Siebeck Eckart Witzigmann über Siebeck
"Es gilt als gut gelüftetes Geheimnis, dass Wolfram Siebeck und ich eine lange kommunikative Eiszeit hinter uns haben. Und es ist jetzt kein Anflug von Altersmilde oder ein löchriger Mantel des Vergessens, wenn ich ihm herzlich und aufrichtig zum Geburtstag gratuliere. Uns eint wesentlich mehr, als es Gründe für eine unendliche Verstimmung gibt. Wir haben beide, von unterschiedlichen Positionen und Standpunkten aus, stets die gleichen Ziele verfolgt, am gleichen Strang gezogen und haben dabei nie den persönlichen Respekt aus den Augen verloren.
Bis zu dieser Petitesse zu Ende des Jahres 1987. Geschlagene Schlachten sollte man nicht nochmals fechten, aber ich habe mich lange wegen dieser Geschichte wie ein Boxer gefühlt, der vom Ringrichter garstig ungerecht behandelt wurde. Wenn man mit Engagement und Ehrgeiz bei der Sache ist, gibt man das nicht so einfach an der Garderobe ab, da schmerzt so ein Zwangsvergleich zwischen Birnen und Äpfeln. Ich halte es bis heute für ein Fehlurteil des (Ring-)Richters Wolfram Siebeck, insbesondere wenn man die damaligen Rahmenbedingungen und Umstände miteinbezieht. Aber ich gehe davon aus, dass wir heute beide recht herzlich darüber lachen können und das ganze ad acta gelegt haben.
Das Leben ist auch bedeutend zu kurz, sich wegen solcher Lappalien gram zu sein oder aus dem Weg zu gehen. Und deshalb schreibe ich der jungen Generation von Köchen und deren Gästen gerne ins Stammbuch: Das immer noch im Gedeihen befindliche sogenannte "Deutsche Küchenwunder" wäre ohne Wolfram Siebeck nicht möglich gewesen. Dafür danke ich ihm und dafür müssen ihm alle dankbar sein, für die das Thema Essen mehr als nur eine modische Zeitgeist-Blase ist.
In kulinarischer Verbundenheit,
Eckart Witzigmann
- Datum 16.09.2008 - 17:28 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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