Bankenkrise Notenbank greift ein

Der US-Investmentbank Lehman Brothers droht das Aus. Die Bank of America übernimmt statt ihrer die Rivalin Merrill Lynch. Die US-Finanzkrise erreicht einen neuen Höhepunkt

Der Ticker sagt es den Passanten: Lehman Brothers kündigt Verluste an

Der Ticker sagt es den Passanten: Lehman Brothers kündigt Verluste an

Trotz eines das ganze Wochenende andauernden Krisengipfels von US-Regierung und führenden Banken sanken die Chancen zur Rettung von Lehman Brothers zuletzt gegen null. Das Traditionshaus mit deutschen Wurzeln hat Insolvenzschutz beantragt. Mögliche Käufer der viertgrößten US-Investmentbank hatten ihre Offerten wegen unkalkulierbarer Risiken zurückgezogen. Finanzminister Henry Paulson schloss die zuvor in anderen Fällen geleisteten Staatshilfen aus.

Als möglicher Käufer von Lehman Brothers galt zuletzt auch die zu den führenden US-Banken zählende Bank of America. Nach dem Scheitern dieser Gespräche wandte sie sich stattdessen der wegen Milliardenverlusten und eines heftigen Kurssturzes bedrohten drittgrößten Investmentbank Merrill Lynch zu: Sie übernimmt die kriselnde Bank für 50 Milliarden Dollar in Aktien. Die Bank of America hatte im Zuge der Kreditkrise bereits die einst führende Hypothekenfirma Countrywide geschluckt.

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Mehr als ein Jahr nach ihrem Beginn erreicht die Finanzkrise damit einen neuen Höhepunkt. An der Wall Street erwarten Beobachter in der neuen Börsenwoche historische Umwälzungen mit Folgen für die gesamte Finanzwelt. Auslöser waren zuletzt drastische Kursstürze und neue Milliardenverluste bei einer Reihe von Finanzhäusern. Sollten ihre Kurse ins Bodenlose fallen, könnte laut Experten eine Pleitewelle drohen.

Angesichts der jüngsten Finanzkrise hat die US-Notenbank eine Reihe von Maßnahmen zur Stützung der Finanzmärkte angekündigt. Unter anderem sollen weitere Formen von Sicherheiten für Geld der Notenbank akzeptiert werden, sagte Notenbank-Chef Ben Bernanke. Damit sollten die "möglichen Risiken und Störungen der Finanzmärkte" abgefedert werden, sagte Bernanke nach Angaben des Senders CNN.

Erst vor sechs Monaten hatte die Investmentbank Bear Stearns ihrem Zwangsverkauf zustimmen müssen. Mit der Übernahme von Merrill Lynch und bei einem Aus für Lehman Brothers würden damit binnen kurzer Zeit von einst fünf unabhängigen US-Investmentbanken nur noch die Branchenführer Goldman Sachs und Morgan Stanley übrig bleiben. Beide legen in dieser Woche mit Spannung erwartete Quartalszahlen vor.

Angesichts immer neuer Krisenherde warnen Beobachter vor einem Flächenbrand. Der angeschlagene größte US-Versicherer AIG muss laut Medienberichten Konzernteile verkaufen und sich eine weitere Kapitalspritze von mehr als zehn Milliarden Dollar verschaffen. Zu den Notoperationen soll laut Wall Street Journal auch der Verkauf der Flugzeugleasing-Tochter ILFC gehören.

Die größte US-Sparkasse Washington Mutual gilt unterdessen wegen enormer Probleme immer mehr als Übernahmekandidat. Sie steht bereits unter verschärfter Behördenaufsicht. Ihr Scheitern wäre laut Experten eine enorme Belastungsprobe für den Sicherungsfonds der Branche.

 
Leser-Kommentare
    • Herr-M
    • 15.09.2008 um 10:16 Uhr

    „Unter anderem sollen weitere Formen von Sicherheiten für Geld der Notenbank akzeptiert werden“
    ..Vielleicht das Privatvermögen all derer, die sich in den Boomjahren bereichert haben?

    • gayorg
    • 15.09.2008 um 10:35 Uhr

    GELD DRUCKEN?

  1. In Boomzeiten sollen sich der Staat und die Notenbanken aus der Marktwirtschaft heraus halten, damit einige wenige Private ('Eliten') ordentlich Kasse machen können. Wenn diese sich dann in ihrer - die natürlich mit einer beispiellosen Naivität einhergehenden - hemmungslosen Arroganz völlig verzockt haben, kommt der ganz große Hilferuf und der Staat soll's dann auch im Wunderland des Business richten.

  2. Wer´s glaubt, wird selig.... Naja, ein paar Räuberbarone weniger.

    • gayorg
    • 15.09.2008 um 12:15 Uhr

    Kennen wir doch schon Alles, genau wie bei den Amis, obwohl hier ja laut Abwiegelungsrhetorik ja ALLES viel besser ist.

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    ... auch noch letzendlich von unseren Steuergeldern...

    Grüße
    Messala
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    "Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)
    W. Allen

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  4. wird das mit Freiheitsstrafe nicht unter 2 Jaheren bestraft. Es gibt also mit Sicherheit Knast und keine Bewaehrungsstrafe.

    Sollte der Staat freilich solche Finanzmanipulationen in Erwaegung ziehen, wird die verantwortliche Regierung hoechstens nicht wiedergewaehlt.

  5. Wenn ich mit heisser Luft Geschäfte mache, greift die Staatsanwaltschaft ein und nicht die Notenbank. Daher sind zum Beispiel Schneeballgeschäfte mit Recht unter Strafe gestellt.

    Aufsichtsräte und staatliche Kontrollinstitutionen können wohl 600 Milliarden $ Verlust eines einzigen Finanzinstitutes nicht mehr als reales Geld wahrnehmen. Zur Erinnerung, das ist das Doppelte des deutschen Haushaltes 2009.

    Ein erneutes Beispiel, wie unterschiedlich Bereicherung, Korruption und Rechtsprechung interpretiert werden.

    Lothar Bartz

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