Guerilla Gardening Die GartenpiratenSeite 2/2

Das wilde Begrünen ist auch in Deutschland verboten, aber die Polizisten nehmen es gelassen. Die kleinen Gärtchen fallen kaum auf, meistens vertrocknen die Blumen innert weniger Tage. Bepflanzte Baumumrandungen vor der eigenen Wohnung oder dem Atelier sind weitaus häufiger. Dafür muss man sich nicht nachts treffen und Samenbomben werfen.

In der Bergmannstraße in Kreuzberg pflegt Monika ihre paar Zentimeter Erde zwischen Baumstamm und Asphalt. Sie gießt in aller Ruhe die gelben und roten Primeln. Kein Unkraut ist um den Baum zu sehen. Fußgänger gehen vorbei, keiner nimmt Notiz.

"Die Anwohner freuen sich über meine kleine Oase. In den drei Jahren seit ich dieses Fleckchen begrüne, hat noch nie jemand etwas geklaut. Selbst die Polizisten finden’s schön", sagt sie.

Monika zeigt mit ihrer grünen Gießkanne auf das italienische Restaurant hinter ihr und ruft den Besitzer, Emilio. Er habe schon Blumen gekauft, für den Baum nebenan. Den Gästen, die draußen ihren Espresso schlürfen, gefalle es, statt auf Hundekot auf Primeln zu gucken.

Wer nun glaubt, man könne durch Berlin laufen und sehe Blumenmeere auf Verkehrsinseln oder Seitenstreifen, der wird enttäuscht.

Guerilla Gardening ist nicht organisiert. Im Web werden die sogenannten "Digs", das gemeinsame nächtliche Buddeln, angekündigt. Wer Lust hat, kann spontan mitmachen.

Man muss jedoch lange suchen, bis sich ein paar illegale Großstadt-Botaniker finden, die in der Dunkelheit ihren grünen Protest, Spaß oder Umweltaktivismus ausleben.

Sie ziehen durch die Stadt und streuen Samen. Mit Spaten und Blumenerde beladene Gärtner, die nach Neukölln unterwegs sind, sind die Ausnahme. Stattdessen trifft man sie in Steglitz, gleich neben dem Botanischen Garten.

In einer Stadt wie Berlin, die aus 2500 Grün- und Erholungsanlagen besteht, fallen die paar illegalen Stiefmütterchen kaum auf. Guerilla Gardening in Berlin geht vor lauter Grün unter.

Im Mauerpark ernten an einem Sonntagnachmittag ein paar Leute Salat und Zucchinis, die sie dort ungefragt gesät haben. Ob sie Guerilla Gardening kennen? In letzter Zeit werde wieder viel darüber geredet, aber sie merken nicht viel vom Gartenkrieg in Berlin.

 
Leser-Kommentare
  1. "Gartenkrieg in Berlin". Und dann sind harmlose Anwohner, die ein paar Blumen pflanzen wohl "Soldaten" oder "Untergrundkämpfer" ?

    Man kann auch aus einer Mücke einen Elefanten machen, gell?

  2. die Natur nicht ,das sind nur subjektive,nostalgische Menschen-Träumereien.

  3. schade nur, dass die meisten pflanzen eine länge lebensdauer haben als die durchschnittliche sau, die als 'guerilla gardening' getarnt durchs dorf getrieben wird.

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