Heimlich schleichen sie nachts durch Berlin. Guerilla-Gärtner. Bewaffnet mit Stiefmütterchen, Chrysanthemen und Samenbomben.

Ihre Mission: die Hauptstadt zu verschönern. Dort wo Unkraut aus dem Asphalt wächst. Auf brachliegenden Grundstücken, die mit Elektroschrott übersät sind. An Orten, an denen junge, tätowierte Männer ihre Pitbulls kacken lassen.

Wer aufmerksam durch Kreuzberg, Friedrichshain oder die Straßen am Prenzlauer Berg schlendert, sieht kleine Gärtchen neben Bäumen. Tulpen und Blattsalat wachsen zwischen Baumstämmen und Asphalt. Es ist ein niedlicher Protest. Neu ist er nicht.

Seit den achtziger Jahren bereits pflanzen Berliner Stadtmenschen wild im urbanen Raum. Sei es aus ökologischem Anliegen, mit künstlerischem Anspruch oder aus politischem Protest.

Angefangen hat das illegale Begrünen in den siebziger Jahren in New York. Nun erlebt die grüne Welle ein Revival, ausgelöst vom Engländer Richard Reynolds.

Reynolds fand eines Tages, die Straßen von London seien grau und hässlich. Mit grünen Handschuhen und Harke machte er sich ans Werk und ließ Blumen auf den Straßen von London sprießen.

Er wusste, was er macht, ist nicht erlaubt. Er jätete und pflanzte nachts. Heute, fünf Jahre später, gibt er auf seiner Webseiteguerillagardening.organderen Gartenpiraten auf der ganzen Welt Tipps, um erfolgreich grünen Krieg zu führen: mit Sonnenblumen vor dem Londoner Parlamentsgebäude oder Sukkulenten auf einem Verkehrsstreifen in Long Beach.

Ein Buch über Guerilla Gardening hat er auch geschrieben. Reynolds ist Werber, er weiß, wie man aus Dreck Geld macht.

In London setzte sich der neue Freizeitspaß schnell durch. In Deutschland gilt Berlin als die Guerilla-Metropole. Ein Boom ist es nicht.