Literaturklassiker Hört mit dem Blödsinn auf!Seite 2/2
Penthesilea liebt Achill, und er verliebt sich in sie. Bald merkt er, dass er die Königin der Amazonen nur durch freiwillige Unterwerfung für sich gewinnen kann. Er täuscht im entscheidenden Zweikampf eine Niederlage vor, Penthesilea entdeckt den Betrug, wird wahnsinnig, tötet, ja, zerreißt ihn und isst den sich ihr ahnungslos nähernden Achill buchstäblich vor Liebe auf.
Das Hauptproblem des neuen Comics sind nicht die schlampigen Zeichnungen, die entweder schlecht zu erkennen oder unübersichtlich sind, die beliebig und manchmal unfreiwillig komisch aussehen. Das große Manko sind auch nicht zentrale Fehllesungen des Dramas, etwa im letzten Bild des Comics, auf dem sich Penthesilea mit einem Dolch ersticht – obwohl die Amazonenkönigin im berühmtesten Selbstmord der deutschen Literatur allein durch die Waffen ihres Wortes stirbt.
Der Penthesilea-Comic scheitert vor allem an seiner Unentschiedenheit. Einerseits hält es am anspruchsvollen Kleist'schen Originaltext fest, andererseits wirft es sich den Lesern mit bunten, blutig roten Einfärbungen (Penthesilea als Kannibalin!) an den Hals – obschon Kleist von allen anstößigen Szenen im Stück nur erzählen lässt. Das Unternehmen wird dadurch hoffnungslos unterkomplex und taugt trotzdem nicht als Unterhaltung. Der Comic traut sich nicht, seinen eigenen Weg zu gehen, vertraut aber auch dem Autor nicht. Für diesen neuen Kleist und für alle Bearbeitungen, die mehr wagen, als sie können, oder weniger, als sie sollten, ein kräftiges „Hört mit dem Blödsinn auf!“. Frei nach Shakespeare.
- Datum 18.09.2008 - 15:30 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wie sollen wir an Werken wachsen
wenn Ihr sie so zusammenstaucht?
wieder lebendig
braucht man eigentlich noch Lehrer, oder Theater? wenn die Verlage die Klassiker doch so wunderbar verblöden? Oder ist das irgendwie nicht die richtige Frage? Wie? Pardon, wo bin ich hier eigentlich hingeraten? He, Sie da. Laufen Sie doch nicht weg... - Ach. Auf den Flohmarkt? Wie? Was ich dachte?! Na, ich dachte, ich bin im Stadttheater.
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