Sarah Palin "isst kein Sushi, aber sie fängt Lachse", schreibt der US-Umfrageexperte Peter A. Brown. Dieses Fisch-Gleichnis – "Sushi" steht für die Bildungs- und Geld-Elite an der amerikanischen Ost- wie Westküste, "Angeln" für die breite Masse der einfachen Leute im Landesinnern – könnte das Rätsel knacken, warum diese Frau im US-Wahlkampf das Unterste zuoberst kehrt.

In den linksliberalen Medien, erst in Amerika, dann in Deutschland, steht die Frau als Dummbütel und Provinzmaus mit erzreaktionären Ansichten (über Gott und Krieg) da. Aber in der realen Welt hat diese Frau in weniger als zwei Wochen die Mehrheitsverhältnisse in den Umfragen gekippt. Jetzt liegt nicht mehr Barack Obama, sondern John McCain vorn, wenn auch nur mit zwei Punkten.

Der Grund heißt Palin, weshalb dieser Autor sich vorweg selber korrigieren muss, weil er häufig genug geschrieben hat, dass Vize-Kandidaten keinen Einfluss auf die Präsidentenwahl hätten. Historisch stimmt das, heute, in diesem Wahlkampf, offenbar nicht mehr. Denn am Vorabend des Demokraten-Parteitages stand es in den Umfragen 49 zu 45 Prozent für Obama. Nach Ende des Republikaner-Konvents, also nach der Nominierung von Palin, stand es 49 zu 47 für McCain.

Warum? Weiße Frauen! Bei denen haben sich die Sympathien voll gedreht. Ursprünglich führte Obama in dieser Gruppe mit 12 Punkten. Dann lag McCain mit 12 Punkten vorn. Den berüchtigten "Gender Gap" – den Unterschied im Wahlverhalten von Männern und Frauen – hat der Republikaner abgeschüttelt. Die Erklärung heißt offensichtlich Sarah Palin.

Klassische Feministinnen hassen sie als Verräterin am eigenen Geschlecht, diese Waffennärrin, die für sexuelle Enthaltsamkeit und gegen Abtreibung predigt. Aus diesem linken, urbanen, sozusagen Sushi-Milieu kamen die 10 Millionen Hillary-Wählerinnen. Aber insgesamt gibt es in Amerika 62 Millionen Frauen, die am 4. November an die Urnen gehen. Und bei denen muss "Sarah Barracuda" (so wurde sie als Highschool-Basketballspielerin genannt) Funken geschlagen haben.