Finanzkrise Das dicke Ende kommt erst noch
AIG und Lehman Brothers waren wichtige Marktteilnehmer im Handel mit Kreditderivaten. Weil dort Verluste oft mit Verzögerung offenbar werden, könnten die kommenden Monate noch manche böse Nachricht bringen
Bear Stearns, Fannie Mae, Freddie Mac, Lehman Brothers und nun der Versicherungsmulti AIG: Die Liste der Subprime-Opfer wird immer länger. Mit der Zwangsverstaatlichung von AIG hat die Krise nun eine neue Eskalationsstufe erreicht, denn erstmals hat es ein Versicherungsunternehmen erwischt – und dazu noch den vor Kurzem noch nach Börsenwert weltgrößten Versicherer.
Während die amerikanische Regierung bei Lehman Brothers staatliche Hilfe verweigerte, hat sie wenige Tage später bei der AIG-Krise schnell und radikal eingegriffen. 85 Milliarden Dollar erhält der konkursgefährdete Konzern über zwei Jahre als Überbrückungskredit. Dafür sichert sich der amerikanische Staat 80 Prozent des Konzernvermögens als Pfand.
An der Börse wurde die fiskalische Notoperation zunächst bejubelt, die Kurse konnten sich zumindest kurzfristig wieder erholen. Nun haben zwar die Aktionäre viel Geld verloren, aber das Versicherungsgeschäft kann erst einmal weitergeführt werden.
Ähnlich wie nach dem Lehman-Desaster beeilen sich nun auch im Fall AIG Finanzkonzerne aus aller Welt zu versichern, dass man mit dem Unternehmen vergleichsweise wenig Geld verloren habe. Ja, es gibt eine Aktienbeteiligung, aber man könne den daraus resultierenden Wertverlust gut verkraften, heißt es fast unisono.
Kann man nun wieder zur Tagesordnung übergehen, nachdem anscheinend alles doch noch einmal gut gegangen ist?
Eher nicht, denn die Beruhigungsfloskeln aus der Finanzszene enthalten möglicherweise nur einen Teil der Wahrheit. Es ist schon schlimm genug, dass die Aktionäre von Lehman Brothers und AIG viele Milliarden Euro verloren haben.
Aber das Schlimmste steht womöglich noch bevor, weil sich viele Verlustbringer erst mit zeitlicher Verzögerung offenbaren.
Grund dafür sind die Kreditderivate, mit denen sowohl Lehman Brothers wie auch AIG große Räder drehten. Bei solchen Derivaten werden die Kreditausfallrisiken vom eigentlichen Kredit abgekoppelt und als separate Wertpapiere gehandelt. Oftmals sind die Papiere gehebelt, sodass der Ausfall eines Kreditderivate-Emittenten von 100 Millionen Euro bei den Investoren Verluste von mehreren Hundert Millionen Euro verursachen kann.
In einem populären Segment der Kreditderivate, den sogenannten Collateralised Debt Obligations (CDOs), war Lehman Brothers zuletzt einer der Marktführer; AIG ist einer der wichtigsten Marktteilnehmer bei Derivaten auf Schuldverschreibungen.
Unklar ist derzeit noch die Auswirkung der Verstaatlichung auf die von AIG ausgegebenen Kreditderivate. Zuweilen enthalten die Verträge Klauseln, in denen die Verstaatlichung einem Konkurs gleichgestellt wird, und dann werden die Derivate wertlos. Weil viele Kreditderivate ineinander verschachtelt sind, kann es Wochen dauern, bis die wahren Verluste ans Licht kommen.
Staatliche Noteingriffe wie bei AIG sollten daher keinesfalls zu voreiligem Optimismus verführen, denn böse Überraschungen sind bis ins kommende Jahr hinein möglich. Weil Kreditderivate nicht an der Börse gehandelt werden, müssen die Kontrakte jeweils zum Quartalsende bewertet werden.
Erste Schleifspuren dürften sich schon in den nächsten Quartalszahlen zeigen, die Banken und Versicherer ab Mitte Oktober vorlegen. Doch es ist zu befürchten, dass zum Jahresende noch eine weitere Abschreibungswelle kommt und bis dahin weitere Banken und Versicherer in die Bredouille geraten.
- Datum 04.05.2009 - 11:04 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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laeuft. Subprime krise kann man das eigentlich nicht mehr nennen . das ist schon eher das beruechtigte "game over"scenario was sich hier langsam ankuendigt. abgewiegelt wird natuerlich an allen enden , denn sonst ginge alles noch viel schnellet den bach runten. ob der staat USA das alles wirklich stuetzem kann ist auch fraglich, weil der ja auch pleite ist. rutscht eine von den 5 gantz greossen banken ab ist sowieso schluss, denn die haben assets in hoehen, die kein staat mehr aufkaufen kann. nach logischen gesichtspunkten kann natuerlich ein debitaeres geldsystem auch gar nicht unendlich sein und das wissen auch genug leute. man beobachte den goldmarkt - hier wird klar gezeigt wo es lang geht : sinkenden goldpreise ohne disponibilitaet am markt (?) - da wird manipuliert wo es geht - frei ist der markt nicht mehr, wenn er es jemals war.
Hier zeigen sich nun extrem die Mängel der freien Marktwirtschaft wie, Wirtschaftskrisen und eine Konzentration der Vermögen (und damit der Macht) bei wenigen. Besonders Angst macht die nicht vorhandene Wirtschaftsethik, die geschäftliche Anständigkeit ist ein Fremdwort, Unbestechlichkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit sind hier nicht erwünscht und das gänzliche Fehlen von Gemeinsinn und Verantwortungsbewusstsein gegenüber Mitmenschen und Natur scheint gewollt zu sein im Interesse der Gewinnmaximierung.
... der heutige Tag war reine Verschwenung: Keine einzige Großbank ist gekracht! Ist ja langweilig, na ja, vielleicht kommt ja was im Kino.
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