorn | Deutsche Bahn | Börse | Energiekosten | Euro | Gewinn
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