US-Blogschau Hallo Wirtschaft, auf Wiedersehen LippenstiftSeite 2/2

Nicht die anschließende Stellungnahme, in der Palin allgemein von der Bekämpfung der islamistischen Bedrohung sprach und von Fehlern, die von ihrer Administration dabei vermieden werden würden, sorgte unter den Kommentatoren in der Blogosphäre und dem etablierten Medienbetrieb für Aufmerksamkeit – sondern das kurze Hin-und-Her, das ihr vorausging.

Der Neokonservative Charles Krauthammer nahm Palin in seiner Kolumne gegen den Vokabeltest in Schutz. Sie habe zwar nicht gewusst, was die Bush-Doktrin ist, schreibt Krauthammer, aber auch Gibson wisse nicht, wovon er spreche. Lange vor dem 11. September und den Kriegen in Afghanistan und im Irak habe er in einem Artikel mit diesem Begriff schon den Unilateralismus der Bush-Regierung beschrieben, so Krauthammer. Insgesamt gebe es vier unterschiedliche Bedeutungen des Begriffs.

Unter konservativen Bloggern fanden Krauthammers Ausführungen im Laufe des Wochenendes schnell Verbreitung – als erneuter Hinweis auf die vermeintliche linke Voreingenommenheit und Arroganz in den amerikanischen Massenmedien. In einer Diskussion unter Wikipedia -Autoren irritierte dagegen die Selbstverständlichkeit, mit der Charles Krauthammer das öffentlich editierbare Online-Lexikon im Auslegungsstreit um die Bush-Doktrin als Argumentationshilfe heranzog.

Tatsächlich führte der Wikipedia -Eintrag zur Bush-Doktrin den Begriff am Freitag, dem Tag nach dem ersten Palin-Interview, auf Krauthammer zurück. Noch am Vortag fehlte aber der Hinweis auf Krauthammer, ebenso wie ein Hinweis auf unterschiedliche gängige Bedeutungen des Begriffs. Später verwies der Artikel, der seit dem Palin-Interview verstärkte Zugriffe von Editoren erlebte, zwischenzeitig auf Autoren, die sechs oder sieben konkurrierende Bedeutungen der Bush-Doktrin zählen. Und hätte Charles Krauthammer einen Tag früher nach Referenzen für seine Kolumne gesucht, hätte er sich wohl kaum auf Wikipedia gestützt: Am Donnerstag begann der Übersichtsabsatz zur Bush-Doktrin einige Stunden lang mit den Worten: " Bush ist ein Affe ".

Ganz unverständlich ist sie nicht, die Hoffnung der Huffington Post , dass die Woche der Tiervergleiche und ermüdeten Denker nun mehr vorbei sein möge.

 
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