Fairer Handel Bio, gerecht, direkt
Der faire Handel macht Bauern in Entwicklungsländern selbstbewusst. Jetzt wollen einige ihre Bananen selbst nach Europa liefern - vorbei an Fruchtmultis und Exporteuren
„Immer, wenn sich früher die Dinge in der Wirtschaft veränderten, waren wir die ersten Opfer“, sagt Romolo Arichavala, „aber heute sind wir nicht mehr auf uns allein gestellt.“
Arichavala ist ein Kleinbauer aus dem Süden Ecuadors. Ein selbstbewusster Bauer und nicht allein damit. Denn Arichavala ist verantwortlich für die Qualitätskontrolle in der Bananenbauern-Kooperative La Primavera in der Küstenprovinz El Oro. Dieser Kooperative ist es gelungen, der bitteren Armut und Knechtschaft durch die Fruchtmultis zu entkommen.
Geholfen hat ihnen der faire Handel. Und selbst wenn einiges krumm läuft, lassen die Bauern hier keinen Zweifel: Es geht ihnen besser als noch vor ein paar Jahren.
Diese Woche findet in Deutschland die „Faire Woche“ statt, eine Aktion, mit der die Weltläden und der Verein TransFair die Öffentlichkeit von den Vorzügen des gerechten Handels überzeugen möchten.
Es geht dabei besonders um die Banane. 2007 betrug der Marktanteil der Fairtrade-Bananen in Deutschland nur 1,7 Prozent. Im Nachbarland Schweiz dagegen sind die „ethisch reinen“ Bananen mit 52 Prozent Marktführer.
Nun mühen sich die deutschen Vorreiter des fairen Handels darum, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, mit dem richtigen Griff im Supermarkt den Kleinbauern in den Entwicklungsländern zu helfen – auch in Ecuador.
Doch zuletzt erlebten sie vor allem Rückschläge. Kaiser’s Tengelmann etwa, in deren Supermärkten im vergangenen Jahr zwölf Prozent des gesamten Segments in Deutschland verkauft wurden, verabschiedete sich im Sommer aus dem ethischen Bananen-Handel. Warum, wollte das Unternehmen auf Nachfrage nicht erklären.
Es sind Entscheidungen wie diese, welche die Zukunftschancen von Bananenbauern wie etwa Leoncio Arica bestimmen. Der 37-Jährige ist überzeugtes Mitglied der ecuadorianischen Kooperative La Primavera. 121 Kollegen sind hier organisiert, keiner von ihnen hat mehr als zehn Hektar Land, zusammen verschiffen sie pro Erntewoche etwa 4.000 Kisten, also gut 72 Tonnen Bananen, 25 Prozent davon über faire Handelskanäle.
„Wir haben durch Fairtrade an Planungssicherheit gewonnen“, sagt Arica. Denn es gibt für jede Kiste fair gehandelter Bananen einen garantierten Mindestpreis, egal wie wenig die lokalen Spot-Märkte gerade hergeben mögen. Zusätzlich bringt jede Kiste Bananen, die mit dem Fairtrade-Label ins Schiff geht, eine Prämie von einem Dollar für die Kooperative. Geld, das in die gemeinsame Infrastruktur, in Fortbildungen, Gesundheitsvorsorge und Schulen investiert wird.
Eine Erfahrung, die man verallgemeinern kann, schreibt der US-amerikanische Wissenschaftler Dan Koeppel (Banana. The Fate of the Fruit that Changed the World). Er beobachtet, dass Fairtrade zu fühlbaren Verbesserungen führen kann, dass die teilnehmenden Bauern besser mit ihrem Geld kalkulieren und Arbeiter tatsächlich mehr verdienen als jene auf den Plantagen der Zulieferer der großen Konzerne.
- Datum 16.09.2008 - 16:44 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Komisch, dass man gleich Wissenschaftler wird wenn man ein Buch verfasst.
Auch wenn Fairtrade sicher zu Verbesserungen geführt hat, bleibt es eine Subvention mit all seinen Nachteilen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren